Börse Bankenwerte reißen Dax ins Minus
Frankfurt am Main - Diesmal war es die Commerzbank , die die Investoren aufschreckte. Schon zuvor waren Gerüchte aufgekommen, dass das Geldinstitut ein weiteres Mal um staatliche Hilfe bitten würde. Entsprechend rutschte der Kurs der Commerzbank-Aktie in die Tiefe und markierte zeitweise einen historischen Tiefststand. Und die anderen Finanzwerte zogen nach. Der Leitindex Dax schloss am Ende des Tages mit einem Minus von 1,17 Prozent bei 4879,91 Punkten. Der MDax mittelgroßer Werte sank um 3,28 Prozent auf 5590,93 Zähler. Der TecDax gab um 3,26 Prozent auf 502,46 Punkte nach.
Börse in Frankfurt: "Die Sorgen sind massiv zurückgekehrt"
Foto: DDP"Die Sorgen sind heute massiv zurückgekehrt und lasten auf den Märkten", sagte Matthias Jasper, Leiter Aktien bei der WGZ Bank. "Vor allem die Finanzwerte belasten wieder. Aber auch die Nachrichten von Wal-Mart sorgen für deutliche Verstimmung." Es zeige sich erneut, dass sich die Krise durch alle Sektoren ziehe, sagte der Experte.
Außerdem hätten sich Anleger insgesamt vor den monatlichen US-Arbeitsmarktdaten an diesem Freitag zurückgehalten, sagten Händler.
Bund übernimmt Sperrminorität bei Commerzbank
Zu den Hauptgesprächsthemen im späteren Handel gehörte die Commerzbank . Wegen der geplanten Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank braucht die Bank deutlich mehr Geld vom Staat als bislang bekannt und wird teilverstaatlicht. Die zweitgrößte deutsche Bank bekommt vom Staat eine zusätzliche Kapitalspritze in Höhe von zehn Milliarden Euro. 1,8 Milliarden Euro sollen durch den Verkauf von 295 Millionen Stammaktien zu je sechs Euro an den Staat erlöst werden. Damit hält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank. Zusätzlich erhalte der Commerzbank eine weitere stille Einlage über 8,2 Milliarden Euro.
Die Bank wurde bereits Ende 2008 durch eine stille Einlage in derselben Höhe gestützt. Die Aktien gingen mit einem Abschlag von 13,79 Prozent bei 5,25 Euro aus dem Handel, nachdem sie zuvor ein Rekordtief bei 4,79 Euro markiert hatten. Allianz-Aktien gaben um 5,43 Prozent auf 66,67 Euro nach.
Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart senkte wegen seines schwachen Weihnachtsgeschäfts die Gewinnprognose für das Schlussquartal und schickte damit auch deutsche Einzelhandelswerte auf Talfahrt. Metro-Aktien verloren 5,85 Prozent 25,90 Euro.
Discounter in der Krise
Von einer Überraschung wollten die Händler dennoch nicht sprechen, wohl aber von einem Alarmsignal: "Man spricht wohl dann von Rezession, wenn auch die Discounter darben. Die Schwierigkeiten von Wal-Mart unterstreichen noch einmal deutlich den großen Umfang der Rezession in den USA", sagte Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank. Arcandor verbilligten sich um 1,92 Prozent auf 2,55 Euro. Weitere Einzelhandelswerte wie Douglas , Hugo Boss St. und Escada fielen ebenfalls zurück.
Die Aktien von Infineon sackten um 10,50 Prozent auf 1,065 Euro ab. Händler verwiesen auf die Hiobsbotschaften von Intel vom Vortag. Beim weltgrößten Halbleiterkonzern brach die Nachfrage in den letzten Wochen des abgelaufenen Jahres derart massiv ein, dass das Unternehmen seine eigenen Ziele verfehlt.
Am Morgen hatte auch Lenovo , der viertgrößte Computerhersteller der Welt, mitgeteilt, er erwarte Verluste und plane die Entlassung von elf Prozent seiner Mitarbeiter.
BASF gewinnt gegen den Trend
Die Titel der Deutschen Post fielen um 3,63 Prozent auf 10,90 Euro. Händler verwiesen vor allem auf eine Abstufung durch die Investmentbank Morgan Stanley , die ihr Votum für das Papier des Logistikers von "Equal-weight" auf "Underweight" zurücknahm. Hinzu kommt ein Bericht in der "Welt", demzufolge die Deutsche Post den Finanzchef des Autozulieferers Continental , Alan Hippe, als Nachfolger für den scheidenden Finanzchef John Allan abwerben will. Eine Post-Sprecherin sagte: "Die Suche läuft noch."
Der Lkw-Bauer MAN hat laut einem Pressebericht durch den erhöhten Anteil an dem schwedischen Konkurrenten Scania noch rechtzeitig vor Jahresende einen hohen Buchverlust im Geschäftsabschluss 2008 vermieden. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hätten die Münchener als Folge der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten eine Wertberichtigung von rund 700 Millionen Euro auf ihre Beteiligung an Scania von damals 18 Prozent verkraften müssen. Das hätte einen unschönen Fleck in der Ergebnisrechnung hinterlassen. Der Kurs fiel um 2,58 Prozent auf 40,00 Euro.
BASF-Papiere legten gegen den schwachen Markttrend zu und schlossen mit 0,60 Prozent im Plus bei 26,65 Euro. Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach der Chemiekonzern an dem US-Konkurrenten Eastman Chemical interessiert sein könnte. BASF wollte die Gerüchte nicht kommentieren.