Börse Analysten erwarten einen freundlichen Handelstag
Frankfurt am Main - Börsenhändler verfügen über ein spezielles Talent: Sie können die Vergangenheit ausblenden. Und beim Blick in die Zukunft sprechen inzwischen nicht mehr nur die unverbesserlichen Optimisten von ersten Anzeichen für eine Entspannung der Krise. Die Vorgaben aus den USA und aus Tokio lesen sich gut, sagt ein Händler. Nur der feste Euro und ein Ölpreis über 113 Dollar je Barrel könnten die Stimmung leicht belasten.
So deuteten auch die Dax-Futures am Morgen auf einen Start bei 6640 Punkten hin - rund 0,8 Prozent über Vortagesschluss. Mit dem Sprung über die Marke bei 6600 hat der Dax zunächst Platz bis in den Bereich bei 6650 bis 6680 Punkten.
Die wichtigsten Daten des Berichtstages dürften aber die EU-Inflationsdaten für März und die Verbraucherpreise aus den USA werden. "Sollte - wie vom Empire State Index gestern gezeigt - die US-Konjunktur besser als befürchtet laufen, schauen alle nur noch auf das Inflationsrisiko", erwartet ein Marktteilnehmer. Im weiteren Handelsverlauf dürften die wöchentlichen Rohöllagerbestände dem Ölpreis einen neuen Impuls liefern. Nach Handelsschluss steht noch das Beige Book aus den USA zur Veröffentlichung auf der Agenda.
Infineon werden nach einem positiven Intel-Ausblick mit einem freundlichen Handelsstart erwartet, der vorbörsliche Handel deutet auf ein Plus von 4,0 Prozent hin. Für das laufende Quartal peilt der US-Konzern Umsätze zwischen 9,0 und 9,6 Milliarden Dollar an, die Analysten rechnen mit 9,2 Milliarden Dollar. Auch im ersten Quartal hatte der Chiphersteller die Markterwartung im Umsatz übertroffen, die Aktie legte im nachbörslichen US-Handel um 8,0 Prozent zu. Infineon ist durch die US-Tochter Qimonda von der Entwicklung am Chipmarkt abhängig.
Die Bankentitel dürften am Berichtstag weiter im Fokus stehen. Am Morgen wird noch einmal die erfolgreiche Pfandbrief-Platzierung durch die Hypo Real Estate am gestrigen Dienstag hervorgehoben. Zudem hat in den USA der Discountbroker Charles Schwab sehr überzeugende Zahlen vorgelegt und nachbörslich um 9,0 Prozent zugelegt.
Selbst die schlechten Zahlen der Washington Mutual sorgten kaum für Irritationen. Die größte US-Sparkasse hat im ersten Quartal einen Verlust von 1,14 Milliarden Dollar erlitten. Grund sei die steigende Zahl von Kreditausfällen, weil immer mehr Schuldner ihre Immobiliendarlehen nicht mehr ausreichend tilgen könnten, teilte die Bank am gestrigen Dienstag nach US-Börsenschluss mit. Damit traf das Unternehmen jedoch die Erwartungen der Analysten. Der Aktienkurs zog trotz der schwachen Zahlen im nachbörslichen Handel um mehr als drei Prozent auf 10,82 Dollar an.
Am Berichtstag legen in den USA unter anderem J.P. Morgan, Wells Fargo und Sallie Mae Zahlen für das abgelaufene Quartal vor.
Deutsche Börse könnten mit Presseberichten über den Erfolg der alternativen Plattformanbieter weiter unter Druck geraten, heißt es im Handel. Am Mittwoch berichtet die "FTD" über den Preiskampf im Markt. "Das läuft schon seit einigen Monaten erfolgreich", sagt ein Händler: "Allein gestern sind in Adidas schon 20 Prozent des Volumens darüber gelaufen". Und weiter: "Wenn die neun größten Banken der Welt eigene Plattformen gründen, fallen die Margen der Deutschen Börse zusammen". Neben Chi-X und Nyfix sollen im Herbst die Plattformen Equiduct und Turquoise an den Start gehen. Vorbörslich notieren die Deutsche Börse jedoch im Plus.
mik/Dow Jones/Reuters