Börse am Vormittag SAP fällt weit zurück
Frankfurt am Main Zittrige Hände haben am Morgen den Auftakt bei den Standardwerten bestimmt. Trotz fester Vorgaben der Wall Street tanzte der Dax nervös hin und her. Gegen 10.30 notierte der Index rund ein Prozent im Minus bei 2991 Punkten.
Der Nemax 50 fiel wieder in den roten Bereich und verlor rund ein Prozent auf 363 Punkte. Das Segment soll nach einem Beschluss der Deutschen Börse spätestens bis Ende kommenden Jahres aufgelöst werden. Der MDax präsentierte sich dagegen 0,4 Prozent fester auf knapp 3000 Punkte.
SAP belastet von negativen Analystenkommentaren
Spitzenreiter im Dax war zunächst Autobauer BMW . Der Konzern wird sein US-Montagewerke in Spartanburg offenbar für 400 Millionen Dollar erweitern und dabei 400 neue Stellen schaffen. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Gouverneurs von South Carolina, Jim Hodges, vom Donnerstag hervor, in der dieser 60 Millionen Dollar bundesstaatliche Mittel für Straßenbaumaßnahmen und für den Bau eines Universitätsgebäudes für automobile Studiengänge in diesem Zusammenhang ankündigt. BMW-Vorstand Helmut Panke hatte im August angekündigt, das BMW die Produktion in dem Werk auf 150.000 von 120.000 Einheiten im Jahr erhöhen will. Von BMW war bislang keine Stellungnahme zu erhalten. Die Aktie setzte ihre positiven Vortagestrend fort und gewann knapp zwei Prozent.
Die Aktie des Softwareherstellers SAP kam nach negativen Analystenkommentaren von Merrill Lynch stark unter Druck. Das Investmenthaus hat seine Prognose für den Gewinn je SAP-Aktie für 2002 um zehn Prozent auf 2,13 Euro gesenkt. Für 2003 erwarten die Experten nur noch ein EPS von 2,56 Euro und senken damit ihre Erwartungen um rund 14 Prozent. Die SAP-Aktie verlor am Vormittag 3,46 Prozent und fiel auf 47,50 Euro.
Mit einem Verlust von 2,3 Prozent auf 119,20 Euro gehörte die Aktie der Münchener Rück ebenfalls zu den schwächsten Werten im Dax. Das Papiere hatte sich aber am Vortag mit Zugewinnen von rund acht Prozent an die Dax-Spitze gesetzt. Der Kursverfall der Allianz setzte sich mit Verlusten von rund einem Prozent auf 96,36 Euro fort. Die Aktie hatte bereits am Vortag mehr als fünf Prozent abgegeben. Händlern zufolge hatte das Papier unter negativen Analystenkommentaren und vagen Gerüchten um eine Platzierung von Aktien gelitten.
MobilCom legen kräftig zu
Im Fokus der Anleger am Neuen Markt standen zunächst die Aktien von MobilCom , die um mehr als zehn Prozent auf 2,33 Euro kletterten. Eine Insolvenz des Telekom-Unternehmens ist nach einem Zeitungsbericht zum zweiten Mal nur knapp abgewendet worden. Die wichtigsten Gläubigerbanken haben die Fälligkeit von Krediten im Volumen von 4,7 Milliarden Euro bis Ende Oktober verlängert, berichtet die "FTD". Das Unternehmen wird heute indes sein Sanierungskonzept vorstellen und die Beschäftigten über das Ausmaß des geplanten Stellenabbaus unterrichten.
Der westfälische Damenmode-Hersteller Gerry Weber hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002 (31.Oktober) zum zweiten Mal gesenkt. Angesichts von "lahmender Weltkonjunktur" und "Schwierigkeiten in Ostdeutschland" sei für 2001/2002 nur noch mit einem Umsatzwachstum von 1,6 Prozent auf 402 Millionen Euro zu rechnen, teilte das im MDAX notierte Unternehmen am Freitag mit. Die Aktie gab zum Handelsauftakt zunächst mehr als sechs Prozent auf 6,62 Euro ab.
Bei Cargolifter haben heute die Gläubiger das Wort. Damit wird sich voraussichtlich die Zukunft des insolventen Luftschiffbauers aus Brandenburg entscheiden. Seit der Bund im August eine Bürgschaft über 40 Millionen Euro für ein Sanierungskonzept verweigerte, scheint es praktisch keine Hoffnung mehr zu geben. Der Insolvenzverwalter, einige Politiker, Aktionärsvertreter sowie ein Teil der Mitarbeiter wollen indes noch nicht aufgeben. Es liegt ein abgespecktes Fortführungskonzept vor. Ob es finanzierbar ist, soll sich auf der Gläubigerversammlung in Cottbus entscheiden. Die Aktie von Cargolifter blieb unverändert bei 0,72 Euro.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss im Plus. Der Nikkei gewann 2,3 Prozent auf 9530 Punkte hinzu.
Wall Street: Philip Morris warnt nach Börsenschluss
Wall Street: Philip Morris warnt nach Börsenschluss
Die Standardwerte des Dow Jones gewannen zwei Prozent, schlossen aber knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 8000 Punkten. Der Nasdaq Composite notierte leicht im Minus auf 1221 Zählern. Besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten und der optimistische Ausblick des Automobilkonzerns General Motors hatten den Standardwerten Auftrieb verliehen. Den Technologietiteln fehlten für eine anhaltende Aufwärtsbewegung dagegen die günstigen Prognosen, sagten Händler.
Eine Umsatzwarnung des Netzwerkausrüster Nortel sowie negative Analystenkommentare zum Telekomausrüster Lucent Technologies hatten den Markt für Technologiewerte belastet, sagten Marktbeobachter.
Philip Morris gibt Gewinnwarnung heraus
Schlechte Nachrichten gab es nach Börsenschluss vom Zigarettenhersteller Philip Morris . Der Konzern hat seine Gewinnprognose für 2002 deutlich gesenkt und den Vertriebsaufwand um 300 Millionen Dollar gesteigert. Der Gewinn in diesem Jahr werde zwischen drei und fünf Prozent anstatt der erwarteten neun Prozent zunehmen, hieß es. Nachbörslich gab die Aktie in New York auf 37 Dollar ab. Der Titel hatte zuvor bei 42,73 Dollar geschlossen.
Mit hohem Aufwand will Firmenchef Louis Camilleri den Verkauf von Spitzenprodukten wie Marlboro ankurbeln. Denn das Volumen illegal verkaufter Zigaretten und Billigmarken ist nicht zuletzt auf Grund der hohen Besteuerung stark gestiegen. In einigen US-Städten kostet ein Päckchen Zigaretten inzwischen 7,50 Dollar.
Einer der größten Telekomkonzerne in den USA, die SBC Communications , wird bis zum Ende des ersten Quartals 2003 insgesamt weitere 11.000 Stellen abbauen. Die Stellenstreichungen betreffen sechs Prozent der Gesamtbeschäftigung. SBC-President William Daley sagte in einem Interview, die Regulierungen seien der Hauptgrund für das sich abschwächende Telekommunikationsgeschäft gerade bei den regionalen Gesellschaften und stünden vor allem hinter dem Stellenabbau, erst als "zweiten Faktor" wäre die Wirtschaftslage zu nennen.