Börse am Vormittag: Versicherungswerte erholen sich - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Versicherungswerte erholen sich

Ein richtungsloser Handel prägt die deutschen Aktienmärkte. Zu den Dax-Gewinnern gehören die Münchner Rück und die Allianz. Die Technologietitel stehen deutlich unter Druck.
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Frankfurt am Main - Die Unsicherheit nach den Terroranschlägen in den USA war an der Frankfurter Börse auch am Donnerstagmorgen noch spürbar. Viele Marktteilnehmer hielten sich weiterhin mit ihren Engagements zurück. Der weitere Handelsverlauf werde voraussichtlich schwankungsanfällig bleiben, hieß es auf dem Parkett. Noch könnten die Auswirkungen der Terror-Attentate für die Finanzwelt nicht abgeschätzt werden. Zudem fehlten auf Grund der geschlossenen Börsen in New York wichtige Impulse.

Der Dax kletterte nach einem unentschlossenen Start wieder in die Pluszone und legte bis 11 Uhr um 0,5 Prozent auf 4356 Punkte zu. Auch der Nemax 50 schaffte den Sprung ins Plus und notierte mit 849 Zählern leicht über der Vortagesschlusslinie.

Nach der lange erwarteten Entscheidung über die Zukunft der Spezialchemie-Sparte Cognis gehörte die Aktie der Henkel   -Gruppe zu den Dax-Gewinnern. Das Papier stieg um 4,8 Prozent auf 67,15 Euro. Die Düsseldorfer berichteten am Morgen, der Verkauf der Tochter Cognis an eine Investorengemeinschaft aus Schroeder Ventures und Goldman Sachs Capital Partner sei beschlossen worden. Der Preis von 2,6 Milliarden Euro abzüglich der Verbindlichkeiten sei recht gut, sagte ein Börsianer. Ein anderer Händler ergänzte, der Schritt ermögliche Henkel, in der Konsumgüterbranche zuzukaufen.

Am Tag der Aufsichtsratssitzung notierte die Aktie von Bayer   nahezu unverändert. Nach dem Lipobay-Skandal berät der Konzern heute über die weitere Zukunft der Pharma-Sparte.

Die Versicherer erholten sich leicht nach den Verlusten der vergangenen Tage. Die Allianz   und Münchner Rück   haben beide ihre Ergebnisprognose deutlich gesenkt. Auf die beiden Unternehmen kommen nach dem Einsturz des World Trade Centers hohe Schadensbelastungen zu. Nach der ersten Panik seien die Aktien stark verkauft worden, sagte ein Händler. "Jetzt sind erste Zahlen genannt worden." Die Anschläge dürften zwar die Bilanzen belasten, meinte er. "Aber am Ende des Jahres wird wohl kein Verlust bei den Unternehmen entstehen."

Die Verliererliste im Dax wurde von der Siemens-Familie angeführt. Die Anteilsscheine von Siemens   , Epcos   und Infineon   gaben mehr als drei Prozent ab.

Am Neuen Markt beeindruckte die Aktie von Telegate   mit einem Kursaufschlag von rund 20 Prozent. Zu den größten Verlierern im Nemax 50 gehörte die Papiere von Lion Bioscience  , die mehr als vier Prozent verloren. Das Schicksal des Finanzvorstandes Klaus Sprockamp ist weiterhin ungewiss. Sprockamp gilt nach Angaben des Heidelberger Unternehmens seit den Terror-Anschlägen auf das World Trade Center in New York am Dienstag als vermisst. Er habe dort einen Termin gehabt.

Senkt die EZB den Leitzins?

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) berät heute die geldpolitische Lage im Euro-Raum. Zwei Tage nach dem Terroranschlag in den USA und den noch ungewissen Auswirkungen auf die schwache Weltkonjunktur wird in Finanzkreisen eine Leitzinssenkung für möglich gehalten.

EZB-Präsident Wim Duisenberg trat solchen Spekulationen allerdings bereits entgegen. Ein rascher Zinsschritt der Notenbank könne den Eindruck einer Panikreaktion vermitteln, meinte der Niederländer. Weitere Zinssenkungen bis Jahresende gelten in der Kreditwirtschaft jedoch als sicher. Zuletzt hatte die EZB ihren wichtigsten Leitzins Ende August um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent gesenkt.

Tokio etwas fester

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Donnerstag nach dem schweren Sturz des Vortags wieder leicht zugelegt. Der Nikkei-Index stieg um 0,03 Prozent oder 2,99 Punkte auf 9613 Zähler. Der breiter gefasste Topix legte 1,3 Prozent oder 12,71 Punkte auf 1003 Punkte zu. Am Mittwoch hatte der Nikkei nach einem Verlust von 6,6 Prozent den Handel erstmals seit 1984 unter der Marke von 10.000 Punkten beendet.

Wall Street bleibt vorerst geschlossen

Die US-Börsen werden wahrscheinlich am nächsten Montag den Handel wieder aufnehmen. Das hatte der Chef der New York Stock Exchange (NYSE), Dick Grasso, am Mittwochabend mitgeteilt. Möglicherweise würden die Börsen an der Wall Street auch bereits an diesem Freitag wieder öffnen. US-Staatsanleihen können von Freitag um acht Uhr Ortszeit an offiziellen Angaben zufolge wieder gehandelt werden. In Chicago sollen die Chicago Board of Trade (CBOT) und Chicago Mercantile Exchange (CME) dagegen am heutigen Donnerstag zur üblichen Zeit eröffnen.

Der Handel mit US-Werten an der Deutschen Börse bleibt bis auf weiteres ausgesetzt.

Euro nahezu unverändert

Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Vormittag 0,9068 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 0,9052 Dollar festgelegt. Der Dollar hatte damit 2,1607 (2,1819) Mark gekostet.

Nach den Anschlägen hätten sich die Anleger weitgehend vom Devisenmarkt zurückgezogen, sagten Händler. Zudem werde abgewartet, wie die Reaktionen an den US-Märkten seien. Der Handelsumsatz sei entsprechend dünn, hieß es. Mehrere US-Banken verlegten den Devisenhandel aus dem gesperrten Süden Manhattans nach London, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.