Börse im Plus Dax erklimmt Mehrjahreshoch
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind auch heute zunächst ohne Handelsvorgaben aus New York und Tokio geblieben. Dort hatten die Börsen am Vortag noch geschlossen. Doch das scheint dem deutschen Leitindex gut zu bekommen.
Nachdem der Dax bereits am Vortag mit einem Plus von 0,7 Prozent aus dem Handel gegangen war, setzte er seinen Anstieg fort. Bis zum Mittag legte das wichtigste deutsche Börsenbarometer um 0,71 Prozent auf 5488,71 Zähler zu - einen höheren Stand hatte es zuletzt im August 2001 gegeben. Auch der MDax verzeichnete ein Plus von 0,93 Prozent auf 7541,46 Punkte, der TecDax von 0,95 Prozent auf 606,56 Punkte.
Händler sprachen von einer noch etwas verhaltenen, aber weiterhin positiven Stimmung am Markt. Gestiegene Liquidität zu Jahresbeginn gehe mit einer gezielten Auswahl einzelner Dax-Titel einher. "Es ist zum Jahresanfang viel Liquidität am Markt, Investoren bauen ihre Positionen aus", sagte ein Frankfurter Börsianer. Die besser als erwartet ausgefallene Entwicklung am Arbeitsmarkt beeinflusse den Aktienmarkt nach Ansicht des Händlers indes kaum. Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember unerwartet deutlich zurückgegangen.
Ölpreisanstieg vorerst ohne Auswirkungen
Ohne Auswirkungen blieb vorerst der leicht gestiegene Ölpreis. Ein Barrel leichtes US-Öl der Sorte WTI kostete am ersten Handelstag des Jahres in Asien 61,30 Dollar und damit 26 Cent mehr als zum Jahresabschluss am Freitag. Beobachter machten dafür den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine verantwortlich. "Die Situation zwischen Russland und der Ukraine ist ein eher stützender Faktor für den Ölpreis, da mögliche Lieferunterbrechungen in Europa einen entsprechenden Effekt auf andere Energierohstoffe einschließlich Öl haben", sagte Analyst Dariusz Kowalski von CFC Seymour.
Der russische Gasprom-Konzern hat aber inzwischen seinen Kunden in West- und Mitteleuropa bis zum Dienstagabend die Wiederherstellung der vollen Versorgungssicherheit zugesagt. Nachdem das vom Kreml kontrollierte Unternehmen seine Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrstag eingestellt hatte, hatten mehrere Länder über einen Rückgang der durch die Pipelines gelieferten Gasmenge geklagt.
Volkswagen nach Sixt-Deal an der Dax-Spitze
Aktien von Volkswagen gewannen zeitweise mehr als drei Prozent auf rund 46 Euro und setzten sich damit an die Spitze des Dax. Der Autovermieter Sixt will einem Pressebericht zufolge seinen Konkurrenten, die VW-Tochter Europcar, übernehmen. Sixt biete gemeinsam mit dem Finanzinvestor Apax für Europcar und konkurriere dabei mit sechs weiteren Interessenten, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf mit dem Bieterverfahren vertraute Kreise.
Papiere der Allianz verbesserten sich um rund 0,80 Prozent auf 130 Euro. Der Finanzkonzern will mit seinen Versicherungsvertretern 2006 das Geschäft der Tochtergesellschaft Dresdner Bank weiter ankurbeln. "Wir wollen dieses Jahr nochmals rund 300.000 Neukunden für die Dresdner Bank über den Allianz-Vertrieb gewinnen", sagte ein Sprecher des Kreditinstituts der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Händler sagten, ähnliche Ankündigungen habe es bereits zuvor gegeben.
Papiere der Deutsche Börse kletterten um 0,70 Prozent auf 88,50 Euro. Die Zahl der an der Terminbörse Eurex gehandelten Kontrakte ist im Dezember um sieben Prozent gestiegen. Nach Angaben der Deutschen Börse sind 86,2 Millionen Kontrakte nach 80,1 Millionen im Vorjahr abgewickelt worden.
MDax: HVB und Premiere ziehen an
Im MDax legten Aktien der HypoVereinsbank (HVB) um 0,31 Prozent auf 25,60 Euro zu. Nach dem jüngsten personellen Aderlass im obersten Management steht das Finanzinstitut laut einem Bericht vor größeren Einschnitten im Back Office, die Tausende von Arbeitsplätzen kosten. Das Geldhaus plane nach der Übernahme durch die italienische UniCredit die Neuordnung ihrer IT-Aktivitäten, berichtet die "Börsen-Zeitung". Allerdings sei diesbezüglich noch nichts beschlossen, heißt es in gut unterrichteten Unternehmenskreisen.
Aktien von Premiere gewannen nach erneuten Berichten über technische Probleme bei der Konkurrenz 1,17 Prozent auf 15,55 Euro. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge sieht sich der neue Bundesligarechteinhaber Arena bei seinen ehrgeizigen TV-Plänen erheblichen technischen Schwierigkeiten ausgesetzt. "Das könnte auch heute noch Nachlaufeffekte für Premiere-Aktien haben", sagte Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Probleme bei Technik und Anwerbung der Kunden seien jedoch vorher klar gewesen.
Papiere des Einzelhändlers Douglas kletterten nach einem positiven Analystenkommentar zeitweise um 3,1 Prozent auf 33,70 Euro. Goldman Sachs hatte die Einstufung für die Titel von "In-Line" auf "Outperform" erhöht. Gleichzeitig hoben die Analysten in einer aktuellen Studie den fairen Wert von 35,50 Euro auf 37,00 Euro an. Goldman geht davon aus, dass sich Douglas im Vergleich zum deutschen Einzelhandelssektor überdurchschnittlich entwickeln wird.