Börse am Vormittag T-Aktie gibt weiter ab
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben am Mittwoch nach schwachen Vorgaben der Wall Street den Handel mit Verlusten eröffnet. Der Dax rutschte bis 9.28 Uhr um rund ein Prozent auf 3162 Zähler ab. Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax50 um 1,1 Prozent leichter auf 434 Punkte.
Technologiewerte gehörten im frühen Geschäft in Frankfurt erneut zu den Verlierern. Siemens , Infineon , SAP und Epcos gaben zwischen einem und rund drei Prozent nach.
Zu den Hauptverlierern zählten auch wieder die Versicherungswerte. Allianz tendierten 2,40 Prozent leichter. Münchener Rück gaben 3,60 Prozent nach auf 138,75 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax. Das Unternehmen legt am Donnerstag Zahlen vor. Nach der Allianz wird nach Einschätzung von Experten auch der zweite deutsche Versicherungsriese einen Verlust für das dritte Quartal präsentieren.
Kunden von Lebensversicherungen müssen sich erneut auf niedrigere Gewinne einstellen. Der Marktführer Allianz Leben will heute eine deutliche Senkung seiner Überschussbeteiligung für 2003 bekannt geben und setzt damit ein Signal für die Branche. Gerechnet wird mit einem Rückgang der Verzinsung von 6,8 Prozent auf etwa 5,5 Prozent. Hintergrund ist die schwierige Lage auf den Kapitalmärkten. Die Nachricht war gestern bereits auf dem Markt und hatte die Aktie der Allianz ebenso kräftig gedrückt wie die Tatsache, dass die Ratingagentur Fitch die Bonitätseinstufung des Versicherers und seiner Tochter Dresdner Bank mit einem negativen Ausblick versehen hatte.
T-Aktie erneut im Rückwärtsgang
Auch die T-Aktie fiel um weitere 2,50 Prozent auf 11,02 Euro, nachdem der Wert bereits am Vortag rund sechs Prozent verloren hatte. Ein Händler wies am Dienstag neben den Sorgen vor einer Kapitalerhöhung bei der hoch verschuldeten France Telecom auf einen zusätzlichen charttechnischen Belastungsfaktor hin.
Die Telekom wird heute ihre endgültigen Kennziffern für das dritte Quartal vorlegen. Vor knapp zwei Wochen hatte der größte europäische Telekomkonzern bereits die meisten Quartalsziffern bekannt gegeben. Viel Neues wird das Unternehmen in seinem Bericht nicht mehr publizieren. Im dritten Quartal hat die Telekom vor allem wegen Abschreibungen einen Rekordverlust für ein deutsches Unternehmen von 20,6 Milliarden Euro eingefahren. Die Bonner konnten dennoch die Erwartungen der Analysten erfüllen.
Unberührt zeigte sich die Aktie des Energiekonzerns Eon von negativen Analystenkommentaren. Goldman Sachs hat die Prognose für den Gewinn je Aktie in 2002 von 9,13 Euro auf 4,33 Euro gesenkt.
WCM rutscht tief in die Verlustzone
Aktien von WCM gaben zunächst zwei Prozent auf 2,45 Euro ab. Die Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft rechnet nach tiefroten Zahlen im dritten Quartal im Gesamtjahr mit einem deutlich negativem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Dies teilte das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch kurz nach Mitternacht mit, nachdem das Unternehmen nachbörslich per Pflichtmitteilung die Eckdaten für die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal veröffentlicht hat. Der ausführliche Zwischenbericht soll am heutigen Mittwoch veröffentlicht werden.
Am Neuen Markt kletterten die Aktien des Biotechnologie-Unternehmen Medigene zunächst um rund 15 Prozent auf 4,90 Euro. Das Unternehmen hat in den USA ein Patent auf ein Verfahren zur Gewinnung therapeutisch einsetzbarer Viren erhalten.
Wall Street: Anleger trauen der Konjunktur nicht
Die Wall Street hatte im späten Handelsgeschäft am Dienstag ihre Verluste noch ausgebaut. Der Dow Jones fiel am Dienstag mit der Schlussglocke zwei Prozent oder 172 Punkte auf 8676 Zähler. Der Nasdaq Composite gab 2,5 Prozent auf 1444 Stellen ab.
Die Märkte in New York hatten enttäuscht auf die schwächer als erwartete Aufhellung des Vertrauens der US-Bürger in die Wirtschaftsentwicklung ihres Landes reagiert. Überdies sprachen Händler von Gewinnmitnahmen nach den Kursanstiegen der vergangenen Wochen.
Analysten halten eine ganze Reihe von Technologiewerten bereits wieder für hoch bewertet. Und wo die Luft nach oben dünn wird, werden Anleger angesichts der in zwei Wochen bevorstehenden Gewinnwarnungssaison vorsichtig, sagten Marktbeobachter.
Die Flut der Konjunkturdaten reißt nicht ab
Das Geschäft dürfte im Verlauf der beiden nächsten Tage sogar noch abnehmen, da sich der Markt generell bereits auf den US-Feiertag "Thanksgiving" am Donnerstag vorbereite, hieß es am Dienstag weiter. An Thanksgiving bleiben die US-Börsen geschlossen und am Freitag wird die Handelszeit verkürzt.
Die am Dienstag veröffentlichte schwächere Verbraucherstimmung ließ Volkswirte vermuten, dass das Weihnachtsgeschäft nicht so gut ausfallen wird wie bislang prognostiziert. Die US-Wirtschaft werde im vierten Quartal voraussichtlich nicht auf dem gleichen Niveau weiterwachsen wie im dritten, hieß es. Die überraschend deutliche Aufwärtsrevision des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal dagegen spielte Händlern zufolge keine größere Rolle am Markt.
Erneut könnten heute US-Konjunkturdaten die Märkte bewegen. So werden noch vor Handelsbeginn der Wall Street gegen 14.30 Uhr (MEZ) Zahlen zu den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter für den Monat Oktober erwartet. Daten gibt es auch zu den persönlichen Einkommen und Ausgaben für diesen Monat. Es folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Gegen 15.45 Uhr erwarten die Märkte den endgültigen Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan für den Monat November und gegen 16 Uhr (MEZ) den Einkaufsmanager-Index für die Region Chicago. Gegen 18 Uhr wird die Notenbank Fed mit dem Beige Book über die weitere Konjunkturentwicklung berichten.
Novellus erwartet fallende Umsätze
Gemischte Nachrichten lieferte nach Börsenschluss der US-Chipausrüster Novellus Systems . Das Unternehmen erwartet für die letzten drei Monate des Jahres einen Umsatzrückgang im Vergleich zum dritten Quartal. Auf Grund von Kostenkontroll-Maßnahmen rechne Novellus aber mit einem Anstieg seines Reingewinns, hieß es.
Unternehmens-Chef Richard Hill geht für das vierte Quartal 2002 von einem Umsatz in Höhe von 211 (Vorquartal 230,5) Millionen Dollar aus. Unter Berücksichtigung von Sonderaufwendungen über 1,7 Millionen Dollar für Stellenstreichungen sagte Hill ein Quartalsergebnis von neun Cent je Aktie voraus. Im dritten Quartal hatte die Firma noch einen Reingewinn von drei Cent je Aktie erwirtschaftet.
Der US-Computerkonzern Sun Microsystems rechnet für das laufende zweite Geschäftsquartal mit einem Umsatz im Rahmen der Markterwartungen. Sun-Finanzchef Steve McGowan sagte am Dienstag bei einer Telefonkonferenz, der Quartalsumsatz werde auf dem Niveau der durchschnittlichen Analystenprognose von 2,92 Milliarden Dollar liegen. Im ersten Geschäftsquartal hatte Sun Erlöse von 2,7 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der erwartete Umsatzanstieg im laufenden Quartal zum Vorquartal liege im Rahmen der saisonalen Entwicklung, sagte McGowan weiter.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Mittwoch fester. Der Nikkei rückte um 0,6 Prozent auf 8875 Zähler vor.