Börse am Vormittag Lufthansa im Sinkflug
Frankfurt am Main - Der Dax verlor bis 10.30 Uhr ein Prozent auf 6048 Punkte. Auch die Wachstumswerte bauten ihre Verluste aus und zogen den Nemax 50 auf 1847 Zähler, ein Minus von 1,8 Prozent. Der M-Dax rutschte um 0,7 Prozent auf 4572 Punkte.
Im trüben Börsenumfeld konnten sich nur drei Titel dem Abwärtstrend entziehen. Ganz oben notierten die Aktien von Schering, die 0,8 Prozent auf 56,30 Euro zulegten. Das Unternehmen profitiert noch immer von der gestrigen Ankündigung, in den USA die Zulassung für ein neues Medikament erlangt zu haben. Zudem hat der Rivale Aventis am Morgen sehr gute Zahlen präsentiert, von denen die gesamte Pharma-Branche profitiert.
Ebenfalls mit leichten Kursaufschlägen präsentierten sich Preussag und Linde.
Größter Verlierer im Dax war die Lufthansa-Aktie, die sich um 3,3 Prozent auf 21,40 Euro verbilligte. Die Hoffnung auf eine schnelle Einigung bei den Tarifverhandlungen mit den Piloten ist in der vergangenen Nacht geplatzt. Nachdem die Pilotenvereinigung Cockpit das neueste Angebot als unangemessen zurückgewiesen hat, wollen die Flugzeugführer am Donnerstag erneut in den Streik treten. Dies bedeutet für die Lufthansa erneut mehrere Millionen Mark Kosten und einen weiteren Imageschaden.
Unter Abgabedruck standen ebenfalls die Technologiewerte. Das Papier der Siemens-Halbleitertochter Infineon büßte 2,9 Prozent auf 45,86 Euro ein. Siemens-Papiere verloren 1,1 Prozent auf 83,24 Euro. Die Anteilsscheine von Epcos verbilligten sich um 0,7 Prozent auf 71 Euro. SAP-Titel fielen um 0,8 Prozent auf 168,60 Euro.
Auslöser für die Talfahrt der Tech-Titel sind Händlern zufolge die Geschäftszahlen von Cisco Systems. Der US-Netzwerkspezialist hat nach Börsenschluss in New York Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht. Das Unternehmen meldete nach Börsenschluss in den USA einen Rekordverlust von 2,69 Milliarden Dollar, der nach den Erläuterungen von Konzern-Chef John Chambers vornehmlich durch die Abschreibung von Lagerbeständen (2,2 Milliarden Dollar) und Rückstellungen für Umstrukturierung (1,17 Milliarden Dollar) verursacht wurde. Ohne diese Einmalaufwendungen hatte sich ein Gewinn von drei Cents pro Aktie ergeben. Zwar lag dieses Ergebnis über den Erwartungen der Marktteilnehmer, doch fielen die Zahlen dennoch negativ auf.
Die Papiere des im M-Dax notierten Finanzdienstleisters MLP fielen um mehr als sechs Prozent auf 116,70 Euro. MLP war gestern nicht in den Dax aufgenommen worden. Die Deutsche Börse hatte am Dienstagabend mitgeteilt, den wichtigsten deutschen Börsenindex Dax zunächst unverändert zu lassen. Händler hatten erwartet, dass MLP für die Dresdner Bank in den Dax aufrücken werde. MLP war bereits mehrfach als Dax-Kandidat im Gespräch gewesen.
Philip Holzmann notierten nach der Ankündigung der Herausnahme aus dem M-Dax-Index der 70 mittelgroßen Werte zunächst unverändert, gaben dann jedoch um 0,5 Prozent auf 18,75 Euro nach. Die Aktie der Deutschen Börse wird ab dem 18. Juni die Titel des Baukonzerns ersetzen. Die Anteilsscheine der Börse notierten im frühen Handel im Plus, gaben am Vormittag jedoch 0,8 Prozent auf 387 Euro nach.
Neues Insolvenzverfahren am Neuen Markt
Am Neuen Markt gab die Aktie von Infomatec mehr als 20 Prozent nach, nachdem das Unternehmen am Morgen einen Insolvenzantrag eingereicht hatte. Wie das Unternehmen mitteilte, habe fehlende Liquidität zu diesem Schritt geführt.
Im Nemax 50 lagen nur wenige Werte im Plus, die zumeist vom Ende der Spekulation über einen Abstieg aus dem Index profitierten. Das Trintec-Papier legte um 1,7 Prozent auf 2,40 Euro zu. Constantin-Film-Titel legten um 2,6 Prozent auf 19,50 Euro zu, nachdem die Aktie in den letzten Tagen unter Druck geraten war. Die im Juni ausscheidende SER Systeme verlor hingegen zehn Prozent auf 8,85 Euro. Der Spezialist für Wissens- und Dokumentenmanagement wird herausgenommen und durch Umweltkontor ersetzt. Die Börse honorierte den Aufstieg in das Edelsegment des Neuen Marktes mit einem Anstieg von 2,5 Prozent.
Internet-Aktien verlieren auf breiter Front. Das Broadvision-Papier gab vier Prozent auf 7,90 Euro nach, T-Online-Titel sanken um 2,2 Prozent auf 13,50 Euro. Schwächste Internet-Aktie war Articon Integralis, die um 9,8 Prozent auf 43,30 Euro abgab.
Arbeitsmarktdaten belasten den Euro
Der Euro hat sich am Mittwochmorgen leicht verbilligt. Für die Gemeinschaftswährung zahlten Händler um 10.15 Uhr in Frankfurt 0,8838 Dollar. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch mit 0,8866 Dollar festgesetzt.
Ein Grund für das Verharren des Euro unter der Marke von 0,89 Dollar seien die schwachen deutschen Arbeitslosenzahlen vom Vortag, sagten Händler. Die geringe Wahrscheinlichkeit einer Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung am Donnerstag belaste die Währung ebenfalls.