Börse am Vormittag Wettrennen der Tech-Titel
Frankfurt am Main - Die vorbörslichen Barometer in den USA stehen satt im Plus und stützen die Aufwärtstendenz am deutschen Aktienmarkt. Der Dax rückte bis 13.10 Uhr um 2,8 Prozent auf 4375 Punkte vor. Weiter steigenden Notierungen in Frankfurt würden nach Ansicht von Händlern Hedge-Fonds dazu zwingen, ihre Shortpositionen zu decken. Der Neue Markt zeigte sich heute ebenfalls von seiner besten Seite. Der Nemax 50 verbuchte Zugewinne um 4,5 Prozent auf 570 Zähler. Technologiewerte und Titel der Versicherer waren gefragt. Infineon und Deutsche Telekom lieferten sich an Dax-Spitze ein Kopf-an-Kopf rennen mit Gewinnen von zeitweilig mehr als acht Prozent.
Bleibt zu hoffen, dass die Börsen am Nachmittag keinen Rückschlag erleiden. Vor Handelsbeginn der Wall Street wird der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juni vorgelegt.
Technologiewerte waren am Frankfurter Aktienmarkt stark gefragt. Infineon rückten zuletzt um knapp acht Prozent auf rund 16 Euro vor. Dabei hatte die Deutsche Bank ihre Jahresprognosen 2002 und 2003 für den Ertrag je Aktie (EPS) des Halbleiterherstellers gesenkt. Der Titel wurde in einer am Freitag in London veröffentlichten Studie allerdings weiter mit "Kaufen" bestätigt. Zur Erklärung verwies der Experte auf die seiner Meinung nach weiter sinkende Durchschnittspreise für DRAM-Speicherchips. Auch Merrill Lynch senkten ihre Gewinnprognose je Aktie von Infineon, stuften den Titel allerdings unverändert mit "Kaufen" ein. Die Experten sehen Zwölf-Monats-Kursziel bei 32 Euro.
Epcos gewannen mehr als fünf Prozent hinzu. SAP standen mit knapp fünf Prozent auf 92 Euro im Plus. Siemens fiel leicht ab, verbuchte aber noch Aufschläge von mehr als drei Prozent.
Die Aktie der Deutsche Telekom hatte im frühen Handel die Marke von zehn Euro geknackt und notierte zuletzt mit einem Plus von 6,46 Prozent auf 10,22 Euro. Das Tageshoch hatte bei 10,45 Euro gelegen. Hier kauften vor allem Hedgefonds nach, die zuvor auf fallende Kurse spekuliert hatten, hieß es in Frankfurt. Einem Zeitungsbericht zufolge verhandelt die Telekom mit der insolventen KirchMedia über die Internet-Rechte für die Fußball-Bundesliga.
Der Finanzdienstleister MLP beendet sein seit 1995 bestehendes Joint Venture mit der österreichischen Uniqa Versicherung AG und verkauft seinen 50-Prozent-Anteil an der Wiener MLP-Lebensversicherung AG. Uniqa solle die Beteiligung für 85 Millionen Euro bis Ende des Jahres erwerben, teilte MLP am Freitag mit. Die Aktie zog zuletzt um drei Prozent auf 30 Euro an. Die Marktschwergewichte Allianz (plus 4,80 Prozent) und Münchener Rück (plus 3,77 Prozent) waren ebenfalls stark gefragt.
Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat ihr mittelfristiges Rating für MAN von "Reduce/Sell" auf "Neutral" angehoben und langfristig von "Neutral" auf "Kaufen" herauf gestuft. Die Aktie habe ein Kurspotential bis 25 Euro, hieß es am Morgen. MAN-Titel präsentierten sich nach einem unentschiedenen Auftakt zuletzt zwei Prozent fester auf rund 22 Euro. Der Titel hatte bereits am Vortag um mehr als fünf Prozent zugelegt.
Der Energieversorger Eon kann die Essener Ruhrgas AG auf Grund einer Ministererlaubnis unter Auflagen übernehmen. Die Aktie von Eon gab zuletzt 1,68 Prozent auf 58,60 Euro nach und war damit schwächster Wert im Dax.
Wirtschafts-Staatssekretär Alfred Tacke teilte am Freitag in Berlin mit, die Übernahme der Ruhrgas werde entgegen dem Veto des Bundeskartellamtes genehmigt. So müsse sich der fusionierte Konzern von seinen Beteiligungen an der Leipziger Verbundnetz Gas (VNG) trennen. Abgeben müsse das Unternehmen auch seine Beteiligungen an dem Regionalversorger EWE und der Gelsenwasser. Außerdem müsse E.ON/Ruhrgas in den nächsten drei Jahren im Auktionsverfahren 75 Milliarden Kilowattstunden Erdgas an Wettbewerber abgeben. Er gehe davon, dass die Ministererlaubnis in Übereinstimmung mit dem EU-Recht stehe, sagte Tacker vor Journalisten.
Bei dem angeschlagenen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig gehen so langsam die Lichter aus. Babcock teilte mit, der Insolvenzantrag habe aus rechtlichen Gründen gestellt werden müssen, nachdem die Gespräche am Donnerstag nicht abgeschlossen werden konnten. Die Verhandlungen zwischen der nordrhein-westfälischen Landesregierung und den Banken würden jedoch weitergeführt. Bei einem Erfolg könne Babcock den Insolvenzantrag wieder zurückziehen. Händler äußerten sich jedoch skeptisch über eine dauerhafte Rettung des Traditionsunternehmens. Die Aktien des im M-Dax tanzten heute unruhig zwischen Plus und Minus. Zuletzt lag der Wert mit rund zehn Prozent auf 1,57 Euro im roten Bereich.
Neuer Markt: Thiel stürzt nach Gerüchten ab
Neuer Markt auf Erholungskurs
"Dies ist die lange erwartete technische Gegenreaktion auf die herben Verluste der vergangenen Tage und Wochen. Bis Montag kann die Erholung vielleicht so weiter gehen. Und danach werden wir wahrscheinlich wieder in Richtung Tiefststände zurückfallen", sagte eine bayerische Händlerin.
"Die Unternehmensnachrichten sind alles andere als gut und Fonds schon lange raus aus dem Segment", erklärte ein Kollege. Am Markt sei zu hören, dass der Chiphersteller CE Consumer erneut über einen Ausstieg aus dem Segment nachdenke. "Vielleicht kann sich das Unternehmen einfach die Kosten für das Listing im Neuen Markt nicht mehr leisten", sagte der Borsianer.
Die Aktien des Chipbroker ce Consumer (plus sechs Prozent) und ACG (plus 8,33 Prozent) gehörten jedenfalls zu den Gewinnern im Nemax 50.
Thiel Logistik erlebten heute einen seltsamen Handelsverlauf. Die Aktie hatte am Vormittag mit mehr als elf Prozent auf knapp sechs Euro im Plus gestanden und setzte damit ihre Aufwärtstendenz der vergangenen Tage fort. Gegen elf Uhr ging des dann auf einmal steil bergab. Die Aktie stürzte binnen Minuten unter 4,40 Euro.
Nach Informationen des Nachrichtensenders n-tv soll angeblich eine Fehleingabe für den Kurssturz gesorgt haben. So seien fälschlicherweise mehr als 200.000 Aktien durch eine große Adresse auf den Markt geworfen worden. Danach wurde wieder zurück gekauft. Zuletzt stand das Papier bei 4,99 Euro: ein Verlust von rund fünf Prozent.
"Da hat wohl einer auf den falschen Knopf gedrückt. Und dann kam auch noch die Volaaussetzung zu spät", zitiert die Nachrichtenagentur vwd einen Händler. Das alles habe dazu geführt, dass die Papiere nun wieder eingesammelt werden müssten. "Ich habe ja schon viel am Neuen Markt gesehen, aber das war unglaublich. Das könnte jemanden richtig teuer zu stehen kommen", so der Beobachter.
Die Titel von Thiel waren in den vergangenen Wochen kräftig unter Abgabedruck geraten, nachdem zwei Großaktionäre umfangreiche Aktienverkäufte getätigt hatten. Angesichts einer unklaren Unternehmensentwicklung hatte die Investmentbank Morgan Stanley die Aktien kürzlich von "Overweight" auf "Equal-Weight" herunter gestuft, nachdem sie das Kursziel zuvor von 20,50 Euro auf 8,90 Euro gesenkt hatte.
Euro gibt nach
Der Kurs des Euro ist am Freitagmorgen etwas gefallen. Es habe an Impulsen gefehlt, da die US-Börsen am Donnerstag feiertagsbedingt geschlossen hatten, sagten Händler in Tokio. Der Euro könne in der zur Zeit anhaltenden Konsolidierungsphase noch weiter fallen. Mit Spannung werde der US-Arbeitsmarktbericht erwartet, der am Nachmittag veröffentlicht wird.
Gegen 13 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung 0,9734 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,9790 (Mittwoch: 0,9780) Dollar festgesetzt.