Börse am Vormittag: T-Aktie macht Dampf - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag T-Aktie macht Dampf

Die deutschen Aktienmärkte sind ins Plus gedreht. Zum Teil bewerteten die Händler die Kursgewinne als technische Gegenreaktion.
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Frankfurt am Main - Der Dax notierte zuletzt um 0,5 Prozent höher bei 6070 Punkten. Zuvor war der Index unter die Marke von 6000 Punkten gefallen. Die Wachstumswerte im Nemax 50 hatten zunächst 1,3 Prozent nachgegeben, drehten dann aber mit 1,8 Prozent auf 1734 Zähler ebenfalls ins Plus.

"Das Handelsvolumen ist sehr dünn", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Grund sei weiterhin die schwachen US-Vorgaben. An der Wall Street hatten die Märkte am Vortag unter der trüben Stimmung bei Technologie-Titeln gelitten.

Gewinner war erneut die T-Aktie. Das Papier gewann zuletzt 1,64 Prozent auf 24,20 Euro und war damit stärkster Wert im Dax. Der Bonner Telekom-Riese hatte vor Börsenbeginn berichtet, dass er wegen der VoiceStream-Übernahme das Kapital um 2,990 Milliarden Euro erhöhen wolle. Die Aktionäre des US-amerikanischen Mobilfunk-Unternehmens sollen 4,228 Milliarden Dollar in bar erhalten. Am Vortag war die T-Aktie mit einem Verlust von 6,8 Prozent als schwächster Dax-Wert aus dem Handel gegangen. Insofern bewerten Händler das Kursplus auch als technische Gegenreaktion.

Zu den wenigen Gewinnern zählten auch die Papiere der Dresdner Bank und der Allianz. Die Dresdner-Bank-Aktie legte 1,38 Prozent auf 51,50 Euro zu. Der Allianz-Anteilsschein steigerte sich um 1,46 Prozent auf 323,70 Euro. Der Versicherungskonzern hatte am Morgen Zahlen für das erste Quartal vorgelegt und an seinem Ziel festgehalten, im Gesamtjahr beim Jahresüberschuss ohne Sonderfaktoren um 13 Prozent zuzulegen.

Die Münchner legten zudem offiziell ihr Übernahmeangebot für die Frankfurter Großbank vor: Für zehn Dresdner-Bank-Aktien sollen den Anteilseignern eine Allianz-Aktie und 200 Euro in bar geboten werden. Damit blieb es erwartungsgemäß bei dem bereits früher angekündigten Gebot. Bei der Fusion zum Allfinanz-Konzern rechnen Allianz und Dresdner mit Synergien in Milliardenhöhe.

Die Papiere der Deutsche Post steigerten sich um 0,83 Prozent auf 18,25 Euro. Auch einige der am Vortag gebeutelten Tech-Werte erholten sich. Die Anteilsscheine des Softwareherstellers SAP verteuerten sich um 0,26 Prozent auf 163,23 Euro. Infineon-Papiere gewannen 1,46 Prozent auf 40,36 Euro. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge hat sich die Infineon-Tochter Sci-worx eng an den japanischen Technologiekonzern Toshiba gebunden.

Die Wachstumswerte am Neuen Markt hatten ein schlechten Start erwischt, drehten aber nach etwa einer Stunde wieder ins Plus.

EM.TV, der einstige Stern am Neue Markt-Himmel hatte am Morgen angekündigt, die Frist zur Vorlegung der Erstquartals-Zahlen nicht einhalten zu können. Der Nemax-50-Titel hat nach Auskunft einer Unternehmenssprecherin eine Fristverlängerung bei der Deutschen Börse beantragt. Die Aktie zeigte sich unbeeindruckt von dieser Nachricht und notierte mit einem Plus von 0,66 Prozent bei 3,05 Euro.

Mit moderaten Zuwächsen von 3,2 Prozent gehörten die Papiere von Senator Entertainment zu den größten Gewinnern im Nemax-50. Das Unternehmen hatte am Vortag gute Quartalszahlen vorgelegt.

Die Gauss Interprise AG hat im ersten Quartal 2001 ihren Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2,71 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 7,54 Millionen Euro ausgebaut. Gleichzeitig sei der Umsatz von 4,99 Millionen Euro auf 11,85 Millionen Euro gestiegen, teilte der Anbieter von Content Management Lösungen mit. Insgesamt hätten 23 neue Partner und 29 Neukunden gewonnen werden können. Die Gruppe rechnet nach eigenen Angaben im vierten Quartal damit, die Gewinnzone auf Basis des Ebitda zu erreichen. Der optimistische Ausblick verschaffte der Aktie ein Plus von zuletzt 4,65 Prozent auf 2,25 Euro.

USA: Analysten sind pessimistisch

Analysten zweifeln immer lauter daran, dass die erhoffte Erholung der US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte eintreten wird. Im Bereich Netzwerktechnologie zum Beispiel, sehen die Experten von Lehman Brothers einen möglichen Aufschwung nicht vor dem dritten Quartal 2002. Merrill Lynch spricht gar von einer globalen IT-Rezession.

Zugleich geht unter den Investoren die Angst vor weiteren Ertragswarnungen um. Die Angst ist derzeit bei weitem stärker als die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen in den USA. Die Erkenntnis, dass Greenspans Interventionen nur langsam greifen können, gewinnt an den Kapitalmärkten nicht die Oberhand. So werden neue Engagements aufgeschoben.

Zwar liegt das US-Verbrauchervertrauen im grünen Bereich, wie die jüngsten Zahlen verdeutlichen. Dies sollte die Investoren eigentlich beruhigen: Schließlich tragen die Verbraucher etwa zwei Drittel der US-Wirtschaft. Doch bei derzeit negativen Unternehmensmeldungen ist eine langfristig positive Perspektive nicht auszumachen. Und trotz der bereits fünften Zinssenkung ist der Dollar nicht billiger geworden. Das erschwert das Geschäft der US-Unternehmen auf internationalen Märkten.

Bei der derzeit umgreifenden Unsicherheit werden sich die Investoren weiter zurückhalten und neue Konjunkturdaten abwarten. Am Freitag werden die Arbeitsmarktdaten der USA veröffentlicht.