Börse am Vormittag: Siemens an der Spitze - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Siemens an der Spitze

Technologiewerte dominieren im frühen Handel eindeutig den Dax. Investoren sehen die Zukunft bei DaimlerChrysler offenbar positiv - die Aktie legt deutlich zu.
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Frankfurt am Main – Die deutschen Aktienmärkte haben ihre Zugewinne am Vormittag verteidigt. Der Dax stand gegen elf Uhr mit 1,2 Prozent auf 4675 Zähler im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verzeichneten ein Plus von mehr 5,4 Prozent auf 1081 Punkte und konnten damit sogar noch ein wenig zulegen gegenüber dem Handelsauftakt.

Technologiewerte im Dax gaben eindeutig den Ton an. Sie reagierten auf die guten Vorgaben der Nasdaq mit deutlichen Kursaufschlägen. Siemens  , Epcos   und Infineon   gewannen zwischen knapp vier und drei Prozent hinzu. SAP   kletterten zuletzt noch um 1,50 Prozent auf 118,31 Euro.

Die Investmentbank JP Morgan hatte die Gewinnerwartung für Siemens-Aktien vor Handelsbeginn für 2001 und das kommende Jahr deutlich gesenkt. Die Experten sehen in den Papieren allerdings langfristig weiter einen Kauf.

In Deutschland werden mit Spannung die Geschäftszahlen für das dritte Quartal des DaimlerChrysler   -Konzerns erwartet. Wie Manfred Gentz, Finanzvorstand von DaimlerChrysler, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung (Dienstagausgabe) sagte, ist in Deutschland die Zurückhaltung weitgehend überwunden. Am Ziel eines Operating Profit von 1,2 Milliarden bis 1,7 Milliarden Euro für 2001 halte man zwar fest. Das Erreichen könne aber heute nicht fest versprochen werden. Trotz der aktuell niedrigen Börsenbewertung fürchte DaimlerChrysler keine feindliche Übernahme. Die Börse verteilte bereits Vorschusslorbeeren: Die Aktie des Autokonzerns stand zuletzt 3,74 Prozent auf 40,25 Euro im Plus.

Den vorsichtigen Ausblick auf das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2001 begründet der Finanzvorstand mit den nach wie vor nicht in Gänze einzuschätzenden Folgen der Anschläge. Die Schätzungen der von vwd befragten Analysten reichen beim bereinigten Operating Profit von 130 Millionen bis 490 Millionen Euro nach 540 Millionen Euro im dritten Quartal 2000. Beim Umsatz wird von 33,1 Milliarden bis 36,5 (37,2) Milliarden Euro ausgegangen.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer   hat seine pessimistischen Geschäftsaussichten für 2001 bekräftigt. "Das dritte und vierte Quartal entspricht nicht unseren Erwartungen", sagte Bayer-Chef Manfred Schneider dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Eine wirtschaftliche Erholung sei nicht in Sicht und er rechne erst für das zweite Halbjahr 2002 mit einer konjunkturellen Belebung. Die Aktie drehte zuletzt wieder leicht ins Plus.

RWE   verloren mehr als ein Prozent auf 44,50 Euro. Nach Informationen des Nachrichtensenders ntv erwartet der Vorstand für das Rumpfgeschäftsjahr von Juli bis Dezember keinen Gewinnanstieg. Schwächster Wert im Dax waren die Aktien von ThyssenKrupp   , die ohne neue Nachrichten mehr als zwei Prozent auf 11,57 Euro nachgaben

ComROAD   , der im Nemax 50 notierte Anbieter von Telematiknetzwerken, hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001 den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 110 Prozent auf Euro 27,9 Millionen gesteigert, meldete das Unternehmen vor Handelsbeginn ad hoc. Der Vorstand gehe davon aus, dass der geplante Umsatz in Höhe von 95 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2001 erreicht wird. Das endgültige Quartalsergebnis sowie die Berichterstattung zum 30.9. 2001 werden am 5. November dieses Jahres veröffentlicht. Die Aktie verzeichnete noch ein Plus von rund 15 Prozent auf neun Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im Nemax 50.

Für die Aktien des US-Softwarehersteller Poet Holdings ging es im frühen Handel steil abwärts. Sie verloren 15,60 Prozent auf 1,19 Euro. Das Unternehmen hatte seinen Anlegern am Morgen eine traurige Bilanz für das dritte Quartal vorgelegt: Nach einem Umsatzeinbruch fiel der Umsatz mit 1,8 Millionen US-Dollar um 44 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum (3,3 Millionen Dollar). Der Verlust pro Aktie vergrößerte sich entsprechend von 24 Cent auf 30 Cent. Erst am 11. Oktober hatte Poet Holdings mit einer einstweiligen Verfügung sein Delisting vom Neuen Markt für die nächsten sechs Monate vereitelt.

US-Börsen: JP Morgan sieht Boden noch nicht erreicht

Schwache Wirtschaftsdaten haben die Stimmung an den US-Aktienmärkten nicht getrübt. Obwohl der gestern veröffentlichte Index der Frühindikatoren den deutlichsten Rückgang seit 1996 aufwies und damit das Ende der US-Konjunktur-Schwäche weiter nicht abzusehen ist, schlossen die Börsen in New York deutlich im Plus.

Der Dow Jones präsentierte sich 1,9 Prozent fester auf 9377 Zähler. Der Nasdaq Composite rückte 2,2 Prozent vor auf 1708 Punkte. Vor allem zum Handelsschluss holte die Nasdaq bei überdurchschnittlichen Umsätzen dank positiver Analysten-Kommentare zum Chipsektor kräftig auf.

Heute nach Börsenschluss in den USA wird die Branchenvereinigung Semiconductor Equipment and Materials International die sogenannte Book-to-Bill-Ratio für September veröffentlichen: Nach Ansicht der Analysten von UBS Warburg könnte die Zahl der neuen Aufträge zum ersten Mal seit Monaten die Zahl der auslieferten Chips übersteigen. Der Chiphersteller Altera wies indes nach Börsenschluss einen Gewinn je Aktie von fünf Cents aus und traf damit genau die Analysten-Erwartungen.

Gleichwohl fehlt es in den USA nicht an mahnenden Stimmen. Das Investmenthaus JP Morgan sieht etwa beim S&P 500 den Boden noch nicht erreicht. Dafür sei es zu früh, erklärte die Bank gestern. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind aus Sicht der Experten zu hoch. In den USA legen heute unter anderem AT&T Wireless (vor Börsenbeginn) sowie Amazon.com, Compaq (nach Börsenschluss) und Lucent Technologies ihre Geschäftszahlen vor.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss deutlich fester. Der Nikkei legte 2,8 Prozent auf 10.861 Punkte zu.

Der Euro rutschte am Vormittag unter die Marke von 89 US-Cent ab und notierte bei Kursen um 0,8895 Dollar.