Börse am Vormittag Märkte extrem nervös
Frankfurt am Main In einem von Nervosität geprägten Handel haben die deutschen Aktienindizes bis elf Uhr wieder ins Plus gedreht. Der Dax legte zuletzt 0,5 Prozent auf 5458 Zähler zu. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rückten aus dem Minus ebenfalls mit 0,1 Prozent in die Pluszone auf 1133 Punkte vor.
Übernahmespekulationen beflügelten den Kurs der Commerzbank, der um 2,44 Prozent auf 26,92 Euro anzog. Nach Informationen des SPIEGEL stehen Teile des Unternehmens oder gar die ganze Bank zum Verkauf. Verhandelt würde gegenwärtig mit diversen Banken aus Deutschland, Europa und Übersee. Die Bank habe Gespräche mit verschiedenen Interessenten bestätigt. Zu den Gewinnern zählte auch der Finanzdienstleister MLP mit einem Plus von 1,25 Prozent auf 95,50 Euro. Analysten halten die Kursabschläge in der Vergangenheit für übertrieben.
Die T-Aktie war nach einem festen Start wieder ins Minus und damit zugleich ans Dax-Ende gerutscht. Das Papier verzeichnete zuletzt Kursabschlägen von rund einem Prozent auf 19,19 Euro. Zeitweilig hatte das Papier wieder unter 19 Euro gestanden. Die Unsicherheiten über weitere Verkäufe von ehemaligen Voicestream-Aktionären hielten an.
Die Deutsche Telekom will sich nach Informationen der "FTD" noch in dieser Woche mit Spitzenvertretern der Deutschen Bank wegen des umstrittenen Verkaufs von 44 Millionen T-Aktien treffen. In der Krisensitzung soll es um die künftige Zusammenarbeit gehen. Ob dies der T-Aktie hilft, darf bezweifelt werden: Die T-Aktie befindet sich nicht erst seit dem Verkauf der Papiere durch die Deutsche Bank auf Talfahrt. Viele auch kursrelevante Probleme der Deutsche Telekom sind hausgemacht. Eines davon lautet UMTS und die damit einhergehenden Milliardenschulden des Bonner Konzerns.
Aufhorchen lässt in diesem Zusammenhang derweil die Meldung, dass der finnische Mobilfunkanbieter Sonera als erster Netzbetreiber überhaupt eine Lizenz für den Mobilfunk der dritten Generation zurückgeben und abschreiben wird, berichtet die "FTD". Dies dürfte die Zweifel an UMTS erhöhen. Dem Bericht der Zeitung zufolge, zeigen sich Analysten immer skeptischer, ob es Unternehmen gelingen werde, mit UMTS Profit zu machen.
Trotz einer Gewinnwarnung und dem Rückruf des umsatzstarken Medikaments Lipobay sieht sich der Chemie- und Pharmakonzern Bayer nicht in der Existenz bedroht. "Bayer ist kein Sanierungsfall", betonte Bayer-Chef Manfred Schneider bei einer Pressekonferenz am Montag in Leverkusen. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass der Konzern breit diversifiziert sei und in seiner Strategie nicht allein auf den Pharma-Bereich setze. Der Konzern habe 42 Produkte in der Pipeline. Der Ausfall von Lipobay sei allerdings nicht zu komensieren. Die Aktie von Bayer notierte 0,44 Prozent schwächer auf 35,91 Euro.
Der Münchener Chip-Brocker CE Consumer führte weiter die Gewinnerliste im Nemax 50 mit rund sechs Prozent auf 6,51 Euro an. "Das Papier gehört zu den wenigen Titel, die man am Neuen Markt noch kaufen kann", sagte ein Händler. Allerdings seien die Zahlen aufgrund der Krise am Halbleitermarkt "nicht so berauschend" ausgefallen. Dennoch hielt der Händler Kurse von zehn bis zwölf Euro innerhalb der nächsten zwölf Monate für realistisch. Bedingung sei aber, dass sich der Halbleitermarkt erhole.
Ein weiterer Händler zeigte sich ebenfalls mit den Zahlen nicht zufrieden. Für die Kurszuwächse seien Spekulanten verantwortlich. Institutionelle Anleger hingegen hielten sich von dem Wert - wie auch vom Neuen Markt allgemein - zurück.
Im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 40 Prozent von 9,62 Millionen Mark auf 13,45 Millionen Mark gesteigert. Der Konzernumsatz sei von 150,11 Millionen Mark auf 432,82 Millionen Mark gestiegen.
Die Aktien von T-Online stiegen um 1,72 Prozent auf 7,71 Euro. Das "Handelsblatt" hatte in seiner Montagsausgabe unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, der Axel Springer Verlag wolle gemeinsam mit T-Online zum größten Online-Werbevermarkter in Europa aufsteigen. Zu diesem Zweck werde die Online-Verlagstochter Interactive Media mit dem Internet-Provider ein Joint Venture gründen.
Die Direktbroker haben bekanntlich unter der Schwäche der Aktienmärkte zu leiden. Nach Informationen des Fernsehsenders ntv erwägt das Nürnberger Unternehmen Consors (minus 5,54 Prozent auf 14,49 Euro) offenbar, mit Kooperation unter anderem auch den Konkurrenten Direkt Anlage Bank und (plus 0,34 Prozent auf 14,55 Euro) Comdirect (minus 2,70 Prozent auf 8,32 Euro) der Misere entgegenzuwirken und Kosten zu senken. Consors legt am Dienstag seine Halbjahreszahlen vor.
NSE Software legten rund 20 Prozent auf 0,73 Euro zu, obwohl der Finanzdienstleister im zweiten Quartal rote Zahlen geschrieben hatte. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) habe bei minus 1,5 Millionen Euro gelegen, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Gegenüber dem ersten Quartal sei dies jedoch bereits eine deutliche Verbesserung; die Kosten seien im zweiten Quartal um knapp 40 Prozent gesenkt worden.
USA: Zinssenkung immer wahrscheinlicher
Nach einer Alptraumwoche für die Deutsche Telekom und den Chemiekonzern Bayer sehen sich die deutschen Aktienmärkte am Montag eher mäßigen Vorgaben der Wall Street gegenüber. Die Schluss-Stände von Dow Jones (plus 1,1 Prozent auf 10.416 Punkte) und der US-Technologiebörse Nasdaq (minus 0,4 Prozent auf 1956 Punkte) hatten sich bereits am Freitag zum Handelsschluss in Deutschland abgezeichnet. "Nachholbedarf" in die eine oder andere Richtung haben die von der Wall Street bekanntermaßen stark abhängigen deutschen Börsen insofern nicht.
Indes festigt sich an den US-Märkten die Überzeugung, dass Ende August mit einer weiteren Zinssenkung zu rechnen ist. Das Inflationsrisiko wird als gering eingeschätzt. Sollte sich in dieser Woche bei den zur Veröffentlichung anstehenden Daten zu Einzelhandelsumsätzen und Realeinkommen der Negativtrend der amerikanischen Konjunktur bestätigen, "wird die die US-Notenbank ihre Leitzinsen wohl noch im August senken", prognostiziert die GZ-Bank. Gleichwohl bleibt die Frage bestehen, ob eine Zinssenkung zumindest von 25 Basispunkten nicht schon längst in die Kurse eingepreist ist.
Kritisch merken Analysten zum jüngsten Rückgang der Produzentepreise zudem an: "Es gibt eine Beziehung zwischen fallenden Produzentenpreisen und dem Gewinnrückgang auf Unternehmensseite," kommentierte Ken Mayland, Präsident von Clear View Economics. "Der Index deutet auf eine neue Welle enttäuschender Zahlen im dritten Quartal hin."
An der asiatischen Leitbörse in Tokio ging es am Montag deutlich abwärts. Der Nikkei fiel um 2,2 Prozent oder 257 Punkte auf 11.477 Zähler.