Börse Freier Fall zum Wochenschluss
Frankfurt am Main - Der Dax verharrte auch nach Eröffnung der US-Börsen tief in der Verlustzone und gab bis 17 Uhr um rund 3,8 Prozent auf 3946 Punkte ab. Die im MDax zusammengefassten Nebenwerte verloren um durchschnittlich 1,9 Prozent und drückten den Index auf 3575 Punkte. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 545 Zählern, ein Minus von 4,5 Prozent.
Händler machten die schlechten Vorgaben aus den USA für die Talfahrt verantwortlich. Zusätzlich belasteten die schwachen Geschäftszahlen des schwedischen Handyherstellers Ericsson und die katastrophalen Zahlen von Epcos die Stimmung am Markt, hieß es.
Bilanzzweifel lasten auf der Wall Street
In den USA rutschte der Dow Jones innerhalb der ersten eineinhalb Handelsstunden um zwei Prozent oder 184 Punkte auf 8248 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1343 Zählern, ein Minus von rund einem Prozent. Die Gründe für die Zurückhaltung bei Aktienkäufen haben sich Händlern zufolge nicht geändert: Die Technologieunternehmen sehen die Talsohle zumeist immer noch nicht überschritten, selbst wenn die Ergebnisse des abgelaufenen Quartals die teils deutlich zurückgenommenen Erwartungen erfüllen.
Hinzu kommen weitere Zweifel an den veröffentlichten Bilanzen und Klagen der von den Kursverlusten betroffenen Investoren: US-Anleger wollen den Medienriesen AOL Time Warner wegen Täuschung verklagen. Der Konzern habe irreführende Angaben über sein Betriebsergebnis und über die Fusion zwischen AOL und Time Warner gemacht, hieß es. Unabhängig davon trat der für das operative Geschäft verantwortliche Chief Operating Officer (COO) Bob Pittman zurück.
Aktienexperte Hendrik Garz von der WestLB Panamure sagte, die Investoren seien außerordentlich nervös, was Fragen von Bilanzmanipulationen anbelange. Zudem herrsche nach wie vor Unsicherheit darüber, wie es mit der Konjunktur weitergeht. Derzeit würden die Märkte vor allem auf einzelne Negativmeldungen reagieren, auch wenn sich an den fundamentalen Daten nichts geändert habe. Sollte die negative Entwicklung an den Aktienmärkten anhalten, könne sich dies auf die Investitions- und Konsumbereitschaft auswirken mit entsprechend negativen Folgen für Konjunktur, warnte der Experte.
Epcos verliert drastisch
Im Blickpunkt standen einmal mehr die Technologiewerte: Die Gewinnwarnung des Spezialisten für elektronische Bauelemente Epcos drückte kräftig auf die Aktie. Sie verlor zuletzt 15,7 Prozent auf 22,30 Euro. Infineon-Aktien verloren 3,1 Prozent auf 16,95 Euro. Der Münchner Halbleiterproduzent hat seine Verluste im abgelaufenen Quartal zwar verringert. Allerdings sahen Händler wenig Inspirierendes beim verhalten-optimistischen Ausblick für das weitere Geschäftsjahr. Die Anteilsscheine von SAP verloren 1,2 Prozent auf 75,46 Euro, Siemens-Aktien gaben 4,7 Prozent auf 55,85 Euro ab.
Die Autowerte verloren ebenfalls. DaimlerChrysler-Papiere büßten trotz positiver Analystenkommentare um drei Prozent auf 45,87 Euro ein. Volkswagen-Aktien , die von der Investmentbank UBS Warburg als Kaufgelegenheit für langfristig orientierte Anleger empfohlen wurde, verloren im Vergleich zum Gesamtmarkt deutlich moderater: minus 0,6 Prozent auf 43,75 Euro. Die von BMW gaben 1,5 Prozent auf 39,48 Euro nach.
T-Aktie notierte über zwölf Euro
Die T-Aktie büßte vier Prozent auf 12,10 Euro ein. Der Deutschen Telekom AG und anderen führenden Telekom-Unternehmen drohen einem Pressebericht zufolge nach der Sommerpause EU-Verfahren wegen überhöhter Preise bei der Abrechnung von Auslandsgesprächen im Mobilfunknetz (Roaming).
Die Aktie der Lufthansa konnte sich zu Börsenbeginn leicht im Plus halten, verlor dann aber auch und büßte zuletzt 2,3 Prozent auf 11,94 Euro ein. An diesem Freitag finden Beratungen über den Einstieg der Lufthansa-Beteiligung Eurowings ins Billigfluggeschäft statt. Die Lufthansa hält 24,9 Prozent an der Regionalfluggesellschaft.
Nur zwei Titel knapp im Plus
Mit einem leichten Kursaufschlag haben sich lediglich zwei Werte gegen den Abwärtstrend stemmen können. Ohne Unternehmensnachrichten zogen die Papiere von Adidas Salomon und MAN minimal an.
D.Logistics führt wieder den Nemax an - Euro etwas fester
Wenig Bewegung am MDax
Im MDax hielten sich die Kursschwankungen in Grenzen. Größter Gewinner unter den Nebenwerten war das Papier von Rheinmetall , das um 4,6 Prozent auf 12,13 Euro zulegen konnte. Stark unter Druck geriet Agiv . Das Papier rutschte um zwölf Prozent auf 2,05 Euro ab und hielt damit die rote Laterne.
Logistik-Titel am Neuen Markt gefragt
Am Neuen Markt stand am Tag der Hauptversammlung die Aktie von Lion Bioscience im Mittelpunkt des Interesses. Das Papier des Anbieters von Software für medizinische Wirkstoffforschung gab zuletzt um mehr als zwölf Prozent auf 3,34 Euro nach.
Zu den wenigen Werten, die im Plus standen, gehörte die Papiere von D.Logistics und Thiel Logistik , die um 6,8 Prozent auf 2,35 Euro bzw. 0,6 Prozent auf 5,05 Euro stiegen. Die Papiere von D.Logistics gewannen am Vortag bereits ohne Unternehmensnachrichten rund 100 Prozent hinzu.
Schlechte Nachrichten von Winter
Schlechte Nachrichten gab es dagegen vom Chipkartenhersteller Winter . Das Unternehmen hat seine Ergebnisprognose für dieses Jahr wegen der anhaltenden Flaute auf dem Telekommunikationsmarkt gesenkt. Die Aktie verlor um 7,7 Prozent auf 3,35 Euro.
Wie Winter nach Börsenschluss in Frankfurt mitteilte, rechnet das Unternehmen für 2002 nur noch mit einem ausgeglichenen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), nachdem Vorstandssprecher Osterrieder im Mai noch einen operativen Gewinn von 2,8 (2001: 0,8) Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte. An der Umsatzprognose von 48,6 (44,2) Millionen Euro hielt Winter fest. Im ersten Halbjahr rutschte Winter den Angaben zufolge mit einem Ebit von minus 1,2 Millionen Euro in die Verlustzone, nach einem Gewinn von 1,45 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel leicht auf 20,5 (20,8) Millionen Euro.
Nikkei verliert deutlich
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag an Boden verloren. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 295,90 Punkte oder 2,8 Prozent nach und ging beim Stand von 10.202 Punkten ins Wochenende. Der breit angelegte Topix schloss um 20,41 Punkte oder zwei Prozent niedriger bei 989 Zählern. Händler machten den Kursrückgang in den USA für die Kursschwäche verantwortlich. "Ausländische Investoren schichten gerade aus den teueren Technologieaktien um, aber keiner sieht einen Grund für einen Kauf von japanischen Aktien", sagte ein Wertpapierhändler.
Nach einem Verlust von 270 Yen auf 5.530 Yen hatte die Aktie von Sony die Gewinne des Vortages wieder aufgezehrt. Zu den Verlierern gehörten ebenfalls Matsushita Electric Industrial und Mitsubishi Electric .
Auch die Aktien der Chiphersteller standen unter Druck: NEC verloren 29 auf 796 Yen. Fujitsu gaben mit einem Verlust von 19 Yen auf 808 Yen die Vortagesgewinne ebenfalls wieder ab. Stabiler tendierten hingegen die Aktien der Autoproduzenten wegen des stabilen Yen. Honda stiegen um 20 auf 4980 Yen. Toyota verloren lediglich 25 auf 2955 Yen, Nissan gaben 25 auf 810 Yen nach.
Euro notiert fester
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 1,0146 (Donnerstag: 1,0058) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9856 (0,9942) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6430 (0,6428) Pfund, 117,74 (117,70) Yen und 1,4635 (1,4642) Schweizer Franken fest.