Börse Kursmassaker weltweit
Frankfurt am Main - Mit einem Verlust von 225 Punkten oder 3,4 Prozent erlebte der Dax einen schweren Einbruch und landete bei 6372 Punkten. Auch der Nemax 50 fiel auf neue Tiefststände. Er verlor mit 160 Punkten 4,5 Prozent auf 3164 Zähler.
Kursrutsch bei der T-Aktie
Im Dax rutschten die meisten der Standardtitel ins Minus. Mit einem Verlust von 7,8 Prozent auf 43,61 Euro waren Infineon schwächster Wert. Sehr schwach notierten auch SAP. Die Aktien der Softwarefirma fielen 6,7 Prozent auf 148,54 Euro. Für den anhaltenden Kursverlust der SAP-Titel sei neben der Herabstufung durch Investmentbanken auch die Kursentwicklung der amerikanischen Konkurrenten Commerce One oder Siebel Systems verantwortlich, sagte ein Händler.
Konjunktur hatten dagegen einige defensive Werte. RWE waren mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 49,83 Euro Favorit der Anleger. Auch Metro konnten 1,4 Prozent auf 49,31 Euro zulegen.
Aktien der Deutschen Telekom gerieten nach Vorlage der endgültigen Neunmonats-Zahlen deutlich unter Abgabedruck. Zuletzt reihte sich die Aktie des ehemaligen Monopolisten mit sechs Prozent minus auf 36,11 Euro unter den DAX-Verlierern ein. Ein Branchenanalyst der DG Bank rät weiter zum "reduzieren" der T-Aktie: "Die Telekom konnte offensichtlich nur durch Beteiligungsverkäufe Gewinne erzielen», deutete ein Börsianer das Zahlenwerk aus Bonn.
Der Aktienkurs von DaimlerChrysler befand sich auf dem Weg zu historischen Tiefständen. Die Aktie war zuletzt 44,01 Euro wert und verlor damit weitere 3,9 Prozent.
Neuer Markt im Abwärtssog
Am Neuen Markt war EM.TV nach wie vor Gesprächsthema. Der Medienkonzern hat für kommenden Montag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Das Thema der Veranstaltung nannte das Unternehmen zunächst nicht. Nach Einschätzung von Branchenkennern wird möglicherweise die Übernahme des Konzerns durch die KirchGruppe verkündet. In den letzten Tagen hatten sich die Hinweise darauf verdichtet. EM.TV verloren 2,6 Prozent auf 19 Euro.
Die Aktie von T-Online konnte nicht von der Nachricht profitieren, mit Thomas Holtrop einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu haben. Die Aktie verlor weitere zwei Prozent auf 16,05 Euro.
Zu den wenigen Glanzlichtern am Neuen Markt zählten Internolix. Die Aktie stieg um 10,3 Prozent auf 13,40 Euro. Das Limburger Software-Unternehmen hatte zuvor seine Planzahlen für das Jahr 2001 angehoben. Internolix rechnet nun mit einem Umsatz von 32,6 Millionen Euro statt bisher 20,4 Millionen Euro.
Ins Minus rutschten dagegen die Aktien von Intertainment. Die Papiere verloren nach Verkaufsempfehlungen von Analysten 15,3 auf 13,21 Euro. Auch ricardo.de standen nach enttäuschenden Quartalszahlen auf der Abschussliste der Investoren mit minus 15,6 Prozent bei 10,80 Euro nach enttäuschenden Quartalszahlen. Das Internetauktionshaus hatte im ersten Quartal seines Geschäftsjahres den Verlust gegenüber dem Vorquartal von 7,4 Mio. auf 11,1 Millionen Euro ausgedehnt.
Wall Street: Herbe Verluste für Technologiewerte
Die Kursverluste an Wall Street weiten sich am Donnerstagmittag weiter aus. Der Dow Jones lag zwischenzeitlich über 210 Punkte im Minus, so dass die Uptick-Rule ausgelöst wurde. Zu Handelsschluss in Frankfurt hatte der Index knapp drei Prozent abgegeben. Der Nasdaq fiel bis dahin um fast sieben Prozent. Dies bedeutet ein neues Jahrestief für diesen Index. Es gebe einen ungebremsten Verkaufsdruck bei den Technologiewerten, sagen Händler.
Vor dem Hintergrund einer sich verlangsamenden Konjunktur hätten viele Investoren Befürchtungen hinsichtlich der Erwartungen für das vierte Quartal, hieß es. Die Gewinnwarnung des PC-Herstellers Gateway und die Umsatzwarnung des Chip-Produzenten Altera würden da ihr Übriges tun. Altera verlieren 3,44 USD auf 22,31 und ziehen Wettbewerber mit nach unten. Gateway verbilligten sich um 40 Prozent . Im Gefolge gaben Dell über zehn Prozent und Compaq um knapp 17 Prozent nach. Im Dow Jones verloren Microsoft rund zehn Prozent, Intel etwa elf Prozent und IBM rund sechs Prozent. Auch Einzelhandelswerte stehen im Minus, weil erste Berichte davon sprechen, dass die angestrebten Umsätze im vierten Quartal doch nicht erreicht würden. So verloren beispielsweise Best Buy knapp neun Prozent.
Europäische Börsen deutlich geschwächt
An der Londoner Börse gingen die Aktien am Donnerstagabend nach anfänglich herben Verlusten nur noch etwas leichter aus dem Handel. Investoren hätten den Fall der Nasdaq auf neue Tiefstände einfach ignoriert, sagten Händler. Der FTSE sank 0,37 Prozent auf 6142,2 Zähler.
Die Schweizer Börse hat am Donnerstag auf breiter Front schwächer geschlossen. Händler sagten, alles was dem Hoch- und Medizinaltechnologiebereich zugeordnet werde, sei unter Druck geraten. Anderseits seien einmal mehr die Substanzwerte, die eine gewisse Sicherheit versprächen, gesucht worden. Der SMI, der bis auf 7960,6 Zähler fiel, schloss 83,8 Punkte tiefer bei 7981,9 Punkten.
In Paris erreichte die Börse im Schlepptau der Nasdaq ein Zehn-Monats-Tief. Der CAC40 büßte 2,19 Prozent auf 5928,08 Zähler ein. Auf ein neues Jahrestief sanken France Telekom, nachdem Gerüchte kursierten, wonach die US-Fondsgesellschaft Janus einen globalen Technologiefonds schließen werde. Das Papier notierte gegen Börsenschluss 5,11 Prozent im Minus bei 96,5 Euro.
Auch die italienischen Aktienwerte folgten der Nasdaq ins Minus. Der Mib30 sank bis Börsenschluss 2,6 Prozent auf 46.483 Zähler. An der Börse in Madrid sind die Aktien bei nervösem Geschäft deutlich leichter aus dem Handel gegangen. Der Ibex büßte 2,77 Prozent auf 9214,5 Punkte ein.
Die Verluste bei den Technologiewerten hätten den niederländischen Aktienmarkt ins Minus geführt, sagten Börsianer. Der AEX notierte gegen Handelschluss um 1,9 Prozent tiefer bei 649,92 Zählern. Die österreichischen Aktienwerte sind dem europäischen Trend entsprechend deutlich leichter aus dem Handel gegangen. Der ATX schloss 3,1 Prozent im Minus bei 1065,81 Zählern.
In Brüssel trotzten die Aktienwerte dem europäischen Umfeld und schlossen etwas fester. Der Bel20 notierte gegen Handelsschluss 1,1 Prozent fester bei 2988,58 Punkten. Die Stockholmer Börse wurde Händlern zufolge von Verlusten der Schwergewichte Ericsson und Nokia unter Druck gesetzt. Der OMX rutschte um 1,43 Prozent auf 1095,43 Zähler ab.
Euro: Gestärkt von US-Schwäche
Der Euro ist am Donnerstag angesichts weiterer Signale einer Konjunkturabkühlung in den USA und erneuter Einbrüche an den US-Aktienmärkten auf ein Drei-Wochen-Hoch von 0,8720 Dollar gestiegen. Bei Handelsschluss in Frankfurt notierte er bei Kursen um 0,871 Dollar.