Börse am Vormittag Techwerte unter Verkaufsdruck
Frankfurt am Main - Nach mäßigen Vorgaben der Wall Street sind die deutschen Aktienmärkte deutlich in die Verlustzone gerutscht. Händler gehen davon aus, dass sich die Investoren vor den am Nachmittag erwarteten US-Konjunkturdaten mit einem Engagement zunächst zurück halten werden. Verluste bei Technologiewerten drückten zusätzlich auf den Dax (minus 0,5 Prozent auf 5382 Zähler). Die Wachstumswerte im Nemax 50 bauten ihre Verluste auf zwei Prozent bei 1112 Zähler aus.
Mit Kursaufschlägen von 3,68 Prozent auf 36,38 Euro lagen die in der Vergangenheit arg gebeutelten Aktien von Bayer an die Spitze des Dax. Das Papier profitierte von der Meldung, dass die Schweizer Roche Holding für die Pharma-Sparte von Bayer ein vorläufiges Angebot über rund 20 Milliarden Dollar gemacht habe. Die Zahlung solle in Aktien und in bar erfolgen, berichtet "NewsAlert.com" am Dienstag unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Aufsichtsrat von Bayer wolle die Offerte von Roche während eines Treffens am 13. September diskutieren. Bayer selbst kommentierte die Meldung nicht.
Volkswagen notierten am Vormittag mit einem kleinen Plus von 0,22 Prozent auf 50,32 Euro. Die Wolfsburger und die Gewerkschaft IG Metall einigten sich am Morgen nach monatelangen Verhandlungen auf das nötige Tarifmodell "5000 mal 5000". Es sieht völlig neue Regelungen bei Arbeitszeit, Organisation und Bezahlung vor.
Die Deutsche Telekom wird nach eigenen Angaben in den kommenden drei Jahren durch den Zukauf der beiden US-Mobilfunktöchter VoiceStream und Powertel deutliche Steigerungen beim Vorsteuerergebnis erreichen und auf Ebitda-Basis im kommenden Jahr in den USA schwarze Zahlen schreiben. Telekom-Chef Ron Sommer sagte am Dienstag bei der Vorlage der endgültigen Halbjahreszahlen in Berlin, beim Umsatz werde die Telekom eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bis zum Jahr 2004 um einen zweistelligen Prozentsatz aufweisen. Auch beim Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) werde das durchschnittliche jährliche Wachstum zweistellig ausfallen und das Wachstumstempo damit verdoppeln. Die T-Aktie zeigte sich bis 11.15 Uhr um 0,55 Prozent fester auf 18,26 Euro.
Den Kurssturz der T-Aktie bedauerte Sommer. "Mich schmerzt außerordentlich, was in den vergangenen Wochen mit der T-Aktie geschehen ist", sagte er. Sommer zeigte sich überzeugt, dass die T-Aktie mittel- bis langfristig stärker steigen werde als der Markt. Nach dem Ende der Haltefrist im Zusammenhang mit dem Voicestream-Kauf könnten nach Angaben Sommers 170 Millionen weitere Aktien in den Markt zurückfließen.
Uneinheitlich notierten die Technologietitel. Infineon, die schwach gestartet waren, verloren zuletzt 1,87 Prozent auf 26,74 Euro. Epcos gaben 1,77 Prozent auf 47 Euro nach. Siemens zeigten sich 0,57 Prozent leichter auf rund 60 Euro. SAP erzielten ein Plus von 0,46 Prozent auf 161,35 Euro. Das Walldorfer Softwarehaus rechnet mit einem Anziehen des Geschäfts in Japan. Laut Vorstandssprecher Henning Kagermann sollen die japanischen Software-Lizenzeinnahmen das Neugeschäft in Deutschland in einigen Jahren übertreffen.
ThyssenKrupp verzeichneten nach Vorlage der Geschäftszahlen zum dritten Quartal zuletzt ein Minus von 1,32 Prozent auf 14,90 Euro. Der Stahlkonzern hatte gewarnt, dass der Vorsteuergewinn des Gesamtjahres wegen der Konjunkturflaute das Vorjahresniveau nicht erreichen wird. Bei Börseneröffnung hatten die Papiere noch Verluste verzeichnet.
Die im M-Dax notierten Aktien von Jenoptik zogen nach Zahlen um mehr als sechs Prozent auf 22,80 Euro an. Der Technologiekonzern hat seine Prognosen für das Gesamtjahr bestätigt. Trotz der anhaltenden Schwäche der Halbleiterindustrie würden für 2001 Auftragseingänge in Vorjahreshöhe erreicht. Der Umsatz soll im Gesamtjahr um mindestens 25 Prozent und der Jahresüberschuss um mehr als 30 Prozent steigen.
Die Aktien des Erotikkonzerns Beate Uhse folgten mit plus 3,31 Prozent auf 12,50 Euro. Das Flensburger Unternehmen hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 76 Prozent auf 205,4 Millionen Markt gesteigert.
Der Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem angeschlagenen Medienunternehmen EM.TV ist einem Bericht der "FTD" zufolge zunächst geplatzt. Die beiden Unternehmen hätten einen für den Einstieg notwendigen Antrag beim Bundeskartellamt zurückgezogen, berichtet das Blatt in seiner Dienstagsausgabe. Die Aktie fiel um 3,51 Prozent auf 2,75 Euro.
Schwache Vorgaben aus New York
Die deutschen Aktienmärkte haben am Dienstag zunächst mäßige Vorgaben der Wall Street zu verarbeiten. In Erwartung neuer Konjunkturdaten und der in zwei Wochen beginnenden Periode der Ertragswarnungen haben sich die Anleger mit ihrem Engagement zurück gehalten, erklärten Händler in New York. Der Dow Jones gab 0,39 Prozent auf 10382 Punkte nach. Die Technologiewerte im Nasdaq Composite zeigten sich 0,23 Prozent schwächer auf 1912 Zähler.
In dieser Woche seien weitere wichtige Konjunkturdaten zu erwarten. Heute Nachmittag gegen 16 Uhr (MEZ) stehen die Daten zum Verbrauchervertrauen im August an. Die revidierten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal werden für Mittwoch erwartet. Überdies gibt es noch in dieser Wochen neue Informationen zu den persönlichen Einnahmen und Ausgaben der US-Bürger. Einige Marktteilnehmer könnten den bevorstehenden US-Feiertag am kommenden Montag zu einem verlängerten Wochenende nutzen. Der Handel könne deshalb die ganze Woche von Schwankungen geprägt und umsatzschwach sein.
Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich schwächer. Der Nikkei schloss mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 11.189 Punkte.