Börse: Angst vor Pleiten stoppt Dax-Höhenflug - DER SPIEGEL
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Börse Angst vor Pleiten stoppt Dax-Höhenflug

Die Rettungsaktion der Notenbanken trieb den Dax nur kurzfristig nach oben - kurze Zeit später ging der Index schon wieder auf Talfahrt: Die Unsicherheit wegen der Finanzkrise ließ die Kurse sinken. Finanzminister Steinbrück berät die Folgen der Finanzkrise nun mit Top-Bankern.
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Frankfurt am Main - Die Freude währte nur kurz: Nach der milliardenschweren Rettungsmaßnahme der Notenbanken schnellte der Dax   zwar kurzfristig nach oben. Zeitweise lag der Leitindex sogar bis zu 1,8 Prozent im Plus - bei 5967 Punkten.

Doch im Laufe des Tages machte sich bei den Händlern wieder Skepsis breit - und die Angst vor weiteren Pleiten. Denn kurz vor Handelsschluss rutschte der Aktienindex ins Minus und schloss schließlich mit einem leichten Plus von 0,04 Prozent auf 5863 Punkten.

Bei 5818 Zählern hatte der Leitindex im frühen Handel ein neues Zweijahrestief markiert. Der MDax mittelgroßer Werte verlor zu Handelsende 1,04 Prozent auf 7419,80 Zähler. Der TecDax stand 0,05 Prozent im Minus bei 712,04 Punkten.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) trifft sich am kommenden Donnerstag mit Spitzenverbänden der Finanzbranche und Vertretern großer Banken treffen. Meldungen, es handle sich um einen Krisnegipfel, wies ein Sprecher des Finanzministeriums zurück. Es sei eine reguläre Zusammenkunft. Steinbrück hat sich im Zuge der seit mehr als einem Jahr andauernden Finanzkrise regelmäßig mit den Top-Bankern in Deutschland ausgetauscht.

Auch an der Wall Street schmolzen die Kursgewinne aus der Eröffnung zusehends. Bis zum Mittag büßten die US-Börsen ihre Gewinne aus dem frühen Handel wieder ein. Erneut unter Druck geriet der Finanzsektor, wo besonders die Titel der zwei verbliebenen großen Investmentbanken Morgan Stanley   und Goldman Sachs   verloren. Außerdem gab es Spekulationen über weitere Übernahmen in der Branche. Darüber hinaus reagierten die Märkte auf durchwachsene Konjunkturdaten.

Die Kurse hatten zunächst eine gemeinsame Aktion führender Notenbanken gestützt. Sie hatten in einer beispiellosen Aktion ihre Kräfte gebündelt und bewahrten mit einer milliardenschweren Rettungsaktion den Geldmarkt vor einem Kollaps. Insgesamt 180 Milliarden Dollar stellte die US-Notenbank Fed am Donnerstag überraschend bereit.

Dazu kamen Milliardenbeträge, die von der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank von England und anderen Notenbanken in eigener Währung ausgegeben wurden.

Zusätzlich lenkte die US-Notenbank 50 Milliarden Dollar über einen Ein-Tages-Tender in den Geldmarkt. Positiv wirkte sich Börsianern zufolge auch der überraschend ins Plus gedrehte Philly Fed-Index als Maß der Wirtschaftsaktivität in den USA aus.

"Ich denke, die Zentralbanken haben erkannt, dass sich das Problem um Liquidität dreht, und das gehen sie jetzt an", sagte Rick Meckler von LibertyView Capital Management in New York. In einer Lage wie dieser sei jegliches Anzeichen einer Stabilisierung ermutigend.

Trotz negativer Konjunkturdaten zeigten sich Anleger erleichtert über die gewonnene Liquidität auf dem Markt. Das Hauptaugenmerk der Investoren blieb auf dem Finanzsektor und der Frage, ob Morgan Stanley   und Goldman Sachs  nach der jüngsten Verschärfung der Krise als einzig verbleibende große US-Investmentbanken unabhängig überleben können.

Die Finanzmarktkrise ist dennoch nicht ausgestanden: US-Präsident George W. Bush sagte in einer Stellungnahme am Donnerstag, das Volk sei besorgt über die Lage der Finanzmärkte. "Ich teile diese Sorgen". Weitere Eingriffe in die Märkte schloss Bush nicht aus. Das amerikanische Volk könne sicher sein, dass sich die Regierung weiter dafür einsetze, die Finanzmärkte zu stabilisieren.

Im Finanzsektor geht es auch weiterhin turbulent zu: Einem Medienbericht zufolge sprechen Morgan Stanley und die US-Regionalbank Wachovia   über eine Fusion. Neben den Fusionsverhandlungen soll Morgan Stanley auch andere Optionen prüfen. Die Investmentbank bemühe sich gleichzeitig um zusätzliches Kapital aus China, um den Sturm zu überstehen, hieß es aus Kreisen. Der Sender CNBC berichtete außerdem, dass HSBC Holdings und Chinas größtes Finanzkonglomerat, die CITIC-Gruppe, Morgan Stanley im Visier hätten.

cvk/dpa-AFX/Reuters/AP