Börse Immer weniger Aktionäre
Frankfurt am Main - 9,9 Millionen Bürger oder 15,3 Prozent der Bevölkerung besaßen im ersten Quartal 2006 Anteile an Aktienfonds oder Aktien. Dies entspricht einem Rückgang von acht Prozent innerhalb von sechs Monaten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts (DAI), die heute in Frankfurt veröffentlicht wurde. "Das ist ein erheblicher Rückschlag für die Aktienakzeptanz in Deutschland", sagte DAI-Experte Franz-Josef Leven.
Als Ursachen vermutet Leven Gewinnmitnahmen zum Jahresanfang und weitere Verkäufe nach den Kursrückgängen im späten Frühjahr. Zudem habe die Angst vor einer pauschalen Abgeltungssteuer auf Kursgewinne die Anleger verunsichert. "Der Gesetzgeber hat es in der Hand, die weitere Verminderung der Attraktivität der Anlageform Aktie zu verhindern", sagte Leven. Bislang müssen Kursgewinne nur versteuert werden, wenn zwischen Kauf und Verkauf der Aktien weniger als ein Jahr vergangen ist.
Erstmals seit 1999 hat damit die Zahl der Aktionäre die Zehn- Millionen-Marke unterschritten. Damals besaßen 8,2 Millionen Bundesbürger Aktien oder waren indirekt über Aktienfonds an der Börse beteiligt. Die meisten Anleger gab es mit rund 12,8 Millionen im Jahr 2001, nicht zuletzt wegen der Internet-Euphorie und des Börsengangs der Deutschen Telekom . Die jüngsten Rückgänge verteilen sich nach Angaben des DAI gleichmäßig auf Anleger, die ausschließlich Aktien halten, auf diejenigen, die nur Fondsanteile besitzen und Investoren, die beide Anlageformen nutzen. Es habe auch kaum Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern gegeben.
Erstmals wurden in der Studie auch Anleger erfasst, die Zertifikate besitzen. Ihre Zahl lag im ersten Halbjahr bei 529.000, oder 0,8 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren. Die meisten von ihnen, knapp 60 Prozent, hatten außerdem Aktien oder Aktienfonds in ihrem Depot und nutzten Zertifikate als zusätzliche Geldanlage, etwa zur Absicherung von Risiken. Mit Zertifikaten kann ein Investor zum Beispiel an der Entwicklung eines Aktienindex wie des Dax teilhaben. Allerdings gibt es auch wesentlich kompliziertere Produkte, deren Unübersichtlichkeit von Aktionärsschützern inzwischen kritisiert wird.
tim/dpa