Börse Nasdaq reißt den Dax aus der Lethargie
Frankfurt am Main - Der Dax lag um 1,8 Prozent fester bei 7195 Zählern. Der M-Dax fiel dagegen um 0,1 Prozent auf 4567 Punkte. Der Nemax-All-Share gewann 1,7 Prozent auf 5267 Stellen, der Nemax-50 kletterte um 2,2 Prozent auf 5965 Punkte.
Nach den Wochen der Lethargie sei der Aktienmarkt aus dem Dornröschenschlaf erwacht, meinten Händler. Dabei sei der Dax letztlich doch dem Werben der Nasdaq erlegen. Obwohl sich die deutschen Standardwerte zunächst geziert hatten, in das Freudenfest der US-Technologiebörse einzustimmen und sogar mit Verlusten auf die Vorgaben reagiert hatte. Nachdem der Dax-Future jedoch den seit drei Wochen umkämpften Widerstand bei 7160 Punkte knacken konnte, hielt auch die deutschen Aktien nichts mehr zurück.
SAP legte an der Dax-Spitze um 7,3 Prozent auf 220,96 Euro zu. "Nächsten Donnerstag bringt SAP Halbjahreszahlen heraus", sagte Friederike Herkommer, Analystin bei der HypoVereinsbank. Siemens wurde zuletzt bei 180,00 Euro um 2,91 Prozent fester gehandelt. Deutsche Telekom gewann 2,45 Prozent auf 59,35 Euro.
Die Aktie des Touristik-Konzerns Preussag fiel um 3,31 Prozent auf 31,50 Euro und bildete damit das Schlusslicht im Dax. Wolfgang Kuhl, Händler bei der BfG-Bank, machte die reduzierten Gewinnerwartungen der britischen Airtours für den Kursverlust verantwortlich. Für die Preussag bestehe nun ebenfalls die Gefahr schrumpfender Gewinne für das laufende Jahr. ThyssenKrupp-Aktien fielen um 1,81 Prozent auf 16,24 Euro. Der für den Herbst geplante Börsengang der Stahl- Aktivitäten erscheine unsicher, sagte ein Händler.
Neuer Markt: Gut gelaufen
Mit sehr fester Tendenz hat sich der Neue Markt am Donnerstag gezeigt. Aber so richtige Partystimmung wollte nicht aufkommen, was Marktteilnehmer auf die Welle schlechter Neuigkeiten zurückführten. Mit Update habe nun erneut ein Unternehmen seine Prognosen nicht erfüllen können. Für das gesamte Halbjahr rechnet Update mit einem Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent, erwartet wurden 30 bis 40 Prozent. Die Aktien des Anbieters von CRM-Software schlossen mit minus 33,8 Prozent auf 8,70 Euro. Kritisch äußerten sich Händler zu den Banken, unter deren Führung ständig neue Werte emittiert werden. "Hier kommen zu viele Neuemissionen ohne interessante Story an den Markt", meinte ein Marktteilnehmer skeptisch. So beendete die Neuemission FOCUS DIGITAL ihren ersten Handelstag mit 12,10 Euro nach einem Ausgabepreis von 14,50 Euro.
Auf der Gewinnerseite standen die Aktien von Ixos, die 8,5 Prozent auf 10,85 zulegten. Arbo Media.net legten nach einer Kaufempfehlung in "Börse online" um 21 Prozent auf 37,50 Euro zu. Auch Microlog profitierten davon, dass das Papier von "Börse online" auf die Empfehlungsliste deutscher Spezialwerte gesetzt wurde. Die Titel gewannen 11,8 Prozent auf 71,00 Euro. "Bei Ricardo kämpfen derzeit Bullen und Bären", kommentierten Händler die derzeit sehr volatile Performance des Titels. Die Aktie leide zum einen unter der derzeitigen Skepsis für Internet-Werte, mit der britischen QXL als Fusionspartner im Rücken seien die Aussichten aber nicht schlecht. Die Titel des Internetauktionators rückten um 13,8 Prozent auf 45,30 Euro vor.
Wapme zählten ohne neue fundamentale Nachrichten zu den Schlusslichtern am Neuen Markt. Die Aktien des Mobilfunkportalbetreibers rutschen unter ihr Jahrestief und schlossen mit einem Minus von rund 15 Prozent auf 9,85 Euro. Händler machten einen großen Verkäufer am Markt aus, dem nicht genügend kaufwillige Adressen gegenüber gestanden hätten. Zudem habe die Mode der "Todeslisten" dazu geführt, dass Anleger Unternehmen vorzögen, die ihre Gewinnzone erreicht haben. Wapme erwarte dies aber erst im Jahr 2002. Wapme verbilligten sich um 14,5 Prozent auf 10 Euro.
Europa: Uneinheitlich
Durch die Verlusten der Pharma-, Öl- und Telekommunikationstitel hat die Aktienbörse in London am Donnerstag leichter geschlossen. Der Ftse-100 gab 0,7 Prozent bzw 42,80 Punkte auf 6475 ab. Beobachter führten die Verluste auf die einsetzende Sommerflaute zurück, der von der Nachrichtenseite keine positiven Impulse entgegen gesetzt werden konnten. Auch in Madrid ist die Aktienbörse am Donnerstag etwas leichter aus dem Handel gegangen. Der Ibex-35 gab 0,3 Prozent bzw 30,50 Zähler auf 10.848 ab, wobei Händler betonten, wie wichtig es sei, dass das Börsenbarometer die Unterstützung von 10.800 Punkten gut gehalten habe. Gedrückt wurde der Index vor allem vom Schwergewicht Telefonica, das die meiste Zeit der Sitzung im Minus notierte, nachdem eine staatliche Wettbewerbsbehörde mitgeteilt hatte, genügend Beweismittel für ein Verfahren gegen den Verwaltungsratsvorsitzenden Juan Villalonga gesammelt zu haben.
Die Pariser Börse ist dagegen etwas fester aus dem Handel gegangen. Der Cac-40 stieg 0,5 Prozent bzw 33,85 Zähler auf 6570. Die größten Kurssteigerungen verzeichneten Telekommunikations-, Medien- und Technologiewerte (TMT). Diese Titel profitierten im späten Geschäft nach Meinung von Händlern von den guten Vorgaben der Nasdaq, obwohl der Markt insgesamt recht ruhig war.
Wallstreet: Fester
Der New Yorker Aktienmarkt hat am Donnerstag fester tendiert, wobei das Tagesgeschehen erneut durch die guten Quartalsergebnisse bei Technologiewerten geprägt wurde. Über den Erwartungen liegende Gewinne bei Motorola und Ariba verhalfen der technologielastigen Nasdaq erneut zu einem Anstieg. Indes begrenzten Verluste bei Pharma- und Konsumgüterwerten die Gewinne im Dow-Jones. Er lag gegen 20.15 Uhr MESZ 0,26 Prozent im Plus bei 10.811 Zählern. Der S&P-500-Index legte 0,5 Prozent auf 1499 Punkte zu. Der Nasdaq Composite Index tendierte 2,1 Prozent fester auf 4156 Zählern. Die Titel von Motorola verbesserten sich um 3-10/16 Dollar auf 39-1/16 Dollar. Der Mobiltelefon-Hersteller hatte am Mittwoch nach Börsenschluss über den Erwartungen liegende Gewinne bekannt gegeben. Am Donnerstag hatte Motorola dann einen optimistischen Ausblick für das dritte Quartal gegeben. Der finnische Motorola-Wettbewerber Nokia legte 3-3/16 Dollar auf 55-1/16 Dollar zu. Ein weiterer Tagesgewinner aus dem Technologiesektor waren die Papiere des Softwareherstellers Ariba. Die Titel gewannen 22-13/16 Dollar auf 126-5/16 Dollar, nachdem das Unternehmen einen kleiner als erwarteten Verlust und eine Versechsfachung des Umsatzes für das zweite Quartal ausgewiesen hatte.
Euro: Gefallen
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs für die europäische Einheitswährung auf 0,9349 (Mittwoch: 0,9499) Dollar fest. Der Dollar war damit 2,0920 (2,0590) Mark wert.
Die Schlussnotierung für Gold betrug in London 280,10 Dollar pro Feinunze.