Börse Beben in Tokio
Tokio Auch das Notprogramm der japanischen Regierung und das Rücktritts-Dementi von Premierminister Mori konnten den Absturz an der Tokioter Börse nicht aufhalten.
Nach der negativen Vorgabe der US-Technologiebörse Nasdaq, die am Freitag um 5,4 Prozent eingebrochen war, schloss der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte mit einem Verlust von 3,6 Prozent bei 12.171 Punkten. Auch der Hang Seng befand sich am Morgen mit einem Minus von 3,3 Prozent im freien Fall.
Die Hiobsbotschaft von Cisco nach Börsenschluss am Freitag schickte vor allem japanische Technologiewerte in den Keller. Der Netzwerkgigant (44.000 Beschäftigte) entläßt elf Prozent seiner Belegschaft und 75 Prozent seiner Zeitarbeiter. Die Stimmung im Silicon Valley ist auf dem Nullpunkt: Nach Oracle, Yahoo und Intel zeichnet nun auch der Branchenriese Cisco ein düsteres Bild über die Absatzchancen. Der Kurs von Cisco war bereits am Freitag um zehn Prozent eingebrochen und sackte nachbörslich weiter ab.
In Dax und Nemax sind nach Ansicht technischer Analysten die Abwärtstrends weiterhin intakt. Der Dax verlor am Freitag bei niedrigen Umsätzen 1 Prozent auf 6204 Zähler. Der Nemax All Share notierte zu seinem vierten Geburtstag am Wochenende mit 2,9 Prozent Minus bei 2033 Punkten das sind 75 Prozent Verlust binnen eines Jahres.
Der Druck auf Alan Greenspan, die Leitzinsen am 20. März deutlich zu senken, ist nach den US-Arbeitslosenzahlen in den USA gesunken. Die Hoffnung auf Zinssenkungen allein wird die krisengeschüttelten Technologie-, Medien- und Telkommunikationswerte nicht aus dem Keller holen können. Sogar die Empfehlung von Staranalystin Abby Joseph Cohen, den Aktienanteil wieder aufzustocken, ist im Hagel der Gewinnwarnungen verpufft.
Entscheidend für eine nachhaltige Erholung wird sein, dass sich die Nachfrage belebt und die TMT-Unternehmen lernen, ihre Gewinnprognosen nicht von bloßem Wunschdenken bestimmen zu lassen. Bis zum Ende der Gewinnwarnungssaison (31. März) liegen Chancen eher bei defensiven Titeln.
Im Blickpunkt der Anleger steht heute Siemens. Der Technologiekonzern wagt bei schwerem Börsenwetter den Gang an die US-Börse. Mit dem Zweitlisting an der Wall Street schafft Siemens die Voraussetzungen für Zukäufe in den USA, wobei der Konzern eigene Aktien als Übernahmewährung einsetzen kann. Dass es nicht einfach ist, US-Investoren zufrieden zu stellen, davon können vor allem DaimlerChrysler und zuletzt Intershop ein Lied singen.
Als die Siemens-Tochter Infineon vor genau einem Jahr an die US-Börse ging, fuhr der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher im Rennanzug im Sportwagen an der Wall Street vor. Die Konzernmutter Siemens dagegen will gemäß der trüben Großwetterlage an der Börse auf großes Tamtam verzichten. Bereits jetzt ist jede achte Siemens-Aktie in Händen von US-Investoren.
Auch Ebookers wagt sich auf fremdes Terrain. Bis Ende März will das am Neuen Markt notierte Unternehmen an der London Stock Exchange gelistet sein, teilte Ebookers am Montag in einer ad-hoc-Mitteilung mit.
Die Aktie der Deutschen Telekom ist am Freitag wieder unter 27 Euro gerutscht. Staatsanwälte ermitteln gegen Konzernchef Ron Sommer: Es besteht Verdacht auf Aktionärsbetrug. Sommer, so der Verdacht, könnte seit langem acht, könnte über Jahre hinweg von der Falschbewertung der Telekom-Immobilien gewusst haben, ohne die Bilanzen entsprechend korrigieren zu lassen.
Der Yen gab zum Dollar stark nach. Die US-Währung notierte am Morgen mit 120,43-46 Yen nach 19,65-68 Yen am Freitag. Der Euro notierte etwas fester mit 0,9330-40 Dollar.