Börse: Dax gibt Gewinne ab - DER SPIEGEL
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Börse Dax gibt Gewinne ab

Die deutschen Börsen konnten sich dem Sog einer schwachen Wall Street nicht entziehen. Dax und Nemax schlossen nahe ihrem Vortagesniveau.
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Frankfurt am Main - Die schwächeren Vorgaben aus den USA beeinflussten auch den Dax, der zum Handelsende leicht im Minus lag. Das Börsenbarometer sank um 0,22 Prozent knapp unter den Vortagesschluss auf 6622 Punkte.

Der Nemax-50, der im frühen Handel über vier Prozent gewinnen konnte, näherte sich ebenfalls seinem Schlussstand vom Vortag an und ging mit einem Gewinn von 0,61 Prozent mit 3281 Punkten aus dem Handel. Der M-Dax stieg um 1,25 Prozent auf 4725 Punkte.

Schwache Vorgaben von der Wall Street

In den USA notierten die Nasdaq und der Dow Jones zum Zeitpunkt des deutschen Börsenschlusses mit 1,8 Prozent im Minus.

"Ob das Ende der Korrektur da ist, bleibt fraglich", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Die Umsätze seien nicht so schlecht. Anleger würden zur Zeit wieder von defensiven Titeln in Technologiewerte umschichten.

Händler zeigen sich zuversichtlich

Händler sprachen trotz der späten Dax-Verluste dennoch von guten Aussichten für weitere Zugewinne an den deutschen Aktienmärkten im Verlauf der Woche. Die Liquidität im Markt habe sich bei selektiven Transaktionen deutlich verbessert, sagte ein Händler.

Der Blick der deutschen Märkte richte sich zwar weiterhin auf die US-Technologiebörse Nasdaq, sagte Credit Lyonnais-Händler Francois Caron. Allerdings stünden die Chancen auf eine Trendfortsetzung auch unabhängig vom Geschehen an den US-Märkten recht gut.

Die Gewinnwarnung des US-Computerherstellers Apple setze seiner Ansicht nach der Wall Street stärker zu als den deutschen Märkten. Einen Anstieg des Dax auf 6800 bis 6900 Punkte, vielleicht sogar mehr, sei durchaus möglich, sagte ein weiterer Börsianer.

Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte am Dienstag, beflügelt von Äußerungen des US-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan, mit dem höchsten Zuwachs in der Geschichte des Börsenbarometers die Sitzung beendet. Von aufkeimenden Hoffnungen auf Zinssenkungen durch die Bemerkungen von Greenspan profitierten Händlern zufolge besonders die deutschen Bankenwerte.

Finanz- und Technologiewerte deutlich im Plus

Die Papiere der Dresdner Bank gingen 2,73 Prozent fester bei 46,33 Euro aus dem Handel. Die Aktien von Deutschlands größtem Bankhaus, Deutsche Bank, verbuchten Gewinne von 4,05 Prozent auf 90 Euro.

Ebenso verzeichneten die Technologiewerte im Dax trotz der Gewinnwarnung des US-Computerherstellers Apple deutliche Kursanstiege. Epcos legten um 9,28 Prozent auf 110,81 Euro und SAP 3,64 Prozent auf 177,75 Euro zu. Die Papiere des Halbleiterherstellers Infineon verteuerten sich um 2,21 Prozent auf 50,38 Euro.

Analysten mahnten jedoch zur Vorsicht, da noch nicht alle Probleme des Sektors ausgestanden seien.

Einbußen erlitten dagegen Titel der Pharma- und der Energiebranche. Es hätten starke Umschichtungen von defensiven Werten hin zu Banken- und Technologietiteln stattgefunden, berichteten Händler.

Von Kursabschlägen waren unter anderem Schering mit einem Minus von 3,78 Prozent betroffen sowie die Energieunternehmen RWE und E.ON, die jeweils um rund fünf Prozent tiefer aus dem Handel gingen.

Der Neue Markt bleibt nervös

Die Unsicherheit am Neuen Markt ist Händlern zufolge nach wie vor da, was an der hohen Volatilität der Indizes sichtbar sei. Das Vertrauen der Anleger könne nach zwei Tagen nicht wieder hergestellt werden. Der Rückzug am Neuen Markt habe sich schließlich zuvor über einen längeren Zeitraum hingezogen.

Am Neuen Markt standen die Aktien des Filmrechtehändlers EM.TV auf Grund des Vertrauensverlustes der Anleger erneut unter Druck. Die Titel verloren über 30 Prozent auf 6,25 Euro und waren nach der Deutschen Telekom bis Handelsschluss umsatzstärkstes Papier am Gesamtmarkt.

Gerüchte um Zahlungsschwierigkeiten belasten Mobilcom

Hohe Verluste erlitten auch die Papiere von Mobilcom. Händler führten die Kursabstriche auf einen Medienbericht zurück, in dem von finanziellen Problemen der Telefongesellschaft die Rede war und Parallelen zu EM.TV gezogen wurden.

Das Unternehmen scheine mit den Kosten für die UMTS-Lizenzen überfordert zu sein, sagten Händler. Mobilcom teilte auf Anfrage dagegen mit, dass die Finanzierung der ersteigerten UMTS-Mobilfunk-Lizenzen gesichert sei. Gegen Sitzungsschluss notierte das Papier 13,75 Prozent im Minus bei 43,3 Zählern.

Gewinnmitnahmen bei Novasoft

Nach der Kursrally von Novasoft am Dienstag von bis zu über 70 Prozent haben einige Anleger Händlern zufolge mit dem Papier Gewinne realisiert. Die Aktien kosteten gegen Abend mit 10,5 Euro 16 Prozent weniger als zum Vortagesschluss.

Zu den Gewinnern am Neuen Markt gehörten die Aktien des Betreibers eines internationalen Single-Dating-Services im Internet, Matchnet. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, zwei Werbeverträge im Wert von insgesamt 1,25 Millionen Dollar unterzeichnet zu haben. Die Titel gingen 54,49 Prozent teurer bei 2,41 Euro aus dem Handel.

Von der Bekanntgabe einer Umsatz- und Gewinnprognose profitierten Händlern zufolge die Aktien der Deutschen Entertainment (DEAG). Nach eigenen Angaben erwartet der Konzertveranstalter für das Jahr 2001 einen Umsatz von mindestens 650 Millionen Mark nach voraussichtlich rund 500 Millionen Mark in diesem Jahr. Das Papier kletterte bis zum Abend 10,55 Prozent auf 22,11 Euro.

Einen Kursanstieg von 36,84 Prozent auf 5,2 Euro verzeichneten die Aktien von Internetmediahouse. Grund dafür könnten kursgünstige Anschaffungen, sagte ein Händler.

Der Euro präsentiert sich fest

Hoffnungen auf niedrigere Zinsen und erneut schwächere US-Konjunkturdaten haben den Euro auf Kurse nahe 89 Cents klettern lassen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8828 Dollar festgestellt. Zum Yen notierte die Gemeinschaftswährung mit 98,15/28 Yen nach 98,09/13 Yen im Referenzkursverfahren der öffentlichen Banken.