Börse Anleger verlieren das Vertrauen
Frankfurt am Main - Der Dax fiel um 1,22 Prozent auf 6682 Punkte. Am Neuen Markt verbilligten sich die Wachstumstitel im nemax-50 um 3,46 Prozent auf 5260 Punkte. Gleichzeitig notierte der M-Dax mit 4742 Zählern um 2,41 Prozent leichter.
Uneinheitliche Vorgaben der Wall Street
In New York notierten die Börsen unterdessen uneinheitlich. Der Dow Jones hat um 0,30 Punkte auf 10.718 Punkte zugelegt. An der Nasdaq verloren die Wachstumswerte dagegen 1,97 Prozent auf 3820 Zähler.
Der Handel in Frankfurt reagiere scheinbar nur noch auf negative Nachrichten, sagte ein Broker. Bereits seit mehreren Tagen verlören Technologietitel im Dax an Wert, obgleich die Nasdaq gelegentlich kurze Sprints einlege.
"Der Frankfurter Handel hat sich einfach immer tiefer in den Sand gebohrt. Nun kann er sich nicht selber aus dem Stimmungstief befreien und misstraut steigenden Kursen an anderen Börsen", beschrieb der Händler das Parkettgeschehen. "Nur ein steigender Euro kann uns noch retten."
Lufthansa-Kurs im Sturzflug
Nach der offiziellen Meldung der Beteiligung an der Dortmunder Fluggesellschaft Eurowings in Höhe von 24,9 Prozent fiel die Aktie der Lufthansa um 9,11 Prozent auf 21,46 Euro und schloss als schwächster Dax-Wert.
Der Analyst Markus Glockenmeier von der Frankfurter Investmenbank Delbrück Asset Management wertet die Lufthansa-Beteiligung an Eurowings grundsätzlich als positiv. Die Kranichlinie habe einen "guten Fang" mit Eurowings gemacht.
Sie stärke dadurch ihren innerdeutschen Verkehr. Glockenmeier geht davon aus, dass die Beteiligung noch weiter ausgebaut werde. Kurzfristig belaste der Zukauf allerdings die Kurse.
Das Scheitern der Fusionsverhandlungen zwischen der niederländischen KLM und der British Airways wirkte sich auf den Kurs nicht aus.
BMW bleibt gut in Fahrt
BMW-Titel lagen, wie am Mittwoch, an der Spitze der Dax-Werte. In Erwartung eines Rekordergebnis für das laufende Jahr stiegen Anleger bei der Aktie des Münchener Autoherstellers ein. "In einem so schwachen Markt profitieren Werte, denen keine negativen Gerüchte anhaften", sagte ein Händler der Frankfurter Sparkasse. BMW-Titel kletterten 4,10 Prozent auf 37,59 Euro.
Die Titel der Münchener-Rück-Gruppe waren nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen Kursschwankungen ausgesetzt. Nach einem anfänglichen Plus schloss die Aktie mit einem Minus von 0,63 Prozent bei 313,00 Euro.
Peter Ewert, Analyst der BfG Bank bezeichnete die Halbjahresergebnisse "besser als erwartet". Die Aussichten für den Konzern bewertete der Experte als positiv. Das Rückversicherungsgeschäft habe ebenfalls die Erwartungen übertroffen. Darüber hinaus steuere das Erstversicherungsgeschäft auf ein neues Rekordergebnis zu.
Die Aktien der Deutschen Telekom gerieten durch die Veränderungen im Vorstand der Internet-Tochter T-Online sowie durch technische Faktoren unter Abgabedruck, sagten Händler.
Im frühen Handel erreichte die T-Aktie mit 37,66 Euro einen Jahrestiefstwert. Mit 39,25 Euro schloss das Papier der Deutschen Telekom noch um 1,38 Prozent leichter als am Vortag. Nachdem die Aktie am Mittwochabend unter die Marke von 40 Euro gefallen war, fing nach Ansicht von Börsianern die Talfahrt der Bonner erst richtig an.
Sollte die T-Aktie unter 33 Euro fallen hat der US-Mobilfunkanbieter VoiceStream Wireless Corp. die Option, den Aktientausch mit der Telekom abzulehnen.
Allianz vor neuer Übernahme
Allianz-Titel verbilligten sich um 1,81 Prozent auf 354,45 Euro. Der größte europäische Versicherungskonzern will nach eigenen Angaben die niederländische Zwolsche Algemeene übernehmen. Die Verhandlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen, erklärte die Allianz am Donnerstag in München.
Bei einer gelungenen Übernahme würden die Münchener im niederländischen Versicherungsgeschäft von Platz sechs auf Rang drei vorrücken.
Die Infineon-Aktie war in der Einschätzung von Händlern nicht belastet von einer Patentklage des US-Unternehmens Rambus. Das Unternehmen wirft Infineon sowie zwei weiteren Chip-Herstellern vor, ohne Lizenz eine von Rambus entwickelte Technologie zu verwenden, mit der die Rechengeschwindigkeit der Chips deutlich erhöht werden kann.
Infineon mache sich keine großen Sorgen, sagte ein Unternehmens-Sprecher. Der Titel schloss mit einem Verlust von 2,74 Prozent auf 58,55 Euro im Mittelfeld der Dax-Werte.
Henkel trotzt den hohen Ölpreisen
Die Henkel-Aktie konnte sich von dem schwachen Börsenumfeld lösen und gingen mit einem Plus von 1,54 Prozent bei 66 Euro aus dem Handel. Händler machten den Kurssprung an der Nachricht fest, Henkel sei nur unwesentlich von den hohen Ölpreisen betroffen.
Das Konsum-Chemie-Unternehmen rechnet im Gegenteil mit einer verbesserten Kostensituation im laufenden Jahr, da das weltweite Angebot an regenerativen Ölen und Fetten gut sei. Dies wirke sich positiv auf die Rohstoffbeschaffung und damit auch auf die Kostensituation des Unternehmens aus.
Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Frankfurt vermeldete DaimlerChrysler einen Absatzanstieg von Nutzfahrzeugen in den ersten acht Monaten des Jahres um 7,6 Prozent. Bei schweren Lkw's sei der Markt in den USA in diesem Jahr gegenüber dem hohen Vorjahresniveau allerdings stark rückläufig. Die Aktie von DaimlerChrysler gab dennoch um 1,63 Prozent auf 51,98 Euro nach.
Kurseinbrüche am Neuen Markt
Mit Kurseinbrüchen haben sich die Wachstumswerte an der Frankfurter Börse aus dem Donnerstags-Handel verabschiedet. Ein Grund für die sehr schwache Notierungen seien die quartalsbedingten Verkäufe von institutionellen Anlegern, die zum Ende des Monats ihre Depots offenlegen müssten. Das habe den gesamten Handel belastet.
Datasave gehörte zu den wenigen Werten, die von institutionellen Käufen gestützt wurden. Ein Großauftrag sicherte den Aktien eine Spitzenposition: Mit einem Gewinn von 31,79 Prozent auf 17,95 Euro setzten sich Datasave von den restlichen Wachstumspapieren deutlich ab.
Euro bleibt weiterhin schwach
Der Euro erholte sich geringfügig von der Serie an Negativrekorden und notierte zuletzt in Frankfurt mit 0,8579 US-Dollar. Der Dollar kostete 2,2798 Mark. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Euro-Referenzkurs auf 0,8524 (Mittwoch: 0,8476) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2945 (2,3075) Mark.
Der Rentenmarkt zeigte sich marginal fester. Der Bund-Future zehnjähriger Staatsanleihen lag mit 104,85 Zählern um 0,24 Prozent höher. Der Rentenindex REX stieg um 0,10 Prozent auf 109,84 Zähler. Die Umlaufrendite lag am Donnerstag bei 5,32 Prozent nach 5,35 Prozent am Vortag.