Börse in Frankfurt Ernüchterung nach der Obama-Party
Frankfurt am Main - Von Obama-Euphorie ist auf dem Frankfurter Börsenparkett wenig zu spüren. Im Gegenteil: Schwache Unternehmensprognosen lasteten am Mittwoch auf dem Dax. Der deutsche Leitindex notierte gegen Mittag knapp ein Prozent im Minus. Auch der britische FTSE und der französische CAC erlitten Verluste.
Noch am Dienstag waren die Kurse gestiegen, nachdem sich ein klarer Wahlsieg des US-Demokraten abgezeichnet hatte. Die Börsen in Asien hatten am Mittwoch ebenfalls kräftig zugelegt: Der japanische Nikkei-Index gewann bis Handelsschluss 4,5 Prozent auf 9521 Punkte hinzu. Der Hang Seng in Hongkong schoss 3,2 Prozent in die Höhe.
Investoren in Asien hoffen, dass der gewählte US-Präsident Obama die enormen wirtschaftspolitischen Probleme der USA in Angriff nehmen wird. Schließlich sind die Vereinigten Staaten ein wichtiger Exportmarkt für die Länder in Fernost. "Obamas Sieg ist ein Vorwand für die Marktrallye", erklärte Frank Gong von JP Morgan Securities in Hongkong die Gewinne. Der Wahlausgang sorge kurzfristig für Vertrauen.
Die Frankfurter Börsianer zeigten sich dagegen schon zum Börsenstart ernüchtert. "Jetzt muss Obama erst einmal zeigen, was er kann. Die Finanzkrise ist schließlich noch nicht vorüber", sagte ein Marktteilnehmer. "Für eine schnelle Trendumkehr wird Obama ganz gewiss nicht sorgen", sagte auch Börsenbeobachter Klaus Schrüfer von der SEB Bank. Die positiven Effekte des Machtwechsels seien in den jüngsten Kursgewinnen bereits enthalten gewesen.
Überschattet wurde der Wahlerfolg von erneut schlechten Quartalsberichten. Vor allem eine Gewinnwarnung des Nürnberger Automobilzulieferers Leoni und ein zurückhaltender Ausblick des Stahlriesen ArcelorMittal drückten die Kurse. Betroffen waren entsprechend Aktien der Stahl- und Autokonzerne. Die Aktien von Hannover Rück und Rheinmetall , die beide im MDax notiert sind, fielen nach Bekanntgabe ihrer Quartalsberichte ebenfalls zurück.
Dennoch hoffen die Börsianer mittelfristig auf den Obama-Effekt: "Bei diesen rabenschwarzen Konjunkturdaten sorgt Obamas Optimismus für etwas Zuversicht", sagte SEB-Experte Schrüfer. Hoffnung mache Händlern, dass sich die Wirtschaft während der Amtszeiten demokratischer US-Präsidenten signifikant besser entwickelt habe als unter Republikanern: "Alle wünschen sich, dass sich Geschichte wiederholt."
suc/Reuters/AP