Börse New York Wall Street begrenzt Verluste
New York - Während bis eine Stunde nach Handelseröffnung noch alles nach einer weiteren Talfahrt ausgsehen hatte, drehte der Dow Jones im Verlauf überraschend wieder ins Plus und stand gegen 16.45 Uhr mit 0,7 Prozent auf 8433 Punkte im Plus. Bei Handelsbeginn hatte der Index noch 3,3 Prozent auf 8101 Punkte nachgegeben, während der technologielastige Nasdaq-Index um 4,4 Prozent auf 1406 Punkte noch deutlicher ins Minus gerutscht war. Positive Nachrichten von General Electric hätten den Umschwung ausgelöst, sagten Händler. GE hatte angekündigt, in diesem Jahr an zweistelligen Gewinnraten festzuhalten. "Es ist ein Kampf zwischen Hoffnung und Angst", sagte ein Händler zur Stimmung am Markt.
Händler hatten vor US-Börsenbeginn gesagt, die Unsicherheit vor unmittelbar bevorstehenden kriegerischen Auseinandersetzungen hätten die Kurse bereits vorbörslich unter Druck gesetzt. "Die Unsicherheit regiert den Markt", sagte ein Händler.
Zu den ohnehin wachsenden Konjunkturrisiken und den finanziellen Terrorschäden in vielen Branchen gesellte sich nun noch die Angst vor einem Krieg. Analysten sprachen von einer "politischen Börse", an der Firmendaten derzeit keine Rolle spielten.
Im vorbörslichen Handel war der Nasdaq 100 bis 14.45 Uhr um 3,91 Prozent auf 1120,62 Punkte gesackt. Am Vortag hatte der Blue-Chip-Index mit einem Minus von 3,47 Prozent auf 1166,27 Zähler geschlossen. Die europäischen Leitbörsen rutschten unterdessen noch tiefer in die Verlustzone.
Merrill Lynch rechnet mit US-Rezession
Den Reigen der schlechten Nachrichten vervollständigten auch die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch. Sie rechneten mit einer Rezession in den USA. Die Bank erwartet eine weitere Leitzinssenkung der US-Notenbank um einen Prozentpunkt von derzeit drei Prozent. Die Ökonomen kürzten zudem die Wachstumserwartungen für 2002 für die Eurozone auf 1,25 Prozent. Mit dieser Prognose zeigte sich Merrill Lynch pessimistischer als die aktuellen durchschnittlichen Schätzungen.
Zu den Hauptverlierern im vorbörslichen Nasdaq-Handel gehörten die Aktien des Kleincomputer-Herstellers Palm Inc. Sie verloren 11,63 Prozent auf 1,90 US-Dollar. Am Vortag hatte Palm mitgeteilt, im zweiten Quartal keinen Gewinn zu erwarten. Der Markt hatte bisher mit dem Break Even gerechnet. Abgeben mussten auch die Titel des Internet-Portals Yahoo!.
Die Anteilsscheine des Netzwerkausrüster Juniper Networks Inc. sackten um 6,03 Prozent auf 10,29 US-Dollar kräftig ab. Auch die Papiere des Computerherstellers Dell Computer Corporation mussten Verluste von 4,46 Prozent auf 16,70 US-Dollar hinnehmen. Die Aktien des Hard- und Software-Herstellers Sun Microsystems stürzten um 6,97 Prozent auf 7,88 US-Dollar.
Dax bricht weiter ein
Durch den Umschwung in New York erholte sich auch der Dax im Handelsverlauf etwas. Gegen 16.50 stand er bei 3725 Punkten, ein Minus von 2,2 Prozent. Zuvor war der Index zeitweise um mehr als 250 Punkte auf 3539 Zähler in den Keller gerutscht. Das war der tiefste Stand seit vier Jahren. Einen dramatischen Einbruch erlebten auch die Anleger am Neuen Markt. Der Nemax 50 brach zeitweise um 11,9 Prozent auf 660 Zähler ein. Nach den positiven Signalen aus New York erholte er sich und stand mit 701,50 Punkten &,3 Prozent im Minus.
"Hier wird regelrecht panisch quer durch die Branchen verkauft", sagte ein Händler. Unternehmensmeldungen, der Ifo-Geschäftsklima-Index und die günstigen Kurse würden ignoriert. "Die Stimmung ist am Boden." Die Angst vor einem Militärschlag und vor allem vor neuen Terroristenangriffen überschatte alles.
Die ohnehin gebeutelten Fluggesellschaften mussten eine weitere Hiobsbotschaft verdauen: Die Versicherer haben die Haftpflichtdeckung für Krieg und Terroranschläge gekündigt. "Wie die Kündigungen der Versicherungen sich auf den Betrieb der Fluggesellschaften auswirken, kann zurzeit noch niemand wirklich abschätzen", sagte ein Luftfahrtanalyst. Ein Händler sagte, dass die Deutsche Bank die Lufthansa herabgestuft habe. Die Aktien der Fluggesellschaft verloren 5,84 Prozent auf 8,38 Euro, die des Flughafenbetreibers Fraport zweistellig.
Allianz erwartet höheren Schaden
Die Allianz hat ihre Schadenschätzung nach den verheerenden Terroranschlägen deutlich nach oben korrigiert und erwartet nun eine Belastung von einer Milliarde Euro. Bisher war man von bis zu 700 Millionen Euro ausgegangen. Der Konzern korrigierte in der Folge auch seine Gewinnprognose nochmals nach unten. Die Anteilsscheine gaben um 9,1 Prozent nach und kosteten 198,20 Euro.
Automobiltitel standen - von Volkswagen abgesehen - weit oben auf den Verkaufslisten. Die BMW-Aktie verlor zweistellig. Die Anleger trennten sich zudem von Porsche-Papieren. Der Titel wird ab Montag nicht mehr im Mdax notiert. Dazu kommen die erwarteten Belastungen durch die Terroranschläge für die Automobilbranche. Porsche fielen um 4,8 Prozent auf 216 Euro, wurden zeitweise sogar für nur 199 Euro gehandelt.
Unter den wenigen Gewinnern waren adidas-Salomon mit einem Plus von 1,45 Prozent auf 48,39 Euro. Morgan Stanley Dean Witter hatte die Aktie heraufgestuft. Auch Preussag erholten sich von ihren dramatischen Verlusten und stiegen um 2,45 Prozent auf 19,67 Euro.
Der Rentenmarkt war fester. Bund Future und Rex stiegen um 0,2 Prozent auf 108,29 und 114,07 Punkte. Die Umlaufrendite wurde unverändert bei 4,61 Prozent festgestellt. Stützend für die Anleihen wirke der immense Kursverlust an den Aktienmärkten, sagten Händler. Das schüre auch Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen. Der Kurs des Euro ist leicht gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9200 (Donnerstag: 0,9259) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1259 (2,1124) Mark.