Börse Dax wieder deutlich über 3000 Punkten
Frankfurt am Main - Die steile Abwärtsfahrt an der Börse ist am Freitag nach Ansicht von Marktbeobachtern nur Stunden vor einem dreifachen Verfallstermin zum Stillstand gekommen. "Der Dax ist stabil. Hier wird versucht, den Index über 3000 Punkten zu stabilisieren", sagte ein Händler zum Handelsgeschehen in Frankfurt. Vorbörslich freundliche Kurse amerikanischer Aktien legten eine technische Erholung zur Eröffnung an der Wall Street nahe, was den Handel nun hier zu Lande zumindest klimatisch unterstütze.
Am Mittag verfallen in ganz Europa außer Frankreich gleichzeitig die Optionen auf Aktien, Indizes und Futures. Das bringt am so genannten "Hexensabbat" erfahrungsgemäß immer Unruhe in den Handel.
Zuletzt erreichte der Dax 3080 Punkte - ein Plus gegenüber dem Vortag von 2,4 Prozent. Unbeeindruckt vom Geschehen bei den Standardaktien sank der Nemax 50 am Neuen Markt um weitere 0,4 Prozent auf 397 Punkte ab.
Dow Jones bricht ein
An der Wall Street hat sich der Ausverkauf im späten Handel beschleunigt. Ertragswarnungen, die Spannungen in Israel und im Irak sowie schwache Konjunkturdaten haben den Dow Jones gestern unter die Marke von 8000 Punkten stürzen lassen. Der Index gab um 2,8 Prozent (230 Punkte) auf 7942 Zähler nach.
Auch der Technologieindex Nasdaq Composite rutschte um 2,9 Prozent auf 1216 Zähler. Die Aktien des IT-Dienstleisters Electronic Data Systems (EDS) fielen im Tagesverlauf um bis zu 50 Prozent und waren damit der größte Verlierer mit den höchsten Umsätzen. Nach der Gewinnwarnung von EDS fiel auch das Schwergewicht IBM auf den tiefsten Stand seit Ende 1998. "Die Baisse wird erst zu Ende gehen, wenn die Firmengewinne besser sind", sagte ein Händler.
Angst vor Double Dip: Die Baisse nährt die Baisse
Abgegeben wurden auch Computer Services und andere Computer-Aktien, darunter Hewlett Packard und Sun Microsystems . Im Finanzsektor gerieten Morgan Stanley auf Grund einer Gewinnverminderung im dritten Quartal stark unter Druck.
Schwache Konjunkturdaten verdüstern die Stimmung zusätzlich. Die Angst, dass die einbrechenden Börsen auf die Konjunktur zurückschlagen und zu einem "double dip", dem Rückfall in die Rezession führen, wächst. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA in der Woche zum 14. September lediglich um 9000 auf 424.000 gefallen. Erwartet war ein Rückgang um 16.000. Außerdem ist die Zahl der Baubeginne neuer Eigenheime im August überraschend stark gesunken.
Flucht in Anleihen und Geldmarktfonds
Der derzeit hohe Ölpreis droht darüber hinaus jeden Ansatz einer Erholung abzuwürgen. Die jüngsten Gewinnwarnungen von Electronic Data Systems , J.P. Morgan Chase , Lucent Technologies , Mc Donald´s und Oracle haben die Anleger auf die Gewinnwarnungssaison eingestimmt: Weitere schlechte Nachrichten von Unternehmensseite sind zu befürchten.
Experten erwarten, dass dieser Trend anhält und fürchten eine erneut enttäuschende Berichtsaison. Die negativen Ausblicke überwiegen derzeit. Deshalb wagt derzeit kaum ein Anleger, Aktien anzufassen: Die Flucht in Geldmarktfonds und Staatsanleihen hält an.
Stützt Qualcomm Epcos und Infineon?
Lediglich Qualcomm hat mit seinem optimistischen Ausblick nach Börsenschluss positiv überrascht. Auf Basis der Auftragseingänge gehe das Unternehmen davon aus, dass die Chipverkäufe im kommenden Quartal erheblich über dem Niveau des vierten Quartals liegen werden. Die Aktie von Qualcomm legte nachbörslich rund zehn Prozent zu. Dies könnte auch die Dax-Titel Infineon und Epcos stützen.
Dax: "Beachtliche Abwärtsdynamik"
"Beachtliche Abwärtsdynamik"
Am heutigen "Hexensabbat", dem Tag des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex, rechnen Händler mit enormen Schwankungen im Index. Marktbreite Kurskapriolen sind die Regel, wenn am Hexensabbat Futures, Optionen und Terminkontrakte auslaufen.
Auch von charttechnischer Seite ist für den Dax keine Hilfe zu erwarten. Nach Ansicht von Uwe Wagner von der Deutschen Bank sieht das Chartbild sehr kritisch aus. "Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr und die Abwärtsdynamik ist beachtlich", sagte Wagner. "28 der 30 Dax-Werte sind in einem intakten Abwärtstrend." Es gilt als ausgemacht, dass heute auch die Marke von 3000 Punkten unterschritten wird.
Allianz führt
Die Anteilsscheine der Allianz hatten gestern von der Ankündigung des Allfinanzkonzerns profitiert, keine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen. Eine sehr feste Allianz-Aktie die um 5,7 Prozent auf 96,50 Euro zulegte, setzte sich an die Spitze der Erholung.
Auch die Aktie des Versorgers Eon konnte am Donnerstag gegen den Trend minimal zulegen. Die Ministererlaubnis für die Ruhrgas-Übernahme ist erneuert worden: Die Auflagen sind verglichen mit der ersten Erlaubnis jedoch verschärft worden.
Schwer unter Druck dürften nach der Gewinnwarnung von Morgan Stanley auch die deutschen Finanztitel HypoVereinsbank , Commerzbank und Deutsche Bank stehen. Die Aktie von MLP wurde durch die neuerlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim gegen den Vorstand wegen möglicher Bilanzfälschung belastet und könnte den Abschwung am heutigen Tag fortsetzen.
Die Aktienbörse in Tokio hat nach den schwachen Vorgaben der Wall Street am Freitag weitere 2,0 Prozent abgegeben. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte schloss beim Stand von 9481 Zählern.
Die Flucht aus US-Aktien hat dagegen dem Euro Auftrieb gegeben. Der Kurs der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar stieg am Morgen auf 0,985 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9814 (Mittwoch: 0,9725) Dollar fest. Die Feinunze Gold verteuerte sich um 2,10 Dollar auf 323,90 Dollar.