Börse: SAP unter Druck - DER SPIEGEL
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Börse SAP unter Druck

Ein schwacher Wall-Street-Schluss und eine Gewinnwarnung von Microsoft haben die deutschen Aktienmärkte zu Handelsbeginn belastet. Besonders die Technologiewerte gaben deutlich nach.
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Frankfurt am Main - Der Dax rutschte am Vormittag mit etwa 0,9 Prozent ins Minus, am Neuen Markt verlor der Nemax 50 sogar rund 3,8 Prozent. Die New Yorker Aktienmärkte hatten am Donnerstag nach Gewinnwarnungen der beiden Finanzkonzerne Chase Manhattan und J.P.Morgan aufgrund einer sich abschwächenden US-Konjunktur nachgegeben. Der Dow-Jones-Index hatte um 1,11 Prozent tiefer geschlossen, der technologielastige Nasdaq-Index hatte 3,34 Prozent verloren.

"Nach den durchwachsenen Vorgaben aus den USA und der Umsatz- und Gewinnwarnung von Microsoft werden wir weitere Kursverluste vor allem bei den Technologietiteln sehen", erklärte ein Händler der Frankfurter BfG-Bank. Der US-Softwarekonzern Microsoft hatte nach Börsenschluss am Donnerstag eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres ausgesprochen. Wie das Unternehmen bekannt gab, werden Umsatz und Gewinn in diesem Zeitraum um fünf bis sechs Prozent unter den bisherigen Prognosen liegen. Als Grund nannte Microsoft einen weltweit rückläufigen Absatz von Computern.

Im Dax verloren die Aktien des Walldorfer Software-Unternehmens SAP rund 4,5 Prozent. Nachdem die Siemens-Familie bereits am Vortag deutlich abgeben mussten, gehörten Epcos, Infineon und Siemens erneut zu den Kursverlierern im Dax: Siemens rutschten um etwa 2,7 Prozent ins Minus, Infineon Technologies büßten etwa 2,1 Prozent ein. Am Vortag hatte die Ankündigung der Muttergesellschaft Siemens, ihre restliche Beteiligung völlig abzubauen, die Aktie unter Abgabedruck gesetzt. Auch für den Hersteller elektronischer Bauelemente Epcos zeigte das Kursbarometer mit minus 1,4 Prozent nach unten.

Neben den Technologiewerten fuhren Bankenwerte Kursverluste ein: Deutsche Bank gaben etwa 2,9 Prozent ab, während Dresdner Bank rund 2,4 Prozent verloren. Commerzbank büßten etwa 0,3 Prozent ein. Die Aktien des Chemieunternehmens Degussa-Hüls verbilligten sich um etwa 5,9 Prozent. Degussa und SKW Trostberg hatten gemeldet, dem britischen Unternehmen Laporte ein Barangebot für alle Aktien in Höhe von 1,36 Milliarden Pfund gemacht zu haben. Das Angebot enthalte einen Aufschlag von 17 Prozent auf den Schlusskurs der Laporte-Aktie vom 14. Dezember 2000.

MAN-Titel reihten sich in die Verliererriege mit einem Minus von etwa 1,7 Prozent ein. BHF-Analyst Axel Luther rechnet auf der Hauptversammlung am Freitag nicht mit Überraschungen. Das Münchner Unternehmen gibt dann die Zahlen für die ersten fünf Monate und den Ausblick für das gesamte laufende Geschäftsjahr bekannt.

Anleger suchten wie bereits am Vortag den sicheren Anlegerhafen bei den defensiven Dax-Titeln. Die Aktien des Ludwigshafener Chemie- und Pharmariesen BASF kletterten nach dem bereits von der Börse erwarteten Verkauf der Pharmasparte an den US-amerikanischen Abbott Laboratories für 6,9 Milliarden Dollar. Auf den Verkauf reagierte die Aktie mit einem Plus von rund 1,5 Prozent.

Negativmeldungen ziehen Wachstumswerte nach unten

Auch die Wachstumswerte am Neuen Markt starteten im Sog der Negativvorgaben aus den USA schwach in den Handel. "Das sich wieder verschlechternde Wirtschaftsumfeld mit der Angst um ein 'Hard Landing' in den USA lässt keine Erholung an den Börsen zu. Dazu kommt auch, dass die Welle der Negativmeldungen aus dem Unternehmensbereich nicht abreißt", sagte ein Frankfurter Händler. Man müsse nun davon ausgehen, dass die Tiefstände am Neuen Markt nochmals getestet werden. Diese Marken müssten dann halten, ansonsten sei der Weg nach unten frei.

Die Umsätze seien im frühen Handel nicht sehr hoch. Das zeige, dass es keinen Ausverkauf gebe und die Investoren immer noch auf einen Aufschwung hoffen würden. Gleichzeitig sei dies gefährlich, weil die erforderliche Bereinigung nicht im nötigen Maße stattfinde. "Wir haben einen schleichenden Crash - das ist das Schlimme.", sagte der Händler.

Gegen den Trend konnten sich im Nemax 50 einzig Ricardo.de mit einem Plus von etwa 7,2 Prozent stemmen. Bei Senator Entertainment blieben die Verluste mit rund 0,8 Prozent gering, nachdem das Berliner Medienunternehmen trotz der Krise bei der Kinokette CinemaxX seine Planzahlen beim operativen Ergebnis für dieses Jahr bekräftigt hat. Senator war vor gut einem halben Jahr bei CinemaxX eingestiegen und muss nun die Verluste der Kino-Kette in der eigenen Bilanz verbuchen. Ein Teil werde nach Angaben des Unternehmens im Finanzergebnis ausgewiesen, zudem sollen 20 Millionen Mark für Sonderabschreibungen bereitgestellt werden.

United Internet waren im frühen Handel mit minus zwölf Prozent der größte Verlierer. Ein Frankfurter Händler konnte auf der Nachrichtenseite keine Faktoren für den Kursverfall verantwortlich machen. Die Internet-Holding gehe mit dem Gesamtmarkt nach unten. Technisch sei der Wert "ausgebombt", was allerdings nicht vor Verkäufen schütze. Internet-Werte gehörten ohnehin zu den Verlierern: Fantastic haben ihre Vortagesgewinne wieder abgegeben und lagen zuletzt bei minus 9,6 Prozent. Pixelpark verloren rund 6,3 Prozent.

Der Euro notierte am Vormittag bei Kursen um 0,899 Dollar.