Börse: Deutsche Bank und Volkswagen im Aufwind - DER SPIEGEL
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Börse Deutsche Bank und Volkswagen im Aufwind

Die deutschen Aktienmärkte haben den Handel am Mittwoch mit Verlusten beendet. Während der Dax nur leicht ins Minus rutschte, verloren die Wachstumswerte am Neuen Markt deutlich.
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Frankfurt am Main - Der Dax schloss mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 7232,78 Punkten, der Nemax-50 ging mit einem Minus von 1,4 Prozent und 5601,59 Punkten aus dem Handel.

"Der Frankfurter Aktienmarkt hängt am Tropf der Wall Street", sagte Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse. "Bei Anlegern hat die Angst eingesetzt. Die Leute haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis, nachdem eine Branche nach der anderen als überteuert disqualifiziert wurde." Bis Ende September werde sich der DAX aber auf 7 600 Punkte erholt haben, sagte Hochwald. "Dann müssen sich Großanleger wieder in den Markt einkaufen."

Deutsche Bank vorn

Der stärkste Wert war die Deutsche-Bank-Aktie mit plus 3,36 Prozent bei 101,50 Euro. Die anhaltenden Spekulationen über Zukäufe bei Universalbanken und Investmenthäusern trieben den Titel nach oben. Zudem stehe die Aktie derzeit in der Gunst der Anleger, sagte ein Stuttgarter Händler.

Volkswagen gibt Gas

In der Spitzengruppe des Dax lagen Volkswagen-Papiere mit einem Plus von 3,17 Prozent auf 51,80 Euro. Ein mexikanisches Schiedsgericht hatte den am Freitag begonnenen Streik im Volkswagenwerk in Puebla wegen verschiedener Formfehler für illegal erklärt. Am Donnerstag müssen die Arbeiter wieder in das Werk zurück kehren, das täglich rund 1.500 Autos produziert.

Automobiltitel standen insgesamt gut da. In Ermangelung anderer Hoffnungsträger am Markt würden Investoren auf Aktien deutscher Qualitätsprodukte zurück greifen, hieß es. Allerdings hätten Auto-Aktien in den vergangenen Wochen bereits um 20 Prozent zugelegt. "Die nächsten 20 Prozent werden sich erst in den kommenden 12 Monaten einstellen", sagte Hochwald.

Lufthansa im Sinkflug

Das Schlusslicht bildete die Lufthansa-Aktie mit minus 3,85 Prozent auf 25 Euro. Nach einem positiven Halbjahresergebnis brachen der Kurs ein. Händler begründeten den Rückgang damit, dass der Kurs in Erwartung guter Zahlen ansteige und dann bei der Bekanntgabe die Gewinnmitnahmen einsetzten.

Ebenfalls zu den Verlierern zählte der Berliner Pharmakonzern Schering. Der Titel verbilligte sich um 2,93 Prozent auf 61,35 Euro. Bei dem Papier werde es aber bald wieder zu einem Kursaufschlag kommen, sagte der Stuttgarter Broker. Schließlich habe die Aktie in den vergangenen Tagen um 10 Prozent ihres Wertes verloren, obwohl der Konzern glänzende Aussichten habe.

Händler brachten den Kurseinbruch der Halbleiter-Aktie Infineon um 2,31 Prozent auf 73,70 Euro in Verbindung mit der Präsentation des neuen Pentium-IV-Prozessors des amerikanischen Chip-Herstellers Intel.

Neuer Markt: Verluste vergrößert

Bis Handelsschluss haben die Wachstumswerte am Frankfurter Neuen Markt ihre Verluste vom Morgen vergrößert.

Zu den umsatzstärksten Titeln im Nachmittagshandel gehörten die Papiere des Biotechnologieunternehmens GPC, die sich bis 15.45 Uhr um 11,53 Prozent auf 59,50 Euro hochschraubten. Petra Meyer, Analystin bei Sal. Oppenheim hat mit dem derzeitigen Kursniveau "kein Problem". Der Titel war Ende Mai zu 24 Euro gestartet und zwischenzeitlich bis auf rund 74 Euro nach oben geschossen.

Die seit 11. August am Neuen Markt notierten Papiere der Heidelberger Lion Bioscience büßten zuletzt 7,8 Prozent auf 87,60 Euro ein. Nach dem Höhenflug der vergangenen Tage hätten Gewinnmitnahmen eingesetzt, war an einem Düsseldorfer Händlertisch zu hören.

Kräftige Kursgewinne gab es für die Aktie der Abit, die 35,2 Prozent auf 30,49 Euro zulegte. Jürgen Baltes, seit 15. August Finanzvorstand des Anbieters von Inkasso-Software ist zum neuen Vorstandssprecher ernannt worden. "Investoren erhoffen sich, dass nach den Turbulenzen nun Ruhe in den Wert kommt", sagte ein Händler. Im Juni war der Kurs stark eingebrochen, nachdem Abit Startschwierigkeiten mit der Internetlösung e.Inkasso eingeräumt hatte. Gerüchte über Aktienverkäufe durch Altaktionären innerhalb der Lock-up-Periode hatten den Kurs zudem belastet.

Die MobilCom-Titel büßten trotz der Ankündigung des MobilCom-Chefs Gerhard Schmid, den Kunden vergleichsweise niedrige Gebühren anzubieten 1,7 auf 110 Euro ein. Der Zeitschrift "Stern" sagte er in einem vorab verbreiteten Interview, "wir waren der Festnetz-Aldi, wir werden der UMTS-Aldi sein".

Wall Street gut behauptet

Zu Handelsschluss in Europa präsentierte sich der Der Dow Jones nahezu unverändert. Er hatte sich von den morgendlichen Verluste fast wieder erholt und notierte mit rund 0,1 Prozent im Minus, während sich der Nasdaq-Index bereits ins Plus vorarbeitete. Er notierte mit gut einem halben Prozent im Plus. Die Technologiewerte hätten nach den Abschlägen der vergangenen Tage angezogen, weil die Papiere auf Kurse gefallen seien, bei denen Investoren wieder guten Gewissens kaufen könnten, sagte ein Händler. So stiegen Hewlett-Packard, Cisco Systems und Texas Instruments um rund eineinhalb Prozent. Papiere aus dem Segment Einzelhandel waren nach den Verkäufen der Vortage wieder gefragt. Best Buy verteuerten sich um knapp zweieinhalb Prozent, nachdem sie schon einmal in dieser Woche angestiegen waren. Tiffany legten sogar gut drei Prozent zu.

Europäische Börsen: Kräftige Gewinne in Zürich

Die Europäischen Aktienmärkte zeigten sich am Mittwoch überwiegend leichter. Lediglich der SMI in Zürich konnte 0,7 Prozent zulegen. Für das Kursplus war vor allem der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt, Nestle, veantwortlich. Nach Vorlage der Halbjahreszahlen, die einen Gewinn von 3,4 Milliarden Mark aufzeigten, stieg der Wert um rund fünf Prozent an. Auch der Mibtel in Mailand erhöhte sich um 0,4 Prozent. Dahingegen gaben die Märkte in Wien und Amsterdam um jeweils 0,1 Prozent leicht nach. Der CAC 40 in Paris verlor 0,2 Prozent. Der FT SE 100 verlor rund 0,3 Prozent an Wert. Der Ibex in Madrid büßte sogar 1,3 Prozent ein.

Goldpreis rutscht ab

Die Feinunze Gold zeigte sich zuletzt bei 272,35 US-Dollar und damit erneut schwächer. Nun droht ein bislang nicht erwartete Ausverkauf im Gold, der die Feinunze bis in den Bereich von 265 US-Dollar abrutschen lassen kann. Silber wurde zuletzt bei 4,82 US-Dollar gehandelt.

Euro weiter unter 90 US-Cent

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Analysten die Leitzinsen trotz Anzeichen für ein langsameres Wachstum wohl schon in der nächsten Woche erhöhen. Darauf deuteten auch die jüngsten Aussagen führender Notenbanker zur Inflationsentwicklung hin, sagten die Experten. Das Bundesfinanzministerium sieht angesichts des hohen Ölpreises und des schwachen Euro ebenfalls Inflationsgefahren. Der Euro konnte sich am Mittwoch nicht erholen und notierte deutlich unter 90 US-Cents. Zu Handelschluss in Europa lag die europäische Gemeinschaftswährung bei 0,8983 Dollar.