Börse am Vormittag: Tech-Werte tauchen ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Vormittag Tech-Werte tauchen ab

Vor der Veröffentlichung neuer US-Arbeitsmarktdaten wächst an der Börse die Nervosität. Besonders schlecht steht es um Technologiewerte wie Epcos und Infineon. Im Nemax 50 schaffte es nicht ein einziger Titel ins Plus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Dax blieb am Vormittag mit einem Minus von 66 Punkten (1,5 Prozent) in der Verlustzone und notierte bei 4481 Zählern. Der Nemax 50 konnte sein Minus auf 3,4 Prozent reduzieren und stand bei 831 Punkten. Ängste vor ungünstigen Konjunkturdaten aus den USA und vor einem US-Militärschlag drücken die Stimmung der Börsianer.

Konjunktur erneut im Blickpunkt

In New York werden heute vor Handelsbeginn an der Wall Street die Arbeitsmarktdaten für September bekannt gegeben. Händler erhoffen davon Aufschlüsse über die Konsumlaune der Verbraucher nach den Terror-Anschlägen. Volkswirte erwarten einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf fünf Prozent und rechnen mit dem Verlust von 102.000 Arbeitsplätzen.

Die Zahl der Arbeitslosenmeldungen hatte schon in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit neun Jahren erreicht. Sollten die neuen Arbeitsmarktdaten etwas besser als erwartet ausfallen, könnte dies für eine deutliche Erholung sorgen - doch auch weiter nach unten wäre der Weg nach schwachen Daten frei.

Eon will Aluminiumsparte verkaufen

Im Mittelpunkt des Interesses steht auch der Mischkonzern Eon   , der seine Aluminium-Tochter VAW Aluminium zu einem Preis von rund 2,5 Milliarden Euro an einen internationalen Investor verkaufen will. Dies berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Firmenkreise. Die Aktie gab am Vormittag nur 0,3 Prozent ab und zeigte damit angesichts der schwächeren Markttendenz relative Stärke. Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten Fresenius   und Linde   .

Technologiebranche: Gateway bremst Optimisten

Die Technologiewerte Epcos  , Siemens   und Infineon   hatten gestern unter anderem auf Grund von Short-Eindeckungen kräftig zugelegt. Am Freitagvormittag gehörten sie mit Verlusten zwischen 2,6 und 4,1 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Die Stimmung in der Branche bleibt nervös: Der durch die mutigen Prognosen von Cisco und Dell beflügelte Optimismus wurde gestern nach US-Börsenschluss durch die Gewinnwarnung von Gateway wieder gedämpft.

DaimlerChrysler: Freightleiner lastet tonnenschwer

Die Autobranche wird am Freitag von der Gewinnwarnung von Fiat belastet. DaimlerChrysler  , BMW   und Volkswagen   standen wieder geschlossen im Minus, nachdem sie am Vortag einheitlich zugelegt hatten. Schwächster Autowert im Dax war DaimlerChrysler: Die LKW-Tochter Freightliner erwartet nach einem Bericht des "Wall Street Journal" einen Verlust von rund einer Milliarde Dollar im laufenden Geschäftsjahr. Verantwortlich dafür seien vor allem die Verpflichtung zum Rückkauf von gebrauchten Lkw zu einem Preis, der über dem momentanen Wiederverkaufswert auf dem Markt liegt.

Neuer Markt: Biodata im freien Fall

Im Nemax 50 notierten am Vormittag sämtliche Werte im Minus. Relative Stärke bewiesen T-Online und Medion, die ihre Verluste begrenzen konnten. Dagegen brachen Biodata   um rund 60 Prozent auf nur noch 1,90 Euro ein. Der Anbieter von Sicherheitslösungen in der Telekommunikation, der unmittelbar nach den Anschlägen deutlich zugelegt hatte, wird seine Prognosen für das dritte Quartal und das Gesamtjahr deutlich verfehlen. Zusätzlich werde das Ergebnis 2001 durch voraussichtlich über zehn Millionen Euro Abschreibungen auf Forderungen und Vorräte belastet. Der Vorstandsvorsitzende Tan Siekmann ist zurückgetreten.

Der im Nemax All Share notierte Hamburger Internet-Dienstleister PopNet steht vor dem Aus. Nach der Commerzbank ist auch der zweite Betreuer, Sal. Oppenheim, von seinem Mandat zurückgetreten. Händler halten es für extrem schwierig, jetzt noch einen neuen Designated Sponsor zu finden.

Euro fester

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Freitag uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index für die 225 führenden Werte ging mit einem hauchdünnen Plus von 0,3 Punkten beim Schlussstand von 10 205 Zählern ins Wochenende. Der breit angelegte Topix gab indes um knappe 0,7 Prozent auf 1070,45 Punkte nach. Der Euro wurde vor den US-Konjunkturdaten etwas fester mit 0,9184 Dollar notiert, nach 0,9155 Dollar am Vortag.