Börse: Einsamer Star SAP - DER SPIEGEL
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Börse Einsamer Star SAP

Während sich der Dax nur wenig bewegte, gab es am Neuen Markt wieder erste Lichtblicke. Auch an der Wall Street sind offenbar die Schnäppchenjäger unterwegs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Dax kam mit 12,4 Punkten nur 0,2 Prozent voran auf 6404,52 Punkte. Am Neuen Markt ging der Nemax 50 dagegen 3,6 Prozent oder 76,6 Punkte auf 2185,79 Zähler nach oben.

Die Zahlen von Nokia belasteten die Technologiebranche europaweit, sagte ein Händler. Nokia hatte zuvor zwar einen Absatzzuwachs von 64 Prozent bekannt gegeben. Händler sagten aber, das Mobilfunkunternehmen habe wider Erwarten Marktanteile unter anderem an Siemens abgegeben. Die auch in Deutschland gehandelten Nokia-Papiere verzeichneten im Xetra-Handel den höchsten Umsatz, gefolgt von den Papieren der Deutschen Telekom. Nachdem die Nokia-Papiere bereits auf 36,6 Euro abgefallen waren, schlossen sie 8,3 Prozent schwächer bei 40,50 Euro. Auch die T-Aktie verlor, allerdings nur 1,6 Prozent auf 33,3 Euro.

Mit Kurszuwächsen reagierten Siemens auf die Nokia-Schwäche. Das Papier verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 142 Euro. Ins Plus drehten zudem die Titel des Tochterunternehmens Infineon mit 2,9 Prozent auf 40,10 Euro. Dagegen litten Epcos Händlern zufolge unter den Nokia-Zahlen mit Kurseinbußen von 2,2 Prozent auf 91 Euro.

SAP schießen erneut nach oben

Mit kräftigen Zuwächsen präsentierten sich die SAP-Aktien, die bis Börsenschluss auf 159 Euro um 11,2 Prozent. Am Montag hatte der größte europäische Softwarekonzern seine vorläufigen Kennzahlen für das vierte Quartal bekannt gegeben, die entgegen allen Erwartungen positiv ausgefallen waren. In Reaktion seien einen Tag nach Veröffentlichung der Zahlen insbesondere institutionelle Anleger eingestiegen, sagte ein Händler.

Unter den Konsumtiteln lagen Adidas-Salomon vorn in der Gunst der Anleger. Die Aktie verteuerte sich um 4,6 Prozent auf 75,43 Euro. Marktteilnehmern zufolge profitierte der Sportartikelhersteller von den jüngsten Zinssenkungen in den USA. Metro schlossen nach der Vorlage ihrer Umsatzzahlen 0,8 Prozent im Plus bei 50,20 Euro.

Die VW-Papiere litten Händlern zufolge unter einem Medienbericht, wonach der Konzern keine Chance sehe, die im Jahr 2000 erzielten Umsatzzahlen zu übertreffen. Die Aktien gingen um 1,2 Prozent auf 56,65 Euro zurück.

Zu den Favoriten am Neuen Markt zählten BroadVision, die auch an der Nasdaq notiert sind. Dort gab es am Montag deutliche Gewinne, die nun ihren Nachlauf in Deutschland haben, sagten Händler. Die Aktie verteuerte sich um 24,93 Prozent auf 13,18 Euro.

Dagegen brach der Kurs von Singulus nach einem Vorab-Bericht am Nachmittag um 37,86 Prozent auf 17,40 Euro deutlich ein - ein neues 52-Wochen-Tief, das bislang bei 27,39 Euro stand. Singulus-Chef Roland Lacher hatte in einem Interview mit der "Europäischen Zeitung" gesagt, dass der Hersteller für DVD- und CD-Produktionsanlagen im laufenden Jahr mit einem geringeren Geschäftsvolumen als im Jahr 2000 rechnet. "Rette sich wer kann, war das Motto nachdem die Nachricht über einen möglichen Umsatzrückgang publik wurde", sagte ein Händler einer deutschen Großbank. Singulus kündigte nach Börsenschluss eine Ad-hoc-Mitteilung an.

Nokia belastet Telekom-Firmen weltweit

Der Kurssturz von Nokia hat die Telekommunikationswerte an mehreren Börsen belastet. Nach "enttäuschenden" Zahlen verlor das Papier in Helsinki 8,7 Prozent. In London gaben Vodafone daraufhin 7,7 Prozent ab, in Paris notierten France Télécom 4,9 Prozent schwächer. Nur die holländische KPN konnte sich in Amsterdam um 3,9 Prozent verbessern. Die Wellen von Nokia gingen bis in die USA: Konkurrent Motorola gaben an der Wall Street im frühen Handel mehr als fünf Prozent nach.

Wall Street: Schnäppchejäger an der Nasdaq

Während der Dow Jones zum Handelsschluss in Europa knapp ein Prozent im Minus notierte, legte die Nasdaq gut ein Prozent zu. Nach Händlerangaben hätten Schnäppchenjäger die Kurse von Cisco, Microsoft und Oracle empor getrieben, doch die Schwäche im Internetsektor hätte den Anstieg des Nasdaq gebremst, hieß es.

Schwächer notierten Amazon auf Grund von skeptischen Analystenbeurteilungen über die Gewinnaussichten des größten Online- Einzelhändlers. Auch Yahoo gaben nach. Der Gewinn des Internetportals leidet unter hohen Werbekosten. Wertpapierhäuser stuften beide Unternehmen herab. Auf der Gewinnerseite stiegen AT&T nach einer Kaufempfehlung durch die Bank Morgan Stanley Dean Witter. Die Aktie sei 75 Prozent mehr wert als ihr derzeitiger Kurs, sagte ein Analyst der Bank. Handy-Aktien fielen, darunter der Marktführer Nokia. Nokia setzten Motorola und andere Mobiltelefonhersteller unter Druck.

Euro wieder deutlich unter 95 US-Cent

Der Euro wechselte zuletzt für 0,9436 US-Dollar den Besitzer. Die US-Währung war damit 2,0727 DM wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittag den Referenzkurs auf 0,9401 (Montag: 0,9497) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,0804 (2,0594) DM.