Börse Postbank ist heißester Dax-Kandidat
Hamburg/Frankfurt am Main - So spannend und so eng war es schon lange nicht mehr. Quasi auf der Zielgeraden und in der letzter Sekunde hat die Postbank den Sprung in das Börsenoberhaus geschafft. Gut zwei Jahre nach ihrem Börsengang wird die Aktie des Geldhauses voraussichtlich am 18. September an die Stelle der Schering-Anteilsscheine treten, die nach der Übernahme durch den Leverkusener Bayer-Konzern aus dem Dax fallen.
Grundlage der Entscheidung der Deutschen Börse sind die Marktkapitalisierung und die Börsenumsätze der für einen Aufstieg in Frage kommenden Unternehmen bis einschließlich 31. August. Die potenziellen Aufsteiger müssen bei beiden Kriterien mindestens Position 35 der Dax-Rangliste erfüllen. Zuletzt galt dies für Postbank, Merck und Puma gleichermaßen. Bei mehreren Kandidaten entscheidet dann die höchste Marktkapitalisierung.
Bei der Marktkapitalisierung lag die Postbank ohnehin uneinholbar vor den Konkurrenten. Beim Börsenumsatz aber fiel das Kreditinstitut am vergangenen Freitag zwischenzeitlich auf Rang 36 zurück. Erst mit dem Handelsschluss am Montag erkämpfte sich die Postbank den so wichtigen Rang 35 zurück und konnte ihn bis jetzt verteidigen. Die Darmstädter Merck KGaA wird damit nicht in den Dax aufsteigen.
Analystin Anke Platzek von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) sagte manager-magazin.de, der Aufstieg der Postbank in den Dax sei so gut wie sicher.
Übernahmegerüchte ließen den Kurs steigen
Letztlich waren es aufkommende Übernahmegerüchte, die die Umsätze mit Postbank-Aktien kräftig ankurbelten und ihr so den Dax-Aufstieg sicherten. So hieß es zunächst, die Deutsche Bank habe Interesse an der Postbank. Dann zauberten vermeintliche Insider die Royal Bank of Scotland oder die italienische Unicredito aus dem Hut, die angeblich an einer Akquisition interessiert seien. Zwar dementierten die Banken vereinzelt, und auch Analysten winkten ab. Der Handelsumsatz der Postbank-Aktie stieg gleichwohl steil an.
Lag die Postbank am vergangenen Freitag beim Börsenumsatz noch rund 30 Millionen Euro hinter der vor ihr platzierten Aktie von Salzgitter , konnte sie sich bis Montag mit einem Abstand von 29 Millionen Euro vor sie setzen und damit den wichtigen Rang 35 zurück erobern, rechnete LRP-Analystin Platzek vor.
Woher letztlich die Übernahmegerüchte kamen und wer sie gestreut hat, ist unbekannt. "Hier hat es jemand geschafft, den Umsatz und den Aktienkurs kurz vor dem Stichtag für die Dax-Aufnahme anzutreiben", zitierte gestern eine Nachrichtenagentur einen ungenannten Fondsmanager. Analyst Manfred Jaisfeld der Essener National-Bank sagte nüchtern: "Der Grund für den Platzierungswechsel liegt in der durch aufgekommene Übernahmegerüchte überraschend stark angestiegenen Umsatzaktivität in der Postbank-Aktie bei gleichzeitig flauen Umsätzen in den Salzgitter-Titeln."
Dabei schließen Experten einen Verkauf der Postbank durch den Mutterkonzern Deutsche Post in den kommenden Jahren nicht aus. Je schneller die Bank die übernommene Bausparkasse BHW erfolgreich integriere, desto schneller stünde die Filialbank zum Verkauf, heißt es. "Insgesamt braucht die Post keine Bank", wird zum Beispiel Sal. Oppenheim zitiert. Daher werde es irgendwann zwei eigenständige Konzerne geben - Post und Postbank. Dass die Verkaufs- und Übernahmegerüchte nun gerade Anfang dieser Woche kursierten - ein Schelm, der Böses dabei denkt.