Börse am Vormittag Tech-Werte knicken ein
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte bauten am Vormittag ihre Verluste weiter aus. Der Dax gab rund ein Prozent auf 6059 Zähler ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten mit 2,6 Prozent auf 1760 Punkte tiefer in die Verlustzone.
Am Tag nach der Hauptversammlung gehörten die Papiere der Deutschen Telekom zu den großen Verlierern im Dax. Die T-Aktie gab um 2,82 Prozent auf 24,83 Euro nach. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass der Konzern heute seinen Anlegern die Dividende auszahlt.
Schwächster Wert im Dax waren ThyssenKrupp. Die Aktien des Mischkonzerns gaben 3,70 auf 16,67 Euro ab, nachdem das Unternehmen vor Börsenbeginn Halbjahreszahlen vorgelegt hatte. Die Zahlen für das erste Halbjahr lagen im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Das Unternehmen reduzierte jedoch seine Prognose für das zweite Halbjahr.
Technologiewerte unter Druck
Nach den schwachen Vorgaben der Nasdaq und der Gewinnwarnung des amerikanischen Herstellers von Netzwerkrechnern, Sun Microsystems, gerieten Technologieaktien im Dax unter Verkaufsdruck. Siemens, Infineon und Epcos verloren zwischen 2,3 und 2,6 Prozent.
Nach einer Untersuchung des asiatischen Marktes für DRAM-Speicherelemente rechnen die Analysten von Merrill Lynch mit weiterhin sinkenden Preisen für diese Produkte - das Kerngeschäft der Infineon Technologies AG. Die Studie habe keine Hinweise auf eine Bodenbildung geliefert, hatte die Investmentbank am Dienstagabend in London mitgeteilt.
Die Papiere der Lufthansa hatten zunächst die Gewinnerliste im Dax angeführt, rutschten bis 10.35 Uhr aber wieder auf plus 0,23 Prozent auf 22,15 Euro ab. Die Lufthansa wird ihre internationalen Bodenabfertigungs-Aktivitäten für 370 Millionen Euro an die französische Penauille Polyservices S.A. verkaufen.
Einen Verkauf vermeldete auch der Chemiekonzern Degussa. Das Unternehmen hat sein Dentalgeschäft für 576 Millionen Euro an die US-amerikanische Dentsply International verkauft. Die Börse honorierte dies mit einem Kursaufschlag von 1,93 Prozent auf 33,78 Euro und war damit stärkster Wert im Dax.
Unter den schwachen Vorgaben aus New York litten auch die Wachstumswerte am Neuen Markt. Im Nemax 50 standen lediglich drei Werte deutlich im Plus.
Nach Meldung der Quartalszahlen waren die Aktien der Trintec Group gefragt. Die Anteilsscheine des Anbieters von Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr stiegen um 3,2 Prozent auf 3,25 Euro.
Stärkster Wert im Index waren die Papiere von Senator Entertainment mit Aufschlägen von 4,2 Prozent auf 7,48 Euro. Das Unternehmen hat Umsatz und Ergebnis im ersten Quartal 2001 erheblich gesteigert. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um rund 70 Prozent auf 23,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte auf 4,2 Millionen Euro zu, nach 2,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Quartalsergebnis liege bei 1,6 Millionen Euro (3,12 Millionen Mark) nach 1,1 Millionen Euro im letzten Jahr.
Die Aktien der United Internet AG gaben deutlich ab. Die Anteilsscheine des Beteiligungsunternehmens verloren 7,72 Prozent auf 4,42 Euro und waren damit schwächster Wert unter den Blue Chips am Neuen Markt.
Das Medienunternehmen EM.TV bleibt weiter in den Schlagzeilen. Jim-Henson-Chef Charles Rivkin plane ein Management-Buy-Out (Übernahme durch eigenes Management) und damit das mögliche Ende der Eigentümerschaft des Medienkonzerns EM.TV.
Wie die "Financial Times" unter Berufung auf Henson nahe stehende Personen berichtete, versucht Rivkin derzeit bei privaten US-Vermögensverwaltern 200 Millionen Dollar zu beschaffen. Die Aktie gab 5,36 Prozent auf 3,18 Euro nach.
Zudem hatte sich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zu Wort gemeldet. Er wolle den Autoherstellern, die sich in der Königsklasse engagieren, entgegenkommen. Für Ecclestone ist die Angst der Hersteller vor der KirchGruppe, die 75 Prozent an SLEC besitzt, jedoch völlig unbegründet: "Kirch wird die Formel 1 im gebührenfreien Fernsehen laufen lassen. Da zwingt ihn schon die EU-Kommission dazu", hatte Ecclestone am Dienstag erklärt.
Der Börsengang der Müller - Die lila Logistik AG bescherte den Erstzeichnern moderate Kursgewinne. Die Anteilsscheine wurden zu 7 Euro ausgegeben und stiegen im frühen Handel zunächst um fünf Prozent, fielen dann aber auf 7,03 Euro ab.
Bedingt durch die Ergebnisse des ersten Quartals stiegen die Papiere der Jenaer Biolitec um 17,42 Prozent auf 9,10 Euro. Nachgefragt waren die Papiere des Internet-Dienstes Web.de. Der Vorstand hatte den Start eines Aktienrückkaufprogrammes bekannt gegeben. Das Papier legte um 11,60 Prozent auf 10,49 Euro zu. Die Aktien gehörten damit zu den größten Gewinnern des marktbreiteren Nemax All Share.
Dagegen trennten sich die Anleger von den Papieren der Cybio AG. Das Unternehmen hatte am Vortag bei rückläufigen Umsätzen einen Verlust von 2,46 Millionen Euro für das erste Quartal gemeldet. Nach Kursverlusten von rund 19 Prozent am Vortag gab das Papier am Mittwochvormittag um weitere 8,25 Prozent auf 26,79 Euro ab.
Schwache Vorgaben aus New York
Die Vorgaben für den Handel am Mittwoch sind schwach. Die US-Börsen hatten am Dienstag im Minus geschlossen. Die Industriewerte im Dow Jones verzeichneten ein Minus von 0,1 Prozent auf 11.039 Zähler. Steil bergab ging es dagegen an der Nasdaq. Die US-Technologiebörse gab um 3,6 Prozent auf 2175 Zähler nach.
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Mittwoch deutlich schwächer geschlossen. Der Nikkei gab 280 Punkte oder rund zwei Prozent ab und notierte zum Handelschluss bei 13.493 Zählern. Technologiewerte führten nach der schwachen Vorgabe der Nasdaq die Liste der Kursverlierer an.
Europas größter Waren- und Versandhaus-Konzern KarstadtQuelle gibt heute einen Ausblick auf die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. Konzernchef Wolfgang Urban will neben der Bilanz 2000 auch Zahlen für das erste Quartal 2001 vorstellen. Außerdem werden Aussagen zu Kosteneinsparungen und dem Online-Handel erwartet.
Rote Zahlen, Kurs am Boden, Führungsquerelen: Seit ihrem Börsenstart vor gut einem Jahr hat T-Online keine gute Figur gemacht. Entsprechend gedrückt wird heute die Stimmung der Anleger auf der ersten Hauptversammlung des größten europäischen Internetunternehmens sein. Wie bei der Mutter, der Deutschen Telekom, werden Aktionärsschützer auch am Management der Neue-Markt-Gesellschaft herbe Kritik üben. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will auf der Veranstaltung in Köln den Antrag stellen, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.