Börse am Vormittag: Verluste weit und breit - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Verluste weit und breit

Der Fall des ifo-Index drückt die Märkte, der Dax verharrt im tiefroten Bereich. Verkaufsdruck kommt von allen Seiten: Die US-Vorgaben lasten besonders auf den Hightechwerten, MLP bricht erneut ein.
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Frankfurt am Main - Der Dax war bereits am Morgen in Erwartung eines schwachen ifo-Index um 2,1 Prozent abgetaucht. Als die schlechten Nachrichten dann kamen, konnte der Index seine Verluste immerhin auf 1,7 Prozent reduzieren. Dennoch blieb der Dax unter 3800 Punkten. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 1,9 Prozent – Händler gehen weiterhin von einem sehr unruhigen Handelstag aus.

Der Geschäftsklimaindex des Münchener ifo Instituts ist in Westdeutschland von 89,9 Punkten im Vormonat auf 88,8 Punkte gesunken. Damit signalisiere der Indikator, dass der Aufschwung zumindest vorübergehend unterbrochen sein könnte, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang auf 89,5 Punkte gerechnet. Nach nun drei Rückgängen in Folge sprechen Experten von einer negativen Trendwende.

Techwerte unter Druck

Trotz der schwachen Wall Street hatten Dax-Schwergewichte wie Allianz  , T-Aktie   und BMW   gestern Abend Gewinne verteidigt. Am Mittwoch setzten auf Grund der schwachen Vorgaben Gewinnmitnahmen ein, wobei die Aktie der Deutschen Telekom ihre Verluste in Grenzen halten konnte.

Zu den Verlierern im Dax gehörten Epcos  , SAP, Siemens   und Infineon   mit Verlusten zwischen zwei und 3,4 Prozent. Der Chiphersteller Infineon   war bereits gestern deutlich unter Druck geraten. Die Investmentbank Morgan Stanley hatte Anlegern hatte sich skeptisch zur Chipbranche geäußert, und der zurückhaltende Ausblick von Intel   belastete den gesamten Sektor.

Post expandiert in Asien

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten am Mittwoch Morgen die Aktien von Degussa   und der Deutschen Post  . Die Deutsche Post hingegen will offenbar in Asien auf Einkaufstour gehen. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel werde am 26. September Verträge über Zukäufe auf dem asiatischen Markt für Logistik- und Expressdienstleistungen unterschreiben, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" in ihrer Mittwochausgabe.

Die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP   gab dagegen im frühen Handel um mehr als zehn Prozent auf 13,80 Euro ab. Heute entscheidet das Oberlandesgericht Karlsruhe über eine Aktionärsklage. Zwei Aktionärinnen wollen einen Hauptversammlungsbeschluss vom November 2000 für nichtig erklären lassen. Außerdem setzt einen Tag, bevor das Anlegermagazin "Börse Online" erscheint, wieder das große Zittern ein: Börse Online hat MLP wiederholt vorgeworfen, seine Bilanzen geschönt zu haben.

Beate Uhse steigert Umsatz

Im Nebenwerte-Index MDax notierteWerte wie BHW Holding  , Beate Uhse   und Salzgitter haben vor Handelsbeginn Geschäftszahlen vorgelegt. Der Erotikkonzern Beate Uhse steigerte im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn und bestätigte die 2002-Prognose. Auch Salzgitter bestätigte seine Gesamtjahres-Prognose. Jedoch ist der Nachsteuergewinn gesunken.

Wall Street: HP trifft die Erwartungen

Wall Street schwach

Das gesunkene Verbrauchervertrauen und eine zurückhaltende Prognose des weltgrößten Chipherstellers Intel   haben die US-Börsen gestern auf Talfahrt geschickt. Der Nasdaq Composite schloss nahe Tagestief mit einem Verlust von 3,2 Prozent, während der Dow Jones im späten Handel seine Verluste auf 1,1 Prozent ausbaute und bei 8824 Zählern schloss.

HP hat es schwer

Auch die Zahlen von Hewlett Packard   nach US-Börsenschluss konnten Anleger nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Der Computer- und Druckerkonzern hat angesichts hoher Sonderbelastungen im Zusammenhang mit dem Kauf von Compaq Computer im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von zwei Milliarden Dollar oder 67 Cent je Aktie verbucht. Der Gewinn ohne Sonderbelastungen kletterte jedoch auf 14 Cent je Aktie, und damit traf HP die Erwartungen des Marktes. Weiterer Wermutstropfen ist allerdings, dass die Umsätze im PC-Bereich stärker als erwartet zurückgegangen sind. Die Aktie legte nachbörslich leicht zu, nachdem sie am Dienstag Abend mit einem sehr schwachen Markt stark gefallen war.

Angesichts des schwachen Verbrauchervertrauens, das im August auf den niedrigsten Stand seit November gerutscht ist, traten andere Konjunkturzahlen in den Hintergrund. Der US-Auftragseingang für langlebige Güter wie Autos, Flugzeuge, Maschinen und Haushaltsgeräte war im Juli unerwartet stark um 8,7 Prozent in die Höhe geschossen. Wirtschaftsweise warnten allerdings davor, dass diese Ziffer von Monat zu Monat oft massive Schwankungen aufweist.

Cheney treibt Nachfrage nach Öl- und Rüstungsaktien

An den US-Märkten konnten angesichts des Kriegsgeredes von US-Vizepräsident Dick Cheney Ölwerte, Gold- und Rüstungsaktien profitieren. Dagegen gaben Schwergewichte wie Intel  , Microsoft   und IBM   Kursverluste deutlich nach. Einzelhandelswerte standen ebenfalls unter Abgabedruck.

Nikkei schwach, Euro über 98 US-Cent

Der Kurs des Euro war bereits am Dienstag Abend über die Marke auf Grund des schwachen US-Verbrauchervertrauens über die Marke von 98 US-Cent gestiegen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 0,9774 US-Dollar festgesetzt. Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch nach den schwachen US-Vorgaben deutlich schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab 1,4 Prozent ab und schloss bei 9766 Zählern.