Börse: Dax fällt im Sog der Technologietitel - DER SPIEGEL
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Börse Dax fällt im Sog der Technologietitel

Nach einer freundlichen Eröffnung haben die deutschen Aktien am Freitag den Handel im Minus beendet. Vor allem Technologiewerte wie SAP, Epcos und Infineon zogen den Dax nach unten. Der Nemax markierte ein neues Jahrestief.
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Frankfurt am Main - Der Dax fiel um 1,55 Prozent auf 6851 Zähler. Noch deutlicher gaben die Wachstumswerte am Neuen Markt nach: Der Nemax-50 sank um 2,45 Prozent auf 4081 Zähler. Der M-Dax verlor 0,47 Prozent auf 5003 Zähler.

US-Wahlen belasten die Märkte

Der Dow Jones verlor in New York um 1,69 Prozent auf 10.651 Punkte. Die Nasdaq rutschte um 4,16 Prozent auf 3066 Punkte ab. Der ungewisse Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen wirkt sich nach Ansicht der Experten der DG-Bank auf die Börsen aus: "Die Märkte hassen nichts so sehr wie Unsicherheit."

Unter den Technologiewerten fielen Infineon um 7,04 Prozent auf 43,70 Euro und waren damit schwächster Dax-Wert am Freitag. Sehr schwach notierten auch Software-Hersteller SAP, die 5,69 Prozent auf 211,00 Euro abgaben. Epcos verloren 5,17 Prozent auf 88,90 Euro.

Die deutschen Technologiewerte standen im Sog der Verluste der amerikanischen Tech-Titel: Das Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter hatte am Freitag sowohl Computer-Hersteller Dell als auch den Weltmarktführer für Computerchips Intel heruntergestuft. Daraufhin büßten beide Titel deutlich ein.

Spekulative Käufe bei Henkel

An der Spitze des Dax schlossen Henkel und verteuerten sich um 2,19 Prozent auf 77,00 Euro. "Das sind spekulative Käufe im Hinblick auf die Quartalszahlen", begründete Oliver Schwarz, Analyst bei der Baden-Württembergischen Bank, den Kursanstieg. Die Zahlen werden für den kommenden Montag erwartet.

Die Aktien der Deutsche Telekom gaben um 3,06 Prozent auf 38,95 Euro nach. "Für viele Anleger war das Unterschreiten der 40- Euro-Marke wohl ein psychologisches Signal, jetzt verkaufen viele", kommentierte ein Händler den Kursverlauf.

Siemens beendete den Handel mit einem Minus von 2,21 Prozent auf 133,49 Euro. Zuvor war der Titel auf ein neues Tagestief von 132,40 Euro gefallen. Für die Schwankungen der Siemens-Aktie sehe er keinen speziellen Grund, sagte der Händler Christian Schackmann von der Citibank. "So ist der Markt."

Gerüchte um die Pharma-Sparte von BASF

Die BASF-Aktien haben am Freitagvormittag in Frankfurt zugelegt und gehörten zeitweise zur Spitzengruppe der gehandelten Papiere. Um BASF gebe es neue Spekulationen, dass der Konzern seine Pharma-Sparte verkaufen wolle, sagte der Händler Stefan Buchholz von der DG Bank. Die Aktien hielten sich bei Handelsende mit einem knappen Plus von 0,53% bei 43,54 Euro.

Die Titel der Münchener Rück gehörten am Freitag zu den Verlieren, nachdem sie am Donnerstag als der stärkste Wert aus dem Handel gegangen war. Die Aktien verloren 0,77 Prozent auf 388 Euro. Händler führten das auf Gewinnmitnahmen zurück.

Auch Banken, die am Donnerstag ebenfalls zu den starken Titeln gehörten, verbilligten sich aus dem gleichen Grund. Dresdner Bank verloren 0,91 Prozent auf 48,06 Euro, Deutsche Bank gaben um 1,11 Prozent auf 98,30 Euro nach, Commerzbank sanken um 2,08 Prozent auf 33,01 Euro.

Kurseinbrüche am Neuen Markt

Die Wachstumswerte am Neuen Markt verabschiedeten sich mit einem dicken Minus ins Wochenende. Nach fester Handelseröffnung am Morgen folgte schnell wieder der Rutsch ins Minus. Erneut unter 4000 Punkten blieb der Nemax-All-Share, der um 2,47 Prozent auf 3856 Punkte abrutschte. Phasenweise lag der Index mit 3806 Punkten sogar unter dem Schlusskurs-Jahrestief von 3845 Zählern.

Der Neue Markt habe seine Bodenbildung noch nicht gefunden, sagte ein Händler. Die Unsicherheit unter den Anlegern sei groß, erschwerend käme nun der ungewisse Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen hinzu. Gute Unternehmensmeldungen würden im Moment kaum honoriert werden, aber schlechte News würden regelrecht abgestraft.

"Ein vernünftiger Handel ist derzeit kaum möglich, es waltet die Unvernunft", sagte ein Händler. Zudem tummelten sich immer noch viele Zocker am Markt.

Infomatec rutscht wieder in den Keller

Zu den größten Verlierern im Nemax-50 zählten Infomatec mit minus 16,48 Prozent auf 2,94 Euro. Das angeschlagene Unternehmen hatte am Montag eine Fokussierung des Geschäfts auf interaktives Fernsehen angekündigt. Daraufhin war der Kurs um 116 Prozent gestiegen. Danach gab es Gewinnmitnahmen, gefolgt von weiteren Berg- und Talfahrten. Infomatec sei vor allem bei Spekulanten gefragt, sagten Händler.

Mobilcom verliert das Vertrauen der Anleger

Eine kräftigen Einbruch erlebten auch Mobilcom. Nachdem das Unternehmen bereits am Donnerstag 18,12 Prozent abgeben musste, folgten zum Wochenschluss 9,56 Prozent auf 52,02 Euro. Händlern zufolge hätten Anleger das Vertrauen in Mobilcom verloren, nachdem diese für die ersten neun Monate einen Verlust von über 260 Millionen Mark ausweisen mussten. Auch für das vierte Quartal erwarte Mobilcom ein negatives Ergebnis.

Stark unter Druck standen am Freitag T-Online. Nach dem Rücktritt des vierten Vorstandsmitgliedes innerhalb weniger Wochen stürzte die Aktie auf das Jahrestief von 19,50 Euro. Zum Handelsschluss erholte sich das Papier der Telekom-Tochter wieder etwas auf 20,60 Euro, das entspricht einem Verlust von 2,51 Prozent.

Mit Intershop gab ein weiteres Schwergewicht erheblich ab. Am Ende notierte das Papier mit einem Minus von 5,73 Prozent bei 46,52 Euro. Intershop leide an der derzeitigen schlechten Stimmung für Internetwerte, sagte ein Händler.

Börsenliebling EM.TV auf Jahrestief

Die raue Börsenwirklichkeit erlebte auch EM.TV. Die einstige Vorzeigeaktie gab um 6,92 Prozent auf 27,02 Euro nach. Ein neues Jahrestief. Phasenweise sah es sogar noch schlimmer aus, denn zeitweise notierte das Papier nur bei 26,65 Euro.

Direkt Anlage Bank litten unter Gewinnmitnahmen und gaben um 3,49 Prozent auf 45,65 Euro ab.

Die Aktien des Filmlizenzhändlers Kinowelt Medien litten am Freitag unter Marktgerüchten über angebliche Liquiditätsprobleme. Die Aktie rutschte um 9,59 Prozent auf 19,90 Euro ab. Ein Händler der BHF-Bank bezeichnete die Gerüchte von einer drohenden Pleite als "vollkommen absurd". Kinowelt Medien seien von Liquiditätsproblemen weit entfernt.

Europas Börsen im Minus

Auch die Börsen in Paris, London und Mailand mussten deutliche Kurseinbußen am Handelsende hinnehmen. Der EuroStoxx-50 ging um 1,7 Prozent auf 4934 Zähler zurück.

Der Euro bleibt über der 86-Cent-Marke

Der Euro notierte mit 0,8630 Dollar etwas leichter. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 0,8673 (Donnerstag:0,8531) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2551 (2,2926) Mark.

Der Rentenmarkt zeigte sich gut behauptet. Der Bund-Future zehnjähriger Staatsanleihen lag mit plus 0,1 Prozent bei 105,52 Punkten. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,1 Prozent auf 110,21 Zählern. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittag mit 5,26 (Donnerstag 5,29) Prozent fest.