Börse am Vormittag Nemax 50 im Höhenflug
Frankfurt am Main - Es geht doch! Nach einem schwachen Start legen die deutschen Aktienmärkte zu. Der Dax stand zu Handelsbeginn zunächst im roten Bereich, verbesserte sich dann aber bis 10.50 Uhr auf plus 0,8 Prozent. Die Wachstumswerte im Nemax 50 schnellten hoch auf 1530 Zähler. Das ist ein Plus von 4,9 Prozent.
An die Spitze des Dax setzten sich vor allem Technologietitel. Die Gewinnerliste führten die Papiere des Halbleiterherstellers Infineon mit einem Plus von 4,9 Prozent auf 44,7 Euro an. Das Schwesterunternehmen Epcos verbesserte sich um 2,8 Prozent auf 64,20 Euro. Der Softwarehersteller SAP konnte seinen Aufwärtstrend vom Vortag fortsetzen und verzeichnete ein Plus von rund 2,3 Prozent auf 137 Euro. Am Dienstag hatten die Papiere eine wahre Rallye hingelegt und waren mit einem Plus von 8,5 Prozent aus dem Handel gegangen. Auch die T-Aktie knüpfte an ihren Aufwärtstrend vom Vortag an und lag zuletzt bei 29,70 Euro ein Kursplus von 1,9 Prozent.
Die Aktien von DaimlerChrysler verloren 1,8 Prozent auf rund 54 Euro. Der Automobilkonzern hat im ersten Quartal 2001 erwartungsgemäß einen Verlust verzeichnet. Die ersten drei Monate waren hauptsächlich geprägt durch Restrukturierungsmaßnahmen und die operativen Verluste bei Chrysler, Mitsubishi und Freightliner. Wie der Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Konzerns, Jürgen E. Schrempp, am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin mitteilte, rechnet er nach wie vor mit dem Erreichen der Gewinnschwelle im nächsten Jahr. Er unterstrich sein Festhalten an Chrysler und Mitsubishi als integraler und essentieller Bestandteil der Unternehmensstrategie.
Unter Druck standen auch die Aktien der Deutschen Post, die 1,1 Prozent auf 18,90 Euro verloren. Der Konzern muss nach einem Bericht des "Handelsblatts" mit weiteren Geldbußen aus Kreisen der EU-Kommision rechnen. Die Kommission untersuche derzeit, ob die Post Gewinne aus dem Briefmonopol verwende, um andere Geschäftsbereiche zu subventionieren. Sie prüfe dabei erstmals die Frage, ob sich aus dem Briefmonopol unerlaubte staatliche Beihilfen ergäben.
Unter den Wachstumswerten im Nemax 50 befanden sich die Papiere von Pixelpark weiter auf Erholungskurs. Die Aktien führten die Gewinnerliste mit einem Kursplus von 21,6 Prozent auf fünf Euro an. Bereits am Vortag hatten die Titel rund 14 Prozent zulegen können.
Kinowelt Medien AG steigerten sich um 19 Prozent auf 6,55 Euro. Am Vortag war das Papier als schwächster Wert des Nemax 50 mit Verlusten von rund zwei Prozent aus dem Handel gegangen. Das Medienunternehmen hat im vergangenen Jahr trotz deutlich gestiegener Umsätze weniger verdient als 1999. Der Umsatz habe um 58,3 Prozent auf 605 Millionen Mark zugelegt, teilte das Münchener Unternehmen am Mittwoch mit. Gleichzeitig habe sich der Jahresüberschuss auf 3,7 Millionen Mark nach zuvor 22,1 Millionen Mark verringert. Der Gewinn je Aktie sei auf 0,08 Euro nach 0,54 Euro im Jahr zuvor gesunken.
Kinowelt gab außerdem die Übernahme der restlichen 49,9 Prozent an der Kinopolis-Multiplexkette zum 1. April 2001 bekannt. Die Entscheidung wurde mit der "positiven Entwicklung" im Kinomarkt 2001 begründet. Damit könne Kinowelt die Ertragschancen, die sich aus der Neuordnung des deutschen Marktes ergäben, "voll nutzen".
Der französische Telekom-Ausrüster Alcatel beflügelte mit einer positiven Umsatzprognose den Kurs des Brachenkonkurrenten Adva. Alcatel plant für das laufende Jahr eine Umsatzsteigerung um zehn Prozent. Marktbeobachter erhoffen sich von Adva ähnliche Ergebnisse. Der Kurs schnellte um 5,14 Prozent auf 7,76 Euro empor.
Papiere von Brain International verbesserten sich um 13,3 Prozent auf 3,40 Euro. Vorbörslich hatte das Unternehmen aus Breisach am Rhein den Markt mit der Meldung überrascht, im ersten Quartal deutlich geringere Verluste eingefahren zu haben als noch im vergangenen Jahr.
Der operative Verlust verringerte sich um 68,5 Prozent auf minus 5,3 Millionen Mark. Brain International verwies auf die Umstrukturierung im zweiten Halbjahr 2000, die erwartungsgemäß im ersten Quartal 2001 ihre volle Wirkung entfaltete. Im vierten Quartal will Brain erstmalig ein positives operatives Ergebnis vorweisen. Für das Geschäftsjahr 2001 wird ein Ebit von minus zehn Millionen Mark bei einem Umsatz von rund 220 Millonen Mark erwartet.
Aktien des Computerherstellers Lintec Computer AG legten ebenfalls deutlich zu, nachdem das Tauchaer Unternehmen für das Jahr 2000 seinen Nachsteuergewinn um 400 Prozent auf neun Millionen Euro gesteigert hatte. Die Tauchaer streben für das Gesamtjahr ein Ergebnis pro Aktie von 1,75 Euro an. 2002 soll es 3,18 Euro und 2003 dann 4,76 Euro betragen. Aktionäre zeigten sich beeindruckt und schoben den Kurs um 15,3 Prozent auf 19 Euro vor.
Dagegen scheint das Aus für den Pleitekandidaten TelDaFax endgültig gekommen. Das Telekommunikationsunternehmen meldete, dass die Deutsche Telekom weitere Verhandlungen über eine Netzanbindung abgelehnt habe. Ab Donnerstag sollen Unternehmensanteile und Töchter verkauft werden, heißt es. Der Handel mit der Aktie wurde wieder aufgenommen. Das Papiere verlor zuletzt noch 18,6 Prozent auf 0,57 Euro.