Börse: Dax sicher über 7000 Punkten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse Dax sicher über 7000 Punkten

Der deutsche Aktienmarkt hat mit vollen Segeln die Marke von 7000 Punkten genommen. Damit schloss der Dax so hoch wie seit knapp sechs Wochen nicht mehr. Die Wachstumswerte am Neuen Markt schlossen im Minus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Am deutschen Aktienmarkt hat sich am Dienstag die klare Aufwärtstendenz gehalten. Mit der Schlussglocke schloss der Dax bei 7077 Punkten und damit 2,18 Prozent im Plus. Der Nemax-50 büßte 1,32 Prozent auf 4704 Punkte ein. Der M-Dax legte um 0,25 Prozent auf 4932 Zähler zu.

Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland mit 1,10 Prozent fester bei 10.954 Punkten. Die Nasdaq setzte ihren Höhenflug fort. Der Index verzeichnete zuletzt ein Plus von 5,76 Prozent auf 3375 Punke.

Rückenwind für den Dax lieferte der steile Anstieg der US-Computerbörse Nasdaq. "Und von der Zinsseite kommen jetzt keine Störfeuer mehr - das legen die jüngsten Konjunkturdaten aus Amerika nahe", sagte Aktienhändler Alexander Gies von der Stadtsparkasse Köln. Zudem habe sich die 7000-Punkte-Marke als Widerstand erwiesen: "Es fließt jetzt spürbar mehr Liquidität in den Markt", sagte Gies.

Linde der Favorit der Anleger

Favorit der Anleger war die Aktie des Wiesbadener Spezialgas- und Maschinenbauunternehmens Linde, die sich um 5,79 Prozent auf 51,20 Euro verteuerte. "Die Linde-Maschinenbausparte verbucht nicht nur gute Gewinne im Export, sondern auch im Inland", urteilte Aktienhändler Gies. Das werde nun von den Investoren honoriert. Die Linde-Aktie reagierte bereits am Montag mit kräftigen Gewinnen auf eine positive Einschätzung des US-Investmenthauses Lehman Brothers.

T-Aktie kann sich wieder fangen

Im Handel drehte zudem der Trend für die T-Aktie. Nach der Vorlage der Neunmonatszahlen standen die Aktien der Deutschen Telekom noch klar unter Druck. Am Nachmittag wurden die Papiere der Bonner wieder geordert. Sie stiegen zuletzt um 0,55 Prozent auf 44,25 Euro.

Die Siemens-Aktie reagierte auf die Bilanz des französischen Konkurrenten Alcatel mit Gewinnen. Der Titel kletterte um 1,80 Prozent auf 150,05 Euro. Der französische Telefonausrüster hatte mit einem Umsatzwachstum von 50 Prozent im dritten Quartal sämtliche Analystenerwartungen gesprengt, erklärte ein Börsianer.

Auch Chemietitel im Dax legten kräftig zu. Die Aktie des Leverkusener Bayer-Konzerns verbesserte sich um 3,38 Prozent auf 51,15 Euro. "Die Aktie hat damit ihren Widerstand bei 49,50 Euro überwunden. Der Weg nach oben ist nun frei", urteilte ein Aktienhändler. Konkurrent BASF stieg um 2,67 Prozent auf 46,20 Euro.

Metro verliert nach Herabstufung

Die Aktien des Einzelhandelskonzerns Metro schlossen mit einem Kurs von 47,50 Euro um 3,18 Prozent deutlich niedriger als am Vortag. Händler begründeten den Kursrutsch mit der Herabstufung des Konzerns durch die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter. Diese hatte die Aktie von "outperform" auf "neutral" herabgestuft.

Stefan Reinhardt, Händler beim Investmenthaus Schröder Münchmeyer Hengst, stellte die Kursverluste bei Metro auch in Zusammenhang zu den heute veröffentlichten Zahlen der Metro: "Die Zahlen lagen zwar im Rahmen der Erwartungen der Analysten, allerdings am unteren Ende", sagte er.

Fresenius-Zahlen lagen in den Erwartungen

Der Dialysegerätehersteller Fresenius Medical Care steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten im Vergleich zu Vorjahr um zehn Prozent. Das Ergebnis je Aktie für die ersten neun Monate ging um 11 Prozent nach oben. "Die Neunmonatszahlen lagen in den Erwartungen, waren aber auch nicht besser", erläuterte ein Börsianer. Die Aktie schloss um 0,61 Prozent schwächer bei 93,77 Euro.

Die Börsen in London und Paris verzeichneten ebenfalls klare Kursaufschläge. Der EuroStoxx50 der wichtigsten Aktien in Euroland verbesserte sich zuletzt um 1,84 Prozent auf 5 057,46 Punkte.

Schwergewichte ziehen den Neuen Markt nach unten

Die Wachstumswerte am Frankfurter Neuen Markt konnten im Handelsverlauf am Dienstag nur einen Teil ihrer starken Verluste aus dem frühen Geschäft wettmachen. Wie ein Frankfurter Händler sagte, verhinderte der anhaltende Verkaufsdruck bei einigen Marktschwergewichten einen Anstieg der Indizes am Nachmittag.

Somit sei der sehr starke Anstieg des technologielastigen Nasdaq-Index optisch nur bedingt nachvollzogen worden. Allerdings sei der Markt auch am Vortag nicht den deutlichen Verlusten der Wachstumswerte in den USA gefolgt - möglicherweise warteten Investoren den weiteren Handelsverlauf ab. "In den vergangenen Tagen waren es gerade die Schwergewichte, die gekauft wurden - heute ist es genau anders herum", bestätigte Knut Strippel, Händler der West LB.

Intershop bricht am Abend ein

Intershop brachen unmittelbar nach der Bekanntgabe der endgültigen Zahlen zum abgelaufenen dritten Quartal gegen 18.30 Uhr stark ein und endeten mit minus 21,16 Prozent bei 52 Euro. Es gäbe an für sich keine Überraschung, sagte ein Händler. Die vorgelegten Zahlen seien bereits am 13. Oktober angekündigt worden. Damals hatte Intershop einen Verlust prognostiziert, jedoch keine Angaben zur Höhe gemacht. Daher sei der starke Abfall der Aktie übertrieben. Es sei jedoch möglich, dass die Zahlen nicht allen Investoren bekannt gewesen seien. Andererseits müsste bei Umsatzvolumen von 300.000 bis 400.000 Aktien institutionelle Kundschaft beteiligt sein.

Olympia-Vermarktung hilft EM.TV nicht

EM.TV mussten einen Abschlag von 1,85 Prozent auf 34,99 Euro hinnehmen. Dabei konnte auch die Meldung über Gespräche mit Nationalen Olympischen Komitee (NOK) über eine gemeinsame Olympia-Vermarktung mit EM.TV nicht helfen. Singulus, die unter Anschlussverkäufen nach negativen Analystenkommentaren am Vortag litten, verloren weitere 6,06 Prozent auf 47,30 Euro.

Brokat gingen als weiterer Wert im Nemax-50 mit starken Verlusten aus dem Handel und verloren 17,97 Prozent auf 52,51 Euro. Der Stuttgarter Anbieter von Software für den Geschäftsverkehr im Internet insbesondere für Finanzinstitute meldete für das dritte Quartal ein Umsatzplus im Jahresvergleich von 143 Prozent auf 56,9 Millionen Mark.

Fantastic bricht im späten Handel ein

Fantastic waren der Tagesverlierer, nachdem die Aktien im späten Handel eingebrochen sind und mit minus 34,65 Prozent bei 3,15 Euro endeten. Einem Düsseldorfer Händler zufolge sei eine Herabstufung des Schweizer Internet-Anbieters durch die Deutsche Bank für das Minus verantwortlich - die Analysten hätten ein Kursziel von zwei Euro ausgegeben.

Euro bleibt über 84-Cent-Marke

Der Euro hielt sich über der Marke von 84 US-Cent. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 0,8477 Dollar gehandelt. Der Dollar kostete am Devisenmarkt 2,3072 Mark. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8417 (Montag: 0,8482) Dollar fest. Der Dollar kostete 2,3237 (2,3059) Mark.

Der Rentenmarkt gab leicht nach. Der Bund-Future zehnjähriger Staatsanleihen pendelte am Nachmittag um seinen Vortagesschluss bei 105,42 Punkten. Der Rentenindex Rex gab um 0,1 Prozent auf 110,09 Zähler nach. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittag bei 5,27 (Montag: 5,24) Prozent etwas höher fest.