Börse am Vormittag Zickzack nach unten
Frankfurt am Main Der Dax gab in den ersten Handelsminuten um 2,6 Prozent auf 2644 Punkte nach und notierte damit auf dem tiefsten Stand seit Oktober 1996. Alle Dax-Werte notierten im Minus. Bei nervösem Handel nutzten einige Händer dieses Kursniveau zum Kaufen. Allerdings stand der Dax gegen 11.15 Uhr weiter mit einem Verlust von 1,5 Prozent bei 2673 Punkten. Trotz des enormen Kursrutsches sehen Experten wenig Chancen auf eine Erholung.
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wird es erst dann zu einer nachhaltigen Erholung kommen, wenn die Unternehmen ihre Gewinne wieder deutlich steigern. Doch die zahlreichen Gewinnwarnungen vor Beginn der Ertragssaison in den USA stimmen alles andere als optimistisch. Zweite Voraussetzung für eine echte Erholung ist eine Stabilisierung in der Krisenregion Irak. Derzeit drängen die USA auf eine verschärfte Resolution der Vereinten Nationen (UNO), die auch den Einsatz militärischer Mittel enthält. Dass es nach den ersten irakischen Zugeständnissen, die von den USA als taktische Winkelzüge abgetan werden, zu einer diplomatischen Lösung kommt, ist aktuell ebenfalls unwahrscheinlich.
Sollten die neuen Konjunkturzahlen in dieser Woche enttäuschen, rechnen Charttechniker damit, dass der Index in dieser Woche auch die Marke von 2600 Punkten testet. Die Stimmung in Frankfurt ist auf dem Nullpunkt
Finanztitel enorm unter Druck MLP verliert 20 Prozent
Besonders die gebeutelten Finanztitel sind nach ihren massiven Verlusten zum Wochenschluss im Blickpunkt der Investoren. Der Finanzdienstleister MLP gab um mehr als 20 Prozent nach: Die Finanzaufsicht hat ihre Ermittlungen gegen das Unternehmen ausgeweitet.
Die Commerzbank hat Gerüchte über finanzielle Probleme mit Entschiedenheit zurück gewiesen, doch die Aktie gehörte mit einem Verlust von sechs Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte in einer email an Standard & Poors die um einen Kommentar zu angeblichen finanziellen Risiken gebeten. Nach Informationen der Financial Times plant die Commerzbank, hunderte weiterer Stellen abzubauen.
Der Vorstandsvorsitzende Allianz , Henning Schulte-Noelle, versucht ebenfalls, etwas gegen den Kursrutsch zu tun. Er bekräftigte am Wochenende, dass die Allianz derzeit keine Kapitalerhöhung plant. Dennoch verlor der Versicherer am Montag Morgen rund zwei Prozent.
Zumwinkel als neuer Telekom-Chef?
Bei der Deutsche Telekom geht die Diskussion um die Sihler-Nachfolge weiter. Klaus Zumwinkel, Vorstandschef der Deutschen Post, hat Presseberichten zufolge große Chancen auf den Posten als Telekom-Chef. Der frühere Aufsichtsratschef Helmut Sihler nimmt seit Sommers Ausscheiden die Führung des Vorstands kommissarisch wahr. Die Aktie notierte am Morgen rund drei Prozent schwächer.
Konjunkturdaten aus Deutschland und USA
Konjunkturdaten in Deutschland und USA
Kurz nach der Wahl sieht die konjunkturelle Situation in Deutschland alles andere als erfreulich aus. In Deutschland werden heute die Auftragseingänge der Industrie und am Dienstag die Arbeitsmarktdaten für September bekannt gegeben. Experten rechnen mit rückläufigen Auftragseingängen, nachdem auch Finanzinstitute wie die Deutsche Bank bereits von einer "leichten Rezession" zum Jahresende in Deutschland gesprochen haben. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte dagegen saisonbedingt wieder leicht unter vier Millionen Menschen gesunken sein.
Die entscheidenden Impulse werden erneut aus den USA kommen. Allerdings stehen dort neue Konjunkturdaten erst zum Wochenschluss an, und bis dahin regiert die Unsicherheit. Am Freitag werden die vorläufigen Einzelhandelsumsätze und der Index der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen bekannt gegeben. Bei beiden Kennzahlen wird ein weiterer Rückgang erwartet.
Befreiungsschlag durch die EZB am Donnerstag?
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bislang eher durch ihr stoisches Abwarten denn durch entschlossenes Handeln aufgefallen. Die Rufe nach einer Leitzinssenkung werden immer lauter. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten 36 der 52 befragten Volkswirte inzwischen wieder sinkende Zinsen. Allerdings rechnet nur eine kleine Minderheit damit, dass die EZB bereits an diesem Donnerstag das Leitzinsniveau von derzeit 3,25 Prozent senkt.
Yahoo und Juniper melden Zahlen
Der Start der Berichtssaison in den USA zum dritten Quartal wird auch die deutschen Märkte bestimmen. Am Dienstag meldet PepsiCo seine Ergebnisse, und am Mittwoch wird der Internet-Konzern Yahoo mit seinen Zahlen für die Technologiebranche die Richtung weisen. Am Donnerstag wird der Netzwerkausrüster Juniper Networks über die Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal berichten, bevor am Freitag das Schwergewícht General Electric in den Ring steigt: GE hat eine deutliche Gewinnsteigerung angekündigt. Ob dies auch die Aktionäre zum Umdenken bringt, bleibt offen.
Nikkei auf 19-Jahres-Tief
In Japan ist kein Ende der Börsenkrise in Sicht: Der Leitindex Nikkei 225 fiel am Montag auf ein 19-Jahres-Tief. Mit 8.688,00 Punkten schloss das wichtigste japanische Börsenbarometer 3,8 Prozent oder 339,55 Zähler unter dem Schlussstand vom Freitag. Zuletzt hatte der Nikkei, in dem 225 Firmen zusammengefasst sind, am 16. Juni 1983 auf einem ähnlich tiefen Stand geschlossen.