Börse am Vormittag: Neuer Markt tiefrot - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Neuer Markt tiefrot

Die Gewinnwarnungen der Technologie-Unternehmen aus den Niederlanden und Großbritannien zogen die deutschen Tech-Werte wie Blei nach unten. Im Nemax-50 stand am Vormittag nicht ein Wert im Plus.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte zeigten am Vormittag weiter nach unten. Während der Dax sein Minus auf ein halbes Prozent auf 5988 Punkte reduzieren konnte, markierten die Wachstumswerte am neue Tiefstände.

Der Nemax-50 rutschte zeitweilig unter die Marke von 1300 Zähler und gab bis 10.40 Uhr 3,5 Prozent nach. Der Nemax All Share fiel auf eine neues Jahrestief mit 1393 Punkten und notierte rund 2,8 Prozent schwächer.

Marconi und ASM schockten mit Gewinnwarnungen

Die Technologiewerte waren am Morgen nach Gewinnwarnungen des britschen Telekomzulieferers Marconi und des niederländischen Chipausrüsters ASML Lithography unter Druck, erklärten Börsianer. "Im Moment ist alles auf Verkauf gestellt, zumindest im Technologiesektor", sagte ein Händler der SEB-Bank. "Die schlechten Meldungen reißen nicht ab." Besonders belastend für Infineon sei die Gewinnwarnung der niederländischen ASML, die in derselben Sparte tätig ist wie die Siemens-Tochter

Technologietitel führten erneut die Verliererliste im Dax an: Infineon büßten vier Prozent auf 26,39 Euro ein, während Siemens 3,34 Prozent auf 68,97 Euro nachgaben. SAP rutschten um 1,60 Prozent auf 152,53 Euro ab. Die Epcos-Aktie wurde bei 61 Euro gehandelt, ein Minus von rund zwei Prozent. Die T-Aktie konnte ihr Minus auf 0,60 Prozent auf 26,84 Euro reduzieren.

Marconi-Aktie fällt um mehr als 50 Prozent

Belastend auf den Handel wirkte offenbar die Gewinnwarnung des britischen Telekom-Ausrüsters Marconi. Der Konzern hat angekündigt, 4000 weitere Stellen zu streichen. Der operative Gewinn werde sich wegen eines härter als erwarteten Marktumfeldes im Geschäftsjahr halbieren. Der Umsatz des laufenden Geschäftsjahres bis März 2002 werde zudem voraussichtlich um 15 Prozent unter dem des Vorjahres liegen, teilte Marconi am späten Mittwochabend mit. Die Aktie fiel zum Handelsauftakt um mehr als die Hälfte ihres Wertes. Zudem hatte am Morgen ad hoc das niederländische Hightech-Unternehmen ASML vor niedrigeren Erträgen.

Wie bereits am Vortag standen Henkel-Aktien auf der Kaufliste der Anleger. Die Papiere des Düsseldorfer Konzerns gewannen bis 10.30 Uhr um 1,20 Prozent auf 71,90 Euro. Es könne durchaus sein, dass der näher rückende Verkauf der Chemiesparte Cognis und die Nennung eines potenziellen Käufers weitere Kursgewinne von ein bis zwei Prozent bringt, sagte Analystin Junpu Li von Delbrück Asset Management.

Neben Henkel reihten sich auch Versorgertitel unter die wenigen Gewinner ein: RWE legten um 0,62 Prozent auf 47,19 Euro zu, während Eon auf 61,40 Euro stiegen - ein Plus von 0,69 Prozent.

Nach der Abschaffung der Doppelspitze beim Stahlkonzern ThyssenKrupp berät der Aufsichtsrat über weitere personelle Veränderungen. Es wird erwartet, dass der Vorstand von bislang neun auf voraussichtlich sechs Mitglieder verkleinert wird. ThyssenKrupp-Vorstandschef Gerhard Cromme wird den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz Kriwett zum 1. Oktober ablösen. Die Aktie notierte rund ein halbes Prozent stärker auf 15,85 Euro.

Im Nemax-50 stand nicht ein Wert im grünen Bereich. Die Aktien der T-Online AG waren zunächst im Plus gestartet, fielen zuletzt allerdings um rund zwei Prozent auf 9,10 Euro ab.

Der Internetprovider setzt auf dem Weg zur Profitabilität anscheinend bald auf "nackte Tatsachen". Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" prüft der Chef des hoch defizitären Internetdienstleisters, Thomas Holtrop, die Aufnahme von erotischen Inhalten. "Mit Erotik kann man Geld verdienen. Das ist ein lukratives Angebot, welches wir für uns sehr genau analysieren", sagte Holtrop.

Unterdessen gräbt Telekom-Chef Ron Sommer, zugleich T-Online Aufsichtsratschef, dem Internetprovider Kunden ab. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in der Donnerstagsausgabe berichtete, geht es dabei um eine Million Geschäftskunden. Während T-Online angekündigt habe, für seine Geschäftskunden neue Angebote zu entwickeln, biete die Telekom-Sparte T-Com seit dem 1. Juli einen schnellen Internetzugang an, der genau dieser Zielgruppe entspreche.

Die Energiekontor AG meldete am Mittwoch nach Börsenschluss die Übernahme der Wind-Solar-Bau KG. Die in Aktien bezahlte Übernahme brachte dem Anteilsschein einen Kursverlust um 2,82 Prozent auf 69 Euro.

Die Aktie der Curasan AG legte um mehr als zehn Prozent auf 5,40 Euro zu, nachdem das Unternehmen die europaweite Zulassung seines Knochenaufbaumaterials gemeldet hatte. Cerasorb sei für Einsatz im gesamten Skelettsystem zugelassen, teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung mit.

Einmal mehr blickt Europa nach Frankfurt: In der Bankenmetropole kommt der EZB-Rat zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammen. Beobachter rechnen allerdings nicht mit einer Senkung der Leitzinsen.