Börse Die Angst ist im Markt
Frankfurt am Main Nach den ersten Bombenangriffen der USA auf Bagdad haben die deutschen Aktienmärkte zunächst kräftig verloren, drehten nach einer Stunde Handel aber wieder in den grünen Bereich. Starke Kursschwankungen bestimmen das Geschehen: Der Deutsche Aktienindex Dax kletterte bis 10.30 Uhr um 0,7 Prozent auf 2632 Punkte.
Die Äußerungen von US-Präsident George W. Bush, dass der Krieg "länger und schwieriger sein könnte, als einige voraussagen", sorgte für Nervosität unter Anlegern. Die kämpferische Rede Saddam Husseins habe auch die Gefahr von Terroranschlägen wieder heraufbeschworen, kommentierte ein Börsianer.
Starke Schwankungen beim Ölpreis
"Der Handel ist extrem nervös. Wir rechnen für den gesamten Handelstag mit deutlichen Kursausschlägen, sagte ein Händler in Frankfurt. Viele Anleger hatten auf Kursgewinne gesetzt: Der Ölpreis war nach den ersten Angriffen der USA im fernöstlichen Handel gefallen, doch in Reaktion auf die Rede des US-Präsidenten zogen die Preise wieder an.
In der Nacht war der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Liefertermin Mai um 3,73 Prozent auf 25,85 US-Dollar gefallen. Der Mai-Kontrakt für US-Öl verbilligte sich im asiatischen Handel um mehr als einen Dollar auf 28,33 Dollar. Da anschließend die Ölpreise wieder anzogen, stieg auch die Nervosität am Aktienmarkt.
"Fell des Bären zu früh verteilt"
"Mit ihrem deutlichen Kursanstieg der vergangenen fünf Handelstage haben die Börsen einen schnellen Sieg der USA eingepreist", sagte ein Händler. "Doch hier wird das Fell des Bären verteilt, bevor er erlegt ist". Der Dow Jones, der am Mittwoch bis Handelsschluss auf 8265 Punkte geklettert war, hat innerhalb einer Woche mehr als 800 Zähler zugelegt. Der Dax hat seit Donnerstag Kursgewinne von rund 20 Prozent verbucht. "Die mahnenden Worte des US-Präsidenten dürften den Optimismus bremsen, sagte ein Börsianer.
Der Verlust von knapp 1,2 Milliarden nach einem Plus von 1,6 Milliarden Euro im Vorjahr resultierte vor allem aus Abschreibungen auf Wertpapiere in Höhe von 5,5 Milliarden Euro, Belastungen aus der Flutkatastrophe vergangenen Sommer und einem Milliardenverlust aus dem Bankgeschäft, das im Wesentlichen aus der Dresdner Bank besteht.
Auch die übrigen deutschen Finanztitel notierten schwächer: Münchener Rück , HypoVereinsbank und Deutsche Bank notierten im frühen Handel jeweils drei Prozent im Minus.
Dividende lockt: Lufthansa legt zu
Aktien der Lufthansa legten dagegen knapp vier Prozent zu und gehörten gemeinsam mit Henkel , Infineon und MLP zu den Gewinnern im Dax. Lufthansa hat einige Streckenstreichungen in den mittleren Osten angekündigt und wird im Tagesverlauf Bilanzzahlen vorlegen. Händler begründeten den Kursanstieg damit, dass das Unternehmen für 2002 eine Dividende zahlen wolle.
Auch der Autobauer DaimlerChrysler notierte fester. Nach Angaben des Konzerns habe der US-Milliardär Kirk Kerkorian Dokumente vernichten lassen, die seiner Klage gegen DaimlerChrysler womöglich im Wege gestanden hätten. DaimlerChrysler habe daher bei Gericht beantragt, drei der insgesamt acht Klagepunkte abzuweisen. Kerkorian fordert von DaimlerChrysler Schadenersatz in Milliardenhöhe, da die Fusion von DaimlerBenz und Chrysler eine Übernahme gewesen sei.
Die Börse in Tokio hat am Donnerstag mit deutlichen Gewinnen geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 Standardwerte kletterte um 1,7 Prozent auf 8195,05 Punkte.