Börse Starke Verluste zum Handelsschluss
Frankfurt am Main - Verluste bei besonders schwer gewichteten Aktien haben den Dax am Mittwoch belastet. Vor allem High-Tech-Titel und die Aktie der Deutschen Telekom gerieten nach einem freundlichen Vormittag unter Abgabedruck, der sich bis Handelsschluss weiter verschärfte.
Der Dax schloss mit 1,68 Prozent im Minus bei 6620 Punkten. Die frühen Kursgewinne für die Wachstumstitel am Neuen Markt schmolzen bis zum Abend vollständig. Der Nemax-50 fiel um 1,75 Prozent auf 3428 Punkte, nachdem der Kursanstieg am Vormittag noch mehr als zwei Prozent betragen hatte. Der M-Dax schloss um 0,24 Prozent fester bei 4753 Zählern.
Gewinnmitnahmen drücken Technologietitel
Die Kursverluste der T-Aktie waren entscheidend für den schwachen Dax. Zuletzt notierte das Papier bei 38,90 Euro, ein Verlust von 3,35 Prozent. Händler führten die Abgaben auf Gewinnmitnahmen zurück. Siemens-Aktien fielen am Tag vor der Bilanzpressekonferenz um 3,71 Prozent auf 142,80 Euro. Die Aktien der Konzerntochter Epcos gaben weiter um 4,09 Prozent auf 107,90 Euro nach. Die Hamburgische Landesbank erklärte dies mit Gewinnmitnahmen.
SAP, die noch mit leichten Gewinnen gestartet waren, verloren 2,75 Prozent auf 180,30 Euro. Infineon gaben 3,77 Prozent auf 50,87 Euro nach. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston hatte zuvor das Kursziel für die Aktie reduziert.
HypoVereinsbank hat jetzt mehr Gewicht im Dax
Aktien der HypoVereinsbank bildeten mit plus 2,67 Prozent auf 58,52 Euro die Spitze im Dax. Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse führte den Kursanstieg unter anderem auf eine künftig höhere Gewichtung der Bank im Dax nach der Übernahme der Bank Austria zurück. Die Deutsche Börse hob die Dax-Gewichtung der HypoVereinsbank nach Börsenschluss von 2,45 auf 3,2 Prozent.
Kursgewinne von 1,16 Prozent auf 61 Euro verzeichneten auch die Papiere des Berliner Pharmaunternehmens Schering.
Investoren am Neuen Markt von schwacher Nasdaq überrascht
Der Kursverfall der Nasdaq am Nachmittag habe die Investoren am Neuen Markt überrascht, sagten Händler. Die starken Future-Gewinne vor Handelsbeginn und die Aussicht auf ein endgültiges Wahlergebnis mit George W. Bush als Sieger hätten Erwartungen geweckt, welche sich im weiteren Verlauf aber in Luft augelöst hätten.
Vor allem die Blue Chips am Neuen Markt mussten erneut deutliche Verluste hinnehmen. Sorgen über die Bewertung des Technologiesektors, Gewinnwarnungen in den USA und negative Kommentare von führenden Investmentbanken hätten erneut dunkle Wolken am Börsenhimmel aufziehen lassen, sagte Aktienhändler Jürgen Hufnagel von M.M. Warburg.
Letsbuyit.com schreibt Börsengeschichte
Mit einem Tagesgewinn von zwischenzeitlich 240 Prozent hat Letsbuyit.com am Mittwoch Geschichte geschrieben. Während der Gesamthandel weiter nachgab, erzielte die Aktie des Internet-Händlers den höchsten prozentualen Kursanstieg seit Gründung des Neuen Marktes. Die Papiere schlossen mit einem Zuwachs von 201,52 Prozent auf 1,99 Euro.
Händler führten die Rallye vor allem auf die geplante Abschaffung des Rabattgesetzes zurück. Letsbuyit.com war auch der erste "Penny-Stock" am Neuen Markt: Der Aktienkurs war deutlich unter einen Euro gefallen.
Brokat leidet unter Analysten-Einschätzung
Zu den deutlichsten Verlierern im Nemax gehörten Brokat, Broadvision, Intershop und Mobilcom. Das Brokat-Papier verlor 13,79 Prozent auf 33,45 Euro. Das US-Investmenthaus Lehman Brothers hatte das Kursziel für den Finanzsoftwarespezialisten 101 auf 45 Euro gesenkt. Die Analysten halten trotz begrenztem Aufwärtspotential an ihrer "Outperform"-Einstufung fest.
Broadvision gaben 5,90 Prozent auf 27,25 Euro nach und Intershop büßten 6,88 Prozent auf 44,00 Euro ein. Händler führten das Minus bei diesen beiden Titeln vor allem auf Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Kursanstieg zurück. Mobilcom drehten im Handelsverlauf ins Minus und schlossen 3,19 Prozent leichter auf 40 Euro.
Der Chipsektor habe vor allem unter den deutlichen Verlusten der US-Pendants und einer Welle von Kurszielkürzungen in diesem Sektor durch Analysten gelitten, hieß es. ACG fielen um 6,23 Prozent auf 47 Euro, ce Consumer Electronics um 6,73 Prozent auf 19,40 Euro und Dialog Semiconductor verloren 6,52 Prozent auf 25,24 Euro.
Euro rutscht zeitweilig ab - Rentenmarkt legt zu
Die Europäische Zentralbank legte den Euro-Referenzkurs auf 0,8748 (0,8782) Dollar fest. Damit kostete der Dollar 2,2357 (2,2271) Mark. Im Devisenhandel war der Euro am Mittag bis auf 0,8716 Dollar abgerutscht, erholte sich zuletzt aber auf 0,8760 Dollar. Der Dollar wurde mit 2,2331 Mark gehandelt.
Der Rentenmarkt zog klar an. Der Marktindex Rex notierte zuletzt um 0,4 Prozent fester bei 111,87 Punkten. Der richtungweisende Bund Future stieg um 0,3 Prozent auf 107,78 Punkte. Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittwoch mit 4,98 Prozent (Vortag: 5,00) fest.