Börse Postbank kann auf Dax-Weihen hoffen
Frankfurt am Main - Der Arbeitskreis Aktienindizes der Frankfurter Wertpapierbörse entscheidet am 5. September über die Zusammensetzung der deutschen Indizes. Wichtiges Kriterium für die Aufnahme in den Dax ist die sich aus Kurs und der Anzahl der Aktien im Streubesitz (Free Float) ergebende Marktkapitalisierung. Hier muss ein Dax-Kandidat ebenso wie beim Börsenumsatz zu den 35 Besten zählen.
Der Streubesitz des Berliner Traditionsunternehmens Schering ist nach der Übernahme durch Bayer mit neun Prozent zu niedrig geworden für eine Mitgliedschaft im 30 Werte umfassenden Dax. Dem lange neben der Bonner Postbank als Favoriten gehandelten Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck räumen Experten laut Nachrichtenagentur Reuters nur noch Außenseiterchancen auf den Einzug in die erste Börsenliga ein. Der Streubesitz der Postbank hatte sich zuletzt auf knapp 50 Prozent erhöht. Hintergrund war ein weiterer Rückzug der Deutschen Post aus seiner Banktochter.
Im Dezember hatte sich die Zusammensetzung des Dax mit dem Aufstieg der Hypo Real Estate zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren verändert. Den Platz räumen musste damals die von der Unicredit übernommene HVB. Für Firmen ist eine Mitgliedschaft in einem Index wichtig, weil sie damit stärker ins Blickfeld der Fondsmanager rücken. Zudem orientieren sich internationale Vermögensverwalter bei der Zusammensetzung ihrer Portfolios an den Indizes.
Ab Oktober werden einer Neuregelung der Deutschen Börse zufolge erstmals Aktien ausländischer Unternehmen im Leitindex zugelassen, und der erste Anwärter ist schon in Sicht: "Sollte Altana durch den Verkauf der Arzneimittelsparte die Mindestkriterien für eine Dax-Mitgliedschaft nicht mehr erfüllen, könnte Merck wieder einmal das Nachsehen haben und stattdessen die Depfa Bank aufrücken", sagt HVB-Experte Christian Stocker. Der Staatsfinanzierer mit deutschen Wurzeln hat seinen Hauptsitz aus steuerlichen Gründen im irischen Dublin.
Kurzes Gastspiel für Vivacon?
Ihr Gastspiel im Nebenwerteindex MDax wird nach Einschätzung der Experten die Immobiliengesellschaft Vivacon in Kürze nach nur sechs Monaten beenden und in den SDax absteigen. Nach der Absage des Börsengangs der Wohnimmobilien-Gesellschaft Vivacon German Properties Ende Juni war der Vivacon-Aktienkurs eingebrochen. Das Mindestkriterium an die Marktkapitalisierung werde daher wohl nicht mehr erfüllt, schätzt Expertin Anke Platzek von der Landesbank Rheinland-Pfalz.
Für die Nachfolge gibt es mehrere Bewerber, unter anderem den Börsenneuling Patrizia Immobilien , den Öl- und Schmierstoffspezialisten Fuchs Petrolub und den Kölner Motorenhersteller Deutz . "Die liegen alle ziemlich knapp beieinander", urteilt Stocker. Auch im TecDax stehen wohl Veränderungen an. Als Abstiegskandidat gilt das Biotechunternehmen Medigene . Aufstiegshoffnungen können sich der Zahlungssystem-Spezialist Wire Card und der Netzwerkausrüster Adva Optical Networks machen.
Mit einem - noch nicht einmal sicheren - Platz im SDax vorlieb nehmen muss wohl die ursprünglich als MDax-Kandidat gehandelte Fluggesellschaft Air Berlin . "Von der Größe her wären sie ja für den MDax qualifiziert", sagt Platzek. "Aber der Umsatz reicht einfach nicht." Als Abstiegskandidat gilt der Internetwettanbieter Fluxx .
itz/Reuters