Börse: In Tokio geht die Sonne auf - DER SPIEGEL
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Börse In Tokio geht die Sonne auf

Zwei Tage nach dem "Bloody Monday" sind die Kurse an den Weltbörsen am Mittwoch erneut eingebrochen. Der Dow Jones schloss auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. In Tokio allerdings begann am Donnerstag die Erholung.
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Frankfurt am Main - Zunächst brach der Nikkei-Index am Donnerstag im Sog der schwachen Wall Street um 1,4 Prozent ein, danach erholte er sich und kletterte sogar in die Gewinnzone. Der Tokioter Leitindex schloss mit einem Plus von 2,61 Prozent bei 12.152,83 Punkten.

Die Wall Street hatte am Mittwoch erneut stark verloren. Beide Leit-Indizes durchbrachen psychologisch wichtige Marken. Der Dow Jones schloss 3,08 Prozent schwächer bei 9973 Punkten - der tiefste Stand seit zwei Jahren. Alle im Dow Jones verzeichneten Unternehmen mussten Verluste hinnehmen. Der Nasdaq Composite notierte zum Schluss bei 1972 Punkten - ein Minus von 2,12 Prozent.

Tokio: Unterstützung vom Staat?

Hintergrund für die rasante Kehrtwende in Tokio waren Äußerungen von Finanzminister Kiichi Miyazawa und Zentralbank-Chef Masaru Hayami. Beide wollen die gebeutelte Börse stützen. Der Finanzminister hatte einen Entwurf vorgelegt, der mögliche staatliche Garantien für einen von der Regierung geplanten Privatfonds vorsieht. Der Fonds soll Aktien vom Markt kaufen, um den Druck auf die Börse zu mindern. Er ist Teil des von der Regierung kürzlich vorgelegten Konjunkturnotprogramms. Mögliche Verluste für den Privatfonds könnten durch den Staat gedeckt werden, hieß es.

Hayami deutete unterdessen nach Medienberichten am Donnerstag die Möglichkeit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zur Stützung der schwachen Wirtschaft an.

Dax auf tiefstem Stand seit 1999

Der Dax war am Mittwochmittag zum ersten Mal seit Oktober 1999 unter die Marke von 5800 Punkten gerutscht und stand zeitweise sogar bei 5663 Zählern. Zur Schlussglocke lag das Minus bei 2,83 Prozent - ein Indexstand von 5794 Punkten.

Der Nemax50 stürzte von einem historischen Tief ins nächste, bevor er sich am späten Nachmittag leicht erholte. Den absoluten Tiefstand markierte der Index gegen Mittag mit einem Minus von rund neun Prozent beim Stand von 1625 Zählern. Dann ging es wieder wild nach oben und unten, bevor er mit 1700 Punkten und einem Minus von 4,79 Prozent schloss. Der alle Werte umfassende Nemax-All-Share rutschte um 4,73 Prozent auf 1803 Zähler ab.

Nach einem freundlichen Start hatte der Markt im Vormittagshandel schnell ins Minus gedreht. "Ich habe damit gerechnet, dass die Gewinne vom Morgen ein Strohfeuer sind", sagte ein Frankfurter Händler. Von der Schnelligkeit des Rückgangs sei er aber überrascht worden.

Schuld ist die Konjunktur

Den Kursstürzen waren in den USA wieder einige prominente Gewinnwarnungen vorausgegangen: McDonalds warnte davor, dass der Gewinn je Aktie im ersten Quartal lediglich 29 bis 30 Cent betragen werde, obwohl Analysten mit 32 Cent gerechnet hatten. Bereits am Vortag hatten Delta Airlines und ST Microelectronics nachbörslich eine Gewinnwarnung herausgegeben.

Ein einziger Tag mit Plus-Zeichen in den USA signalisiere noch keine Trendwende, kommentierte Peter Canelo von Morgan Stanley Dean Witter den neuerlichen Einbruch der US-Börsen. Weltweit erlebten die Börsen einen Crash auf Raten. Händler sprachen angesichts der massiven Verkaufswelle von Panik. Als Erklärungen für den Absturz führten Experten die unterschätzte politische und wirtschaftliche Krise in Japan sowie das bisherige Ausbleiben einer Zinssenkung in den USA an.