Börse: Greenspan zieht Stimmung in den Keller - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse Greenspan zieht Stimmung in den Keller

Nach der Zinsentscheidung der Federal Reserve fielen die Börsen in New York und Fernost ins Minus, am Neuen Markt brachen die Kurse ein. Börsianer äußerten sich enttäuscht über die Haltung von Notenbankchef Alan Greenspan.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Nemax 50 am Neuen Markt fiel gleich zu Handelsbeginn um rund sieben Prozent ins Minus und markierte bei weniger als 2850 Punkten neue Allzeittiefs. Besonders hart erwischte es Broadvision mit 16 Prozent Verlust. Pixelpark und Trintech gaben rund elf Prozent nach.

Der Dow Jones hatte mit einem Minus von 0,57 Prozent auf einem Stand von 10.584 Punkten geschlossen. Der Nasdaq war um 4,31 Prozent auf 2511 Punkte gefallen.

Händler machten die Zinsentscheidung für die Verluste verantwortlich. Davor hatten alle US-Indizes positiv tendiert. Die Fed ließ die Leitzinsen unverändert, deutete aber einen möglichen Wechsel in ihrer Geldpolitik an.

Der Satz für Tagesgeld blieb bei 6,5 Prozent, der Diskontzins bei sechs Prozent. Die Mehrheit der Finanzexperten hatte nicht mit einer Zinssenkung gerechnet. Diese wird für Anfang 2001 erwartet. Einige wenige hatten diese allerdings vor Jahresfrist erwartet.

In ihrer Erklärung wiesen die Währungshüter darauf hin, die angeschlagene US-Konjunktur könne sich in naher Zukunft weiter abkühlen. Darauf deuteten rückläufige Unternehmensgewinne, das abnehmende Vertrauen der Verbraucher sowie die jüngste Schwäche an Teilen der Finanzmärkte hin.

Risiken für die Inflation bestünden zwar weiter. Der Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise sei aber nicht mehr so stark wie vor kurzem angenommen. Der Offenmarktausschuss (FOMC) betonte, er werde die wirtschaftliche Entwicklung "genauestens beobachten".

Goldman Sachs schließt im Plus

Zu den wenigen Gewinnern unter den Standardwerten gehörten die Dividendenpapiere des Finanzinstituts Goldman Sachs. Die Investmentbank erzielte im vierten Quartal einen Nettogewinn von 601 Millionen Dollar gegenüber 723 Millionen Dollar im Vergleichsquartal 1999. Die Umsätze stiegen auf 7,989 Milliarden Dollar gegenüber 6,712 Milliarden Dollar. Der Gewinn vor Steuern sank auf 910 Millionen Dollar, vor einem Jahr waren es noch 1,209 Milliarden Dollar gewesen.

Der verwässerte Gewinn je Aktie wurde mit 1,16 Dollar angegeben. Im vierten Quartal 1999 waren es noch 1,48 Dollar gewesen. Dennoch lagen die Zahlen über den Erwartungen von First Call, was die Anleger honorierten. Die Aktien verteuerten sich um vier Prozent auf 89,38 Dollar.

Solectron übertrifft Erwartungen

Solectron sprangen um 18,82 Prozent auf 31,75 Dollar. Das Unternehmen hatte am Vorabend für das erste Quartal zum 1. Dezember 2000 eine Umsatzsteigerung gegenüber der Vorjahresperiode von 2,835 auf 5,696 Milliarden Dollar gemeldet. Der Überschuss stieg im selben Zeitraum von 109,8 auf 190,6 Millionen Dollar. Der Gewinn kletterte von 18 Cent je Anteilsschein auf 29 Cent pro Aktie. First Call war lediglich von 28 Cent ausgegangen.

Auf der Verliererseite fanden sich SBC Communications mit einem Kursrutsch von 12,66 Prozent auf 46,56 Dollar. Das Unternehmen erwartet für das Jahr 2001 ein Wachstum des Gewinns je Aktie (EPS) zwischen 11 Prozent und 14 Prozent. Der Umsatz werde einschließlich der entsprechenden Mobilfunkergebnisse voraussichtlich um 8 Prozent bis 9 Prozent wachsen, teilte das Unternehmen im kalifornischen San Antonio mit.

Die Telefongesellschaft rechnet für das vierte Quartal auch weiterhin mit einem EPS vor Sonderausgaben zwischen 56 Cent und 58 Cent. Allerdings sei in den Staaten, in denen SBC bisher noch nicht aktiv war, mit einer noch größeren Verzögerung bei der Bereitstellung von Ferngesprächen zu rechnen. Als Grund dafür nannte SBC wirtschaftlichen und geschäftlichen Druck.

Chrysler-Krise trifft auch Goodyear

Goodyear Tire & Rubber gewannen hauchdünne 0,05 Prozent auf 19 Dollar. Im Handelsverlauf waren die Papiere allerdings auf ein Tagestief von 18,61 Dollar gefallen. Der Reifenhersteller produzierte im November weniger Reifen als im Oktober. Als Hauptursache gab das Unternehmen die zurückgefahrene Produktion bei DaimlerChrysler (minus 2,88 Prozent auf 41,14 Dollar) an. Außerdem habe sich das Marktumfeld für LKW-Reifen verschlechtert.

Goodyear beschloss eine Preiserhöhung für runderneuerte Reifen zum Ausgleich gestiegener Rohstoff-Kosten. Das werde sich im ersten Quartal des neuen Jahres positiv auswirken. Allerdings seien in Europa die Gewinne nach wie vor unter Druck, weil vor allem der Verkauf von Winterreifen rückläufig sei. Außerdem belaste der schwache Euro immer noch das Finanzergebnis.