Börse Dax hat Motorola-Schockwelle verdaut
Frankfurt am Main - Nach den kurzen Gewinnen am Vortag haben die deutschen Standardwerte am Donnerstag wieder einmal in der Verlustzone gelegen. Die deutlichen Kursverluste nach der schwachen Eröffnung der US-Börsen und einer herabgestuften Gewinnprognose des US-Chipherstellers Motorola verringerten sich jedoch im Laufe des frühen Abends wieder.
Der Dax schloss bei 6566 Punkten mit 0,85 Prozent im Minus, nachdem es im Tagesverlauf auf 6512 Punkte in den Keller gerauscht war. Am Neuen Markt fiel der Nemax-50 um 4,92 Prozent auf 3119 Punkte. Der M-Dax legte leicht um 0,17 Prozent auf 4733 Zähler zu,
Sorgenvolle Warnungen aus den USA
"Die Märkte haben einen kräftigeren Kursrutsch in den USA erwartet", sagte ein Börsianer. Nachdem sich jedoch die Verluste an der Technologiebörse in Grenzen hielten, stieg auch der Dax wieder.
Die Nasdaq begrenzte ihre Verluste auf zuletzt minus 2,59 Prozent bei 2724 Punkten. Der Dow Jones Index notierte mit 10621 Punkten leicht unter dem Vortagesniveau.
Technologietitel auf Berg- und Talfahrt
Nach satten Gewinnen in den Vortagen gerieten die Technologietitel durch Motorola und Microsoft am Mittag ins Trudeln, erholten sich jedoch zum Teil wieder. Die SAP-Aktie sank zuletzt um 4,37 Prozent auf 169,99 Euro.
Infineon-Kurs gab 1,75 Prozent auf 49,50 Euro ab. Der Kurs der Siemens-Aktie drehte sogar nach anfänglichen Verlusten in die Gewinnzone - plus 0,27 Prozent auf 145,65 Euro.
Motorola hatte am Nachmittag erklärt, dass ein schwacher Weltmarkt für Halbleiter die Umsätze und Gewinne drücken könnte. Öl ins Feuer schüttete die Investmentbank Goldman Sachs, die die Gewinnerwartungen für den amerikanischen Software-Riesen Microsoft reduzierte.
Die Gewinnwarnung von Motorola habe die Märkte zunächst kalt erwischt, sagte Renzo Sechi, Händler bei der BfG-Bank. "Wir sonnten uns alle schon in der Jahresendrallye."
Anleger misstrauen der Thomas-Cook-Übernahme
Im späten Handel gerieten die Papiere von Karstadt Quelle ins Abseits. Die Sorgen der Anleger um die Übernahme des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook durch die Tochtergesellschaft C&N ließen die Karstadt-Quelle-Aktien um 2,06 Prozent auf 34,25 Euro sinken.
Die Aktie von Volkswagen verlor 2,45 Prozent auf 56,58 Euro. Am Morgen war die Aktie nach der Meldung über die Aufnahme in den europäischen Leitindex Euro-Stoxx-50 noch deutlich gestiegen.
Aktien für konservative Investoren: Versorgerwerte
Die Aktie des Düsseldorfer Energieversorgers E.ON legte dagegen nach Vorlage der Neunmonatszahlen deutlich zu. Das Papier kletterte um 2,35 Prozent auf 63,20 Euro. Die Aktie sei weiter eine gute defensive Anlage, sagte Jörg Natrop, Analyst bei der WGZ-Bank.
E.ON hatte das Vorsteuerergebnis um 55 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz wuchs gleichzeitig um 40 Prozent auf 69,9 Milliarden Euro.
Konkurrent RWE legte um 1,86 Prozent auf 47,70 Euro zu.
Unverminderter Verkaufsdruck am Neuen Markt
"Wir sind weiter im Abwärtstrend. Solange der nicht durchbrochen wird, sind kaum Lichtblicke für den Neuen Markt zu sehen", sagte Patrick Buarque, Händler der Frankfurter DG Bank. Es müssten aber erst wieder Käufer in den Markt kommen, wofür momentan einfach das Vertrauen fehle. Am Neuen Markt sei das letzte Quentchen verspielt worden, nachdem die ehemaligen Lieblinge enttäuscht hätten.
Mobilcom drohte als nächster Börsenstar in Ungnade zu fallen. Im frühen Handel rutschte die Aktie auf ein Jahrestief von 28,1 Euro. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, Mobilcom und Hutchison Whampoa hätten Probleme, die benötigten Bankkredite über 9,7 Milliarden Euro zu erhalten. Mobilcom erklärte dagegen, die Liquidität sei langfristig gesichert.
In einem Fernseh-Interview am Nachmittag hatte Mobilcom-Chef Gerhard Schmid Händlern zufolge einen positiven Eindruck hinterlassen und den Kursrutsch der Aktien zunächst aufgehalten. Die Aktie schloss 21,45 Prozent schwächer auf 34,01 Euro.
Weitere Gerüchte um EM.TV
EM.TV, das Sorgenkind der Vortage, konnte sich nach zunächst weiteren Verkäufen im frühen Handel erholen und verzeichneten ein Plus von 15,20 Prozent auf 7,20 Euro. Das Tagestief hatte bei 5,6 Euro gelegen.
Händlern zufolge hätten später dementierte Gerüchte über ein Scheitern des Einstiegs der Münchner Kirch-Gruppe bei EM.TV die Aktien vorübergehend belastet.
Der Euro bleibt deutlich über 88 Cent
Der Euro stieg, gab aber am Abend einen Teil seiner Gewinne wieder ab und lag bei 0,8892 Dollar. Der Dollar kostete damit 2,1998 Mark. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 0,8943 Dollar festgelegt nach 0,8828 Dollar am Mittwoch.
Es sei unklar, ob die gegenwärtige Kurserholung der Gemeinschaftswährung bereits eine Trend-Umkehr markiere, sagte Ernst Welteke, Präsidenten der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.
Der Rentenmarkt tendierte leichter. Der Rentenindex Rex gab 0,2 Prozent auf 111,61 Punkte nach, während der zehnjährige Bund-Future 0,1 Prozent auf 107,86 Zähler einbüßte. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite unverändert zum Vortag mit 4,92 Prozent fest.
Die Schlussnotierung für Gold betrug am Donnerstag in London 274,30 Dollar pro Feinunze.