Börse am Vormittag: Warten auf Greenspan - DER SPIEGEL
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Börse am Vormittag Warten auf Greenspan

Die deutschen Börsen sind nach dem Tauchkurs von Nasdaq und Nikkei schwach gestartet. Für Bewegung im Dax sorgt die Software-Schmiede SAP.
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Frankfurt am Main – Nach dem Einbruch an der Nasdaq hat der Nikkei auf dem tiefsten Stand seit 28 Monaten geschlossen. Die japanische Notenbank hat am Morgen die Leitzinsen auf 0,15 Prozent gesenkt und sich damit der Nullzinspolitik genähert. Der Dax notierte 0,6 Prozent schwächer. Der Nemax 50 fiel mit einem Minus von 1,8 Prozent wieder unter 2000 Punkte.

Zwar warten die meisten Anleger gebannt auf die Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan, doch sorgte die Walldorfer Software-Schmiede SAP bereits am Morgen für Bewegung im Dax. Das Unternehmen will alle Vorzugsaktien im Verhältnis 1:1 in Stammaktien umwandeln. An der Börse glichen sich die Aktien prompt an: Die Stammaktien schossen um 19 Prozent in die Höhe. Die höher bewertete Vorzugsaktie ist mit einem Minus von rund fünf Prozent gemeinsam mit Epcos und Infineon Schlusslicht im Dax.

Der Versorger RWE gibt heute seine Halbjahreszahlen bekannt. Anleger sind gespannt, wie das Unternehmen die Fusion mit VEW verdaut hat. Das Unternehmen zählt mit einem Plus von rund einem Prozent gemeinsam mit Karstadt, Dresdner Bank und Schering zu den Spitzenreitern im Dax. Anleger verschanzen sich hinter defensiven Werten.

Auch Linde präsentiert seine Bilanz: Der Wiesbadener Technologie-Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 den Gewinn vor Steuern um 15 Prozent auf 481 Millionen Euro (rund 940 Millionen Mark) erhöht. Die Dividende soll von 1,13 Euro je Stückaktie auf 1,35 Euro erhöht werden. Die Aktie gab im frühen Handel jedoch leicht nach.

Telekommunikationswerte könnten durch eine gute Bilanz von Telefonica Unterstützung erhalten. Das spanische Telekommunikations-Unternehmen hat seinen Reingewinn um 40 Prozent gesteigert. Die T-Aktie gab jedoch nach zwei starken Handelstagen leicht ab.

Am Neuen Markt steht Metabox im Blickpunkt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nach Informationen des Prior Börsen-Briefes gegen das Hildesheimer Muldimedia-Unternehmen. Es bestehe der Verdacht auf Kursmanipulation. Der Verdacht richte sich auf falsche Angaben in Unternehmensberichten. In ad-hoc-Meldungen hatte Metabox mehrfach Großaufträge von ungenannten Kunden bekannt gegeben, die nie zu Stande kamen.

Spitzenreiter am Neuen Markt ist im frühen Handel Jumptec mit einem Plus von 7,3 Prozent. Das Unternehmen hat seinen Umsatz auf 60 Millionen Markt gesteigert und damit die Erwartungen übertroffen.

Blick auf die USA

Die entscheidenden Impulse für die Börse werden aber erst am Nachmittag aus den USA kommen. Heute um 15.30 Uhr spricht Notenbankchef Alan Greenspan vor dem Repräsentantenhaus über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Die Rufe nach weiteren Leitzinssenkungen bereits vor dem 20. März sind immer lauter geworden: Greenspan hat sein Redemanuskript zwar kurzfristig geändert, doch hat der Herr des Geldes sich seine Strategie bislang selten von anderen diktieren lassen. Außerdem werden am Nachmittag weitere Daten zum Bruttoinlandsprodukt der USA erwartet.

In den USA ist das Vertrauen der Verbraucher weiter gesunken, der Index steht auf dem tiefsten Stand seit 1996. Die Angst vor einer Rezession wächst. Belastend insbesondere für die Hightech-Branche sind weitere Gewinnwarnungen nach US-Börsenschluss. Die Aktien von Avanex, Chartered Semiconductor und Altera verloren im nachbörslichen Instinet-Handel deutlich, nachdem die Firmen ihre Prognosen zurückgeschraubt hatten. Goldman Sachs hat die Gewinnschätzungen für mehr als 30 Technologiewerte herabgestuft.

Am Devisenmarkt notierte der Euro deutlich fester. Zuletzt verzeichnete er ein Plus von 0,4 Prozent auf 0,928 Dollar.