Börse am Vormittag: Nur ein Strohfeuer - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Nur ein Strohfeuer

Die Investoren bleiben vorsichtig. Die sehr guten Quartalszahlen von SAP konnten die deutschen Aktienmärkte nur kurz beflügeln. Dax-Techwerte gaben wieder deutlich nach.
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Frankfurt am Main - Nach einem guten Start sind die Indizes am Vormittag wieder zurück gefallen. Der Dax stand gegen elf Uhr mit 0,4 Prozent auf 5749 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 reduzierten ihr Plus auf 0,7 Prozent bei 1135 Punkten. Am Morgen hatte der Index bereits mit zwei Prozent im grünen Bereich gestanden.

Nach erfreulichen Quartalszahlen schoss der Aktienkurs von SAP zu Handelsbeginn mit mehr als neun Prozent in die Höhe. Zuletzt betrugen die Kursgewinne noch 6,75 Prozent bei 152,60 Euro.

SAP hat seinen Gewinn im zweiten Quartal stärker gesteigert als erwartet und geht auch für das gesamte Jahr von einem höheren Wachstum beim Gewinn als beim Umsatz aus. Im zweiten Quartal sei der Konzerngewinn um 78 Prozent auf 206 Millionen Euro gestiegen. Der Umsatz habe um 24 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro zugenommen. Analysten hatten für den Umsatz im Schnitt ein Plus von 20 Prozent und für den Reingewinn von 50 Prozent erwartet.

SAP legte zudem erstmals eine Prognose für das Gesamtjahr vor. Demnach soll der Umsatz 2001 um mehr als 20 Prozent zulegen. Auch die Rendite soll steigen. Analysten äußerten sich positiv zu den Zahlen. Die Aktie von SAP gewann in den ersten Handelsminuten nahezu zehn Prozent auf 156 Euro zu.

Technologiewerte, die zunächst von den SAP-Zahlen nach oben gezogen worden waren, fielen allesamt wieder in den roten Bereich. Epcos gaben 0,2 Prozent ab, Siemens verbilligten sich um 0,7 Prozent. Die Aktien von Infineon wurden 1,24 Prozent billiger auf 25,47 Euro gehandelt.

Weiter auf Erfolgskurs befanden sich die Aktien von MAN, die sich um ein Prozent auf 25,47 Euro verteuerten. Der Münchener Maschinenbaukonzern MAN wird voraussichtlich im kommenden Jahr zerschlagen und in Einzelteilen veräußert. Als Käufer für die größte Sparte des Konglomerats, das Lastwagengeschäft, steht die Volkswagen AG bereit.

Unter Verkaufsdruck im Dax standen die Aktien der Deutsche Post, die 1,74 Prozent auf 18,66 Euro verloren. Die Aktie gehörte am Vortag zur Spitzengruppe im Dax.

Die Aktien der HypoVereinsbank profitierten von einer Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank. Das Papier steigerte sich um 1,17 Prozent auf 51,95 Euro. Die HypoVereinsbank sei auf breiter Basis restrukturiert, attraktiv bewertet und nur mit einem geringen Risiko im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten versehen, sagte Matt Spick, Chefanalyst für die Titel der bayerischen Bank.

Die Aktien der Dresdner Bank (plus 1,84 Prozent auf 46,50 Euro) werden am Montag aus dem Dax fallen und durch die Papiere des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP ersetzt, teilte die Deutsche Börse heute mit. Die Vorzugsaktien des M-Dax-Titels fielen rund zwei Prozent auf 104,50 Euro ab.

Die Aktie der Großbäckerei Kamps hat ihre Verluste vom Vortag um weitere 6,83 Prozent auf 5,73 Euro ausgedehnt. Nach der Gewinnwarnung hatten Händlern zufolge mehrere Finanzhäuser den Wert herab gestuft. So setzten die Analysten der Deutschen Bank den Wert von "Market Perform" auf "Underperform", HSBC senkten ihre Bewertung von "Hold" auf "Reduce" und SG Securities wechselten von "Hold" auf "Verkaufen".

Am Neuen Markt präsentierten sich die Aktien der SAP-Tochter SAP System deutlich fester. Die Aktien zogen um 7,64 Prozent auf 21,85 Euro an.

Von den SAP-Zahlen profitierten Softewaretitel am Neuen Markt. Brokat steigerten sich um 5,33 Prozent auf 3,16 Euro. Intershop verteuerten sich um sieben Prozent auf 3,64 Euro. Bereits gestern gehörte das Papier zu den Gewinnern im Nemax 50, nachdem das Unternehmen einen Großauftrag vermeldet hatte.

Die Aktien von IDS Scheer sprangen um 4,69 Prozent auf 13,40 Euro. IDS meldete die Übernahme des Beratungsbereichs von Bristlecone Inc., ein in den USA führender Zulieferer von Verwaltungsprogrammen.

In der Spitze des Nemax 50 standen ebenso die Aktien des Biotechnologie-Unternehmens Morphosys. Die Papiere stiegen um 4,60 Prozent auf knapp 33 Euro. Das Unternehmen hatte eine Meilensteinzahlung für seine Forschungsaktivitäten bekommen.

Die Papiere des Reparatur-Dienstleisters Teleplan sprangen um 3,15 Prozent auf 24,85 Euro. Teleplan teilte mit, dass man im abgelaufenen Quartal "alle wichtigen Finanzkennziffern fast verdoppeln" konnte.

Die Endemann Internet AG halbierte die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Noch Ende März hatte Vorstandschef Ingo Endemann mit einen Umsatzanstieg auf 30 Millionen Mark und einen Vorsteuergewinn (EBT) von rund 5 Millionen Mark gerechnet. Jetzt sollen es 15 Millionen Mark Umsatz und ein ausgeglichenes Ergebnis werden. Die Aktie gewann dennoch. Zocker treiben den Kurs um 18 Prozent auf rund einen Euro zu.

IBM blickt skeptisch in die Zukunft

Der gestrige Reigen an Quartalszahlen in den USA hat die Investoren nicht überzeugen können. Zugleich zeigten sich die Börsen erschrocken von dem eher düsteren Bild der US-Wirtschaft, das der Notenbankchef Alan Greenspan zeichnete. Der Dow Jones verlor 0,3 Prozent auf 10.569 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq zeigte sich 2,5 Prozent schwächer.

Viele Ergebnisse lagen zwar im Rahmen der Erwartungen. Gleichwohl enttäuschten zumeist schwache Aussichten oder schwächer Umsätze der Konzerne, so etwa bei Intel und Apple. Dies gilt auch für den Computerriesen IBM, der zwar die Erwartungen für das zweite Quartal beim Gewinn punktgenau traf. Aber auch hier drückte ein schwacher Ausblick die Aktie im nachbörslichen Handel.

Nach Börsenschluss meldete das Software-Unternehmen Siebel Systems Quartalszahlen, die etwas besser waren, als die Analystenerwartungen. Der Chiphersteller Applied Micro Circuits berichtete von Verlusten, mit denen die Experten ebenfalls gerechnet hatten, will aber fünf Prozent seines Personals entlassen. Der Kommunikationschip-Hersteller Broadcom veröffentlichte für das zweite Quartal Verluste, die im Rahmen der reduzierten Schätzungen von Analysten lagen.

Von herausragender Bedeutung an der Wall Street werden die Geschäftszahlen und vor allem der Ausblick sein, die der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft heute im Laufe des Tages abgeben wird. Gleiches gilt für den Netzwerkausrüster Nortel Networks. Sun Microsystem wartet mit seinen Geschäftszahlen nach US-Börsenschluss auf.

Der finnische Mobiltelefon-Hersteller Nokia wird am Donnerstag für das zweite Quartal voraussichtlich einen Vorsteuergewinn von 1,23 Milliarden Euro bekannt geben. Dies schätzten Analysten im Durchschnitt. Sie gaben sich vorsichtig optimistisch für die Aussichten des Unternehmens in den verbleibenden Monaten des laufenden Jahres, obwohl Nokia vor wenigen Wochen die Prognosen für das Umsatzwachstum von 20 auf weniger als 10 Prozent und die Schätzung für den Gewinn je Aktie von 0,20 Euro auf 0,15 bis 0,17 Euro pro Aktie gesenkt hatte.

Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich am Donnerstag leicht erholt. Der Nikkei schloss 16 Zähler fester auf 11.908 Punkte.