Börse Dax startet mit kräftigen Gewinnen
Tokio/Canberra/Frankfurt am Main - Der Höhenflug geht weiter: Der deutsche Aktienmarkt profitiert weiterhin von den weltweit laufenden Rettungsaktionen für das Finanzsystem und knüpft an die Rekord-Erholung vom Vortag an. Der Dax sprang in den ersten Handelsminuten um 3,45 Prozent auf 5237 Punkte nach oben, der MDax mittelgroßer Werte gewann 5,15 Prozent auf 6270 Zähler. Der TecDax legte 5,26 Prozent auf 615 Zähler zu.
Börsenhändler in Frankfurt: Börsentafel in Tokio: "Sollten wir das Niveau halten, wäre das ein Zeichen, dass sich die Krise ihrem Ende nähert"
Foto: DPAHändler verwiesen insbesondere auf die "bombastischen Vorgaben", die die Rally weiter antrieben. So waren die US-Börsen mit zweistelligen Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial stand am Morgen 757 Punkte über seinem Niveau zum Xetra-Schluss am Montag.
Es waren vor allem die Bankenwerte, die weiter deutlich zulegten. Die Aktien von Hypo Real Estate sprangen um weitere 37,54 Prozent nach oben auf 7,95 Euro, nachdem sich die Aktien bereits am Vortag um 39,95 Prozent von ihrem vorhergehenden Kursrutsch erholt hatten. Commerzbank -Titel verteuerten sich um 9,65 Prozent auf 12,215 Euro und die Papiere der Deutschen Bank gewannen 7,69 Prozent auf 37,690 Euro. Im MDax kletterten Aktien der Aareal Bank mit plus 15,14 Prozent auf 9,20 Euro an die Spitze des Index.
Händler hielten sich mit Euphorie aber zurück. Ein Börsianer sagte: "Es geht fast ein bisschen schnell. Sollten wir das Niveau halten, wäre das aber ein Zeichen, dass sich die Krise ihrem Ende nähert." Am Vormittag könnte zudem noch der Index der ZEW Konjunkturerwartung dem Markt einen weiteren Impuls bringen.
Zuvor hatte schon der japanische Nikkei-Index auf die kräftigen Vorgabe der Wall Street reagiert: An der Tokioter Börse stieg er am Vormittag um über tausend Punkte und durchbrach die psychologisch wichtige Marke von 9000 Punkten. Bis zum Börsenschluss stieg der Index um 14,2 Prozent - und damit so stark wie nie zuvor. Der breit gefasste TOPIX legte bis dahin um 106,61 Punkte oder 12,68 Prozent auf 947,47 Punkte zu.
Händler honorieren Rettungspakete
Noch am Freitag hatte es in Tokio den schlimmsten Kurseinbruch seit 21 Jahren gegeben. Der Nikkei verlor bis Börsenschluss 9,62 Prozent. Das war der schlimmste Einbruch seit dem Schwarzen Montag im Oktober 1987 und der drittschlimmste seit Bestehen des Nikkei.
Die Händler honorierten auch hier die drastischen staatlichen Eingriffe zur Rettung der Banken in Europa und den USA. Auch der japanische Finanzminister Shoichi Nakagawa kündigte am Dienstag an, dass der Staat der Finanzwirtschaft im Notfall zur Seite stehen werde.
Die japanische Zentralbank griff erneut ein, um für Stabilität am Geldmarkt des Landes zu sorgen. Am 19. Handelstag in Folge pumpte die Bank of Japan (BoJ) eine Billion Yen (7,3 Milliarden Euro) in den Markt. Auf diese Weise will sie sicherstellen, dass sich die Banken gegenseitig wieder Geld leihen.
Unterdessen denken immer mehr Länder über Konjunkturprogramme als Folge der Krise nach. So will sich etwa Australien mit einem Milliardenpaket gegen die negativen Folgen der Finanzkrise für die allgemeine Wirtschaft wappnen. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Kevin Rudd kündigte an, seine Regierung werde 10,4 Milliarden australische Dollar (5,4 Milliarden Euro) dafür ausgeben. Geplant sind Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft wie höhere Renten und Sozialleistungen für Familien sowie Finanzhilfen für den Hauskauf und Ausgaben für Infrastrukturprojekte. Das Paket trage "dem Risiko eines tiefen und langfristigen globalen wirtschaftlichen Abschwungs" Rechnung, sagte Rudd.
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute lehnen ein solches Konjunkturprogramm dagegen ab. Das geht aus dem Herbstgutachten hervor, das sie der Bundesregierung heute offiziell übergeben und das dem "Handelsblatt" bereits in Auszügen vorliegt. Ein Konjunkturprogramm halten sie "auch aus praktischen Gründen nicht für erfolgversprechend", heißt es darin.
Die Institute schlagen dem Bericht zufolge stattdessen vor, Steuer- und Abgabensenkungen rasch umzusetzen und so die Konjunktur anzukurbeln. Zudem könne erwogen werden, das "ohnehin geplante Wachstum fördernde Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur zeitlich vorzuziehen". So könnte beispielsweise die Infrastruktur zur Ganztagsbetreuung von Kindern rascher als geplant ausgebaut werden.
asc/sam/dpa/AP/AFP/dpa-AFX