Börse Dax widersteht dem Sog der Wall Street
Frankfurt am Main - Der Dax schloss mit einem Plus 0,23 Prozent auf 7607,94 Punkten. Der Tag hatte schwach begonnen, am Vormittag zog der Index dann um mehr als 1,4 Prozent an und fiel am Nachmittag den Vorgaben der Wall Street folgend kurz ins Minus. Die Händler zeigten sich überwiegend ratlos. "Ich hatte für das Handelsende mit einem deutlichen Minus gerechnet," sagte einer. "Es ist Zeit für eine Konsolidierung", stimmte ein anderer zu.
Im Tagesverlauf hatte in den Markt fließende Liquidität sowie Internet-Phantasie bei einigen Werten die Kurse nach oben getrieben. Von der Währungsseite hatte es am Morgen ebenfalls positive Signale gegeben. Der Euro durchbrach im frühen europäischen Handel erstmals seit dem 27. Januar die Parität zum Dollar. Der Anstieg des Euro deute auf eine Konjunkturerholung und damit auf wachsende Unternehmensgewinne hin, hieß es. Nach einer Achterbahnfahrt mit Rekordkursen am Frankfurter Neuen Markt schloss der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax-Index um 1,51 Prozent tiefer bei 7092,77 Punkten. Der Nemax-50 ging mit einem Plus von 0,56 Prozent auf 8082,91 aus dem Handel. An anderen europäischen Börsen ging es bergab. Der Euro-Stoxx-50-Index verzeichnete ein Kursminus von 0,18 Prozent auf 5024 Punkten.
Höhenflieger des Tages waren die Titel der Versorger Veba und Viag. Veba konnte nach einer Ankündigung, noch im Verlauf des Jahres 2000 Datenkommunikation über das Stromnetz anzubieten, um mehr knapp elf Prozent auf 52,50 Euro zulegen. Fusionspartner Viag zogen um über elf Prozent an.
Im Mittelpunkt des Interesses der Anleger standen neben den Indexschwergewichten Siemens und Deutsche Telekom vor allem die Titel der Deutschen Bank. Sie gehörten zu den Gewinnern im Dax mit einem Plus von 4,29 Prozent auf 88,88 Euro. Händler führten den Anstieg auf die am Vortag bekannt gegebenen Internet-Allianzen mit AOL Europe und SAP zurück.
Die Aktien der Deutschen Lufthansa legten um sechs Prozent auf 22,59 Euro zu. Einem Zeitungsbericht zufolge spricht die Lufthansa mit der Post über eine Zusammenlegung ihrer Logistiksparten.
Die Aktien der Deutschen Telekom schlossen 2,17 Prozent tiefer. Das Unternehmen teilte am Dienstagmittag mit, 55 Prozent ihres Kabelgeschäfts in Nordrhein Westfalen an die US-Firma Callahan Associates International verkauft zu haben. Die Kaufsumme wurde jedoch nicht genannt. Händler waren sich bei dem Wert hinsichtlich der weiteren Entwicklung uneinig.
Siemens konnten sich im Sog der "Infineon-Phantasie" im Plus halten. Der Wert schloss 1,29 Prozent höher bei 165 Euro. SAP lagen mit 0,76 Prozent im Minus.
VW-Aktien notierten tiefer bei 45 Euro. Auf der Verliererseite standen zumeist zyklische Werte. Henkel (minus 5,2 Prozent), MAN (minus 3,3 Prozent), Schering (minus 1,2 Prozent), FMC (minus 2,2 Prozent) und Linde (minus 2,2 Prozent) notierten schwächer.
Die Werte im M-Dax gaben im Durchschnitt 0,27 Prozent ab. Der Index schloss auf 4215,64 Punkten.