Börse: Nemax 50 stürzte ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse Nemax 50 stürzte ab

Angesichts negativer Vorgaben aus den USA fielen auch die deutschen Aktienmärkte weiter zurück. Besonders schwer erwischte es den Neuen Markt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Dax schloss mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 6959 Punkten, dern Nemax 50 stürzte um 5,9 Prozent auf 4170 Punkte. An der New Yorker Wall Street gab der Dow Jones in den ersten Handelsstunden knapp zwei Prozent nach, der Nasdaq war mit knapp drei Prozent wieder deutlich im Minus.

Wall Street: Ausverkauf bei den Technologiewerten

Analysten in den USA sagten, angesichts der Unklarheit durch die US-Wahl sollten die Anleger auf grundlegende Faktoren achten. "Wir haben unseren Investoren gesagt, sich auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren", sagte Christine Callies von der Investmentbank Merrill Lynch. An den US-Börsen gerieten am Donnerstag Technologiewerte erneut unter Druck, nachdem der Computerkonzern IBM einen vorsichtigeren Ausblick bekannt gegeben hatte. Die IBM-Aktie verlor über zwei Prozent, Hewlett-Packard gaben mehr als sieben Prozent nach und Intel notierten mit minus viereinhalb Prozent.

Besonders schwer traf es die Internetaktien. America Online verloren über sieben Prozent und Yahoo brachen um rund 13 Prozent ein. Nach Vorlage der Geschäftszahlen gerieten Medien- und Unterhaltungswerte ebenfalls stark unter Druck. Disney stürzten um rund 16 Prozent ab, News Corp. gaben rund 13 Prozent nach. Walt Disney habe zwar die durchschnittlichen Gewinnschätzungen übertroffen, leidet aber unter Sorgen über möglicherweise rückläufigen Wachstumsraten, erklärten Marktbeobachter.

Dax: Schlusslicht SAP

Die Technologiewerte gehörten am Donnerstag zu den Verlieren im Dax. Ein Händler sagte, diese Aktien seien in den vergangenen Monaten zu stark gewichtet worden. Diese Übergewichtung werde nun abgebaut, ab Ende des Jahres dürften Technologie- und Standardwerte dann wieder parallel laufen. Unter Druck gerieten die Titel von SAP mit einem Minus von 5,2 Prozent auf 223,72 Euro sowie Siemens mit Verlusten von rund drei Prozent auf 135,51 Euro. Epcos büßten 2,5 Prozent auf 93,75 Euro ein. Die Aktien der Deutschen Telekom, die sich anfänglich dem Abwärtstrend der Tech-Werte noch entzogen hatten, gingen mit einem Minus von 3,5 Prozent bei 40,18 Euro aus dem Handel.

Mit Abschlägen von 1,9 Prozent auf 43,46 Euro präsentierten sich nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen die Titel von BASF. Der Chemie- und Pharma-Konzern hatte am Morgen mitgeteilt, im dritten Quartal seinen Betriebsgewinn und den Umsatz gesteigert zu haben. "Die Zahlen waren keine Überraschung, aber auch nicht besonders erbaulich", sagte ein Händler.

Kursgewinne für Versicherer

Kursgewinne infolge einer Umschichtung von Technologiewerten in die Versicherungswerte verzeichneten Händlern zufolge Münchner Rück und Allianz. Münchner Rück stiegen um 4,8 Prozent auf 391 Euro, Allianz verteuerten sich um 1,7 Prozent auf 401,01 Euro verteuerten. Ebenfalls von der Umschichtung profitieren konnten die Pharma- und Bankentitel, sagten Börsianer. Schering legten 1,8 Prozent und Fresenius Medical Care 0,5 Prozent zu. Die Aktien der Deutschen Bank verbesserten sich um 1,4 Prozent, die der HypoVereinsbank um rund ein Prozent.

Neuer Markt: Mobilcom im freien Fall

Größter Verlierer im NEMAX 50 war MobilCom. Die Aktien büßten 18,12 Prozent auf 57,52 Euro ein. Der Telekommunikationsanbieter hatte am Morgen einen Neun-Monats-Verlust von 265,4 Millionen Mark gemeldet. Im Vorjahr wurde noch ein Gewinn von 103,1 Mio. DM erwirtschaftet. Die schlechten Zahlen wurden unter anderem mit den Folgekosten für die UMTS-Mobilfunklizenzen begründet. Ein Händler bezeichnete den Kursrutsch als "Schockreaktion".

Ebenfalls stark unter Druck standen am Donnerstag die Papiere der Kinowelt Medien. Der Kurs gab um 11,32 Prozent auf 22,01 Euro nach. Zeitweise lagen die Aktien sogar unter der Unterstützungsmarke von 22 Euro. Marktgerüchte über mögliche Liquiditätsprobleme hätten den Kurs belastet. Kinowelt will am 20. November seine Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichen.

Nur knapp am 52-Wochen Tief von 19,75 Euro schrammte am Donnerstag T-Online vorbei. Am Ende wurde es besser und die Aktie notierte mit einem Minus von 2,18 Prozent bei 21,13 Euro. Die Internet-Tochter der Deutschen Telekom hatte am Mittwoch die Anleger mit ihren Zahlen enttäuscht. Für Unruhe unter der Anlegern sorgte außerdem die Meldung von der fristlosen Entlassung von vier Managern wegen der Sponsoring-Affäre.

Die Direkt Anlage Bank (DAB) konnte ihre Gewinne zum Handelsauftakt nicht halten. Der Online-Broker hatte im dritten Quartal seinen Gewinn vor Steuern gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Millionen Euro auf 4,5 Millionen Euro erhöht und ein Umsatzwachstum von 243 Prozent auf 49,8 Millionen Euro ausgewiesen. Daraufhin stieg der Kurs bis auf 50,43 Euro an, am Ende des Handelstages wies das Papier jedoch einen Verlust von 2,87 Prozent auf 47,30 Euro aus.

Infomatec blieb auch am Donnerstag interessant für Spekulanten. Das Papier wurde zu Beginn nach oben getrieben, dann aber wieder von vielen Anlegern abgestoßen. Zum Handelsschluss ging es erneut nach oben und das Papier notierte mit einem Plus von 6,67 Prozent bei 3,52 Euro.

Europa: Indizes im Minus

An den europäischen Aktienbörsen führten die Zurückhaltung der Investoren wegen der US-Wahl und die schwachen Vorgaben der US-Börsen vielfach zu Abschlägen. Deutliche Kurseinbußen gab es an der Börse in Madrid mit 2,1Prozent. Der CAC 40 in Paris verlor 1,0 Prozent an Wert. Mit jeweils 0,9 Prozent notierten die Börsen in Zürich und Amsterdam schwächer. Der FT SE 100 in London gab um 0,5 Prozent nach.Händler sprachen von einem relativ geringen Handelsvolumen. Der europäische Euro-Stoxx-50- Index gab bis zum Abend um gut 0,7 Prozent nach. Euro nach Intervention gestärkt

Der Euro gab am Donnerstag offenbar wegen der Erwartung der Märkte, dass Bush letztlich gewinnen werde, zunächst etwas nach. Gegen Mittag lag die Gemeinschaftswährung nur rund drei US-Cent über dem Ende Oktober erreichten historischen Tief von 0,8228 Dollar. Am Morgen hatte die Währung zwischenzeitlich einen Kurs von fast 0,8560 Dollar erreicht. "Wir erwarten, dass am Ende Bush gewinnen wird", sagte Volkswirt Mike Moran von der Standard Chartered Bank in London. Das könnte weiteren Druck auf den Euro erzeugen, da durch die von Bush erwarteten Steuersenkungen der US-Aktienmarkt profitieren dürfte und es kaum zu Kapitalumschichtungen in die Euro-Zone kommen werde. Nach Angaben von Händlern verhinderte im Tagesverlauf die Furcht vor erneuten Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) weitere Euro-Verkäufe. Als die EZB dann am Nachmittag tatsächlich wieder den Euro stützte, sprang die Währung auf mehr als 0,866 Dollar nach oben und konnte diese Kurse auch im frühen New Yorker Handel behaupten.