Börse Bankenwerte ziehen Dax ins Minus
Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienindex Dax hat die Talfahrt der Vorwoche wieder aufgenommen und am Montag schwach geschlossen. Belastet von Kursverlusten bei den Bankaktien fiel der Leitindex nach einem freundlichen Start im Tagesverlauf immer tiefer ins Minus und beendete den Handel schließlich mit minus 1,15 Prozent bei 4316 Punkten. Der MDax gab 1,56 Prozent auf 4999 Zähler nach, der TecDax verlor 0,7 Prozent auf 467 Punkte.
Finanzmetropole Frankfurt: Banken drohen weiter hohe Abschreibungen
Foto: DPAEuropaweit rutschten Finanzwerte ab, der europäische Branchenindex verlor 8,7 Prozent. Im Dax waren die Titel der Postbank und der Deutschen Bank mit Abschlägen von 13,3 beziehungsweise 10,6 Prozent die größten Verlierer. "Die Deutsche Bank und die Postbank verlieren im Gleichklang, weil die Postbank als Beteiligung der Deutschen gesehen wird", sagte ein Börsianer. Bei den Nebenwerten im MDax stürzten Papiere des Immobilienfinanzierers Aareal Bank 24,3 Prozent ab.
"Die Nachrichten von den Banken sind einfach verheerend", klagte ein Aktienhändler. "Man hat den Eindruck, als ob der Bankensektor inzwischen als Fass ohne Boden eingestuft wird", sagte ein zweiter. Für Verunsicherung sorgte Händlern zufolge auch ein SPIEGEL-Bericht, wonach die deutschen Geldinstitute erst einen Bruchteil ihrer faulen Wertpapiere rund um US-Hypothekendarlehen abgeschrieben haben und daher vor weiteren Milliardenverlusten stehen.
Negativnachrichten um die angeschlagene Royal Bank of Scotland (RBS) sorgten für zusätzliche Verunsicherung an der Börse. Das Institut fuhr nach hohen Abschreibungen im vergangenen Jahr mit über 20 Milliarden Pfund den größten Verlust eines Unternehmens in der britischen Wirtschaftsgeschichte ein. Die Aktien des teilverstaatlichten Geldinstituts stürzten um 64 Prozent ab.
Nach Einschätzung von Analysten der japanischen Bank Nomura illustrieren die Aussagen der RBS das Ausmaß der Abschwächung der Branche. "Die Nachrichten von der Royal Bank of Scotland haben ordentlich erschreckt, und Anleger überdenken ihre Positionen bei den Finanzwerten", sagte ein Händler.
Die Regierung in London legte am Montag den zweiten Bankenrettungsplan innerhalb von drei Monaten auf. Dennoch gaben die Aktien der britischen Großbanken deutlich nach. Barclays und HSBC verloren jeweils rund zehn Prozent, Papiere von Lloyds rutschten sogar um 30 Prozent ab.
Belastet wurde der deutsche Leitindex auch vom schwachen Ausblick des Unternehmens BASF . Der Chemieriese teilte mit, das Geschäft sei im Dezember stärker als erwartet eingebrochen. Die Aktien gaben 4,6 Prozent nach.
Wegen der trüben konjunkturellen Aussichten soll in einigen Betrieben Kurzarbeit eingeführt werden. "Den Hinweis auf die Belastung des Ergebnisses durch den Geschäftseinbruch werten wir als Gewinnwarnung", erklärten die NordLB-Analysten. Beinahe noch gravierender sei der skeptische Ausblick.
Größter Gewinner im Dax waren die Aktien von Infineon mit einem Plus von 15 Prozent. Händler sprachen von einer technischen Erholung nach den jüngsten Verlusten. Gefragt waren auch die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Aktien von Wincor Nixdorf , die sich um 8,7 Prozent verteuerten. Der Hersteller von Geldautomaten und Supermarktkassen habe eine exzellente Quartalsbilanz vorgelegt, sagte ein Händler.