Börse Technologiewerte brechen ein
Frankfurt am Main - Der Dax schloss um 1,60 Prozent leichter bei 6742 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax-50 brachen um 7,68 Prozent auf 3768 Punkte ein. Zwischenzeitlich wurde bei 3631 Zählern ein neues Jahrestief gemessen. Der M-Dax gab um 1,74 Prozent auf 4916 Zähler nach.
In den USA unterschritt die Computerbörse Nasdaq, an der vor allem Hochtechnologie-Aktien gehandelt werden, schon zum Handelsstart die 3000-Punkte-Marke. Zuletzt gab der Index 2,60 Prozent auf 2950 Zähler nach.
Amerikanische Industrietitel im Dow Jones sanken an der Wall Street insgesamt um 1,17 Prozent auf 10.479 Punkte. Wegen anhaltender Unsicherheit über den Ausgang der Präsidentenwahl neigen Investoren in den USA zur Zurückhaltung, hieß es.
Private Anleger "verbrennen sich jetzt die Finger"
Derzeit werde fast schon panikartig verkauft, sagte ein Händler einer Privatbank. Vor allem die institutionellen Anleger würden im großen Stil aussteigen. Das Nachsehen hätten viele Privatanleger. "Viele verbrennen sich jetzt die Finger", so ein Händler.
Für das laufende Jahr erwarte er keine wesentliche Besserung mehr. Frühestens Anfang kommendes Jahres sei mit einem Aufwärtstrend zu rechnen.
Die Euphorie am Neuen Markt sei jedenfalls verflogen. Nun stehe alles im Zeichen der Marktbereinigung. Für Verunsicherung sorgen die vielen negativen Unternehmensnachrichten, zudem kursierten offenbar wieder so genannte "Todeslisten", sagte ein Händler. Dennoch lasse sich der Kursrutsch damit nicht allein erklären.
Online-Broker unter Abgabedruck
Deutliche Verluste mussten am Montag die Aktien der deutschen Online-Broker hinnehmen. Consors büßten 16,12 Prozent auf 68,41 Euro ein. Phasenweise rutschte der Kurs auf 65,20 Euro ab und lag damit unter dem Schluss-Jahrestief, das bei 67,22 Euro liegt. Zum Handelsende erholte sich der Kurs jedoch wieder etwas.
Consors hatte vor Börsenstart seine Neun-Monats-Zahlen vorgelegt. Sie lagen nach Aussage von Volker von Krüchten, Bankanalyst der BHF-Bank, im Rahmen der Erwartungen. Vielmehr sei das schlechte Marktumfeld für Discount-Broker für den Fall der Aktien verantwortlich. Der Sektor sei überbewertet.
Die schlechte Marktstimmung bekamen auch Comdirect zu spüren. Das Papier verlor 9,69 Prozent auf 26m18 Euro. Die Direkt Anlage Bank ist der dritte am Neuen Markt notierte Online-Broker. Auch dieser Wert stand stark unter Druck und gab 4,27 Prozent auf 43,70 Euro ab.
Kinowelt mit neuer Beteiligung
Zu den wenigen Werten die zumindest einen guten Start hatten, gehört Kinowelt Medien. Ende vergangener Woche hatten Gerüchte über angebliche Liquiditätsprobleme den Titel unter Druck gesetzt, am Montag nun gab es erst ein deutliches Plus, ehe auch Kinowelt einbrach und am Ende 2,86 Prozent auf 19,33 Euro verlor.
Die Kinowelt Medien Gruppe hatte am Morgen eine Beteiligung von 25,2 Prozent an acht Multiplex-Kinocentern bekannt gegeben.
Zu den wenigen Gewinnern zählten FortuneCity.com mit einem Plus von 35,0 Prozent auf 2,16 Euro. Das Unternehmen hatte am Morgen seine Neun-Monats-Zahlen veröffentlicht. Demnach wurde der Verlust im Vergleich zum Vorjahr von 15,5 Millionen auf 7,7 Millionen Dollar zurückgefahren.
Händlermeinungen zufolge, sei der Kursanstieg allein durch diese Zahlen nicht zu rechtfertigen. Vielmehr handele es sich beim FortuneCity weiterhin um ein "Zockerpapier".
Atoss-Kurs stürzt nach Gewinnwarnung ab
Einen herben Einbruch erlebte die Atoss Software. Der Münchner Software-Entwickler hatte am Freitag nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung ausgegeben. Die Aktie verlor 45,57 Prozent auf 16,90 Euro.
"Da läuft ein großes Verkaufsprogramm ab ", sagte ein Münchner Händler. Gewinnwarnungen würde zur Zeit äußerst negativ aufgenommen.
Henkel schließt als schwächster Dax-Wert
Der Konsumwert Henkel litt unter Gewinnmitnahmen und bildete zeitweise den schwächsten Dax-Wert. Das Unternehmen hatte am Morgen Neunmonatszahlen vorgelegt. Das Papier verbilligte sich um 4,77 Prozent auf 73,33 Euro.
"Henkel-Aktien hatten sich in den letzten Tagen bereits in Erwartung guter Zahlen kräftig erholt", sagte Aktienhändler Thomas Engel von der Investmentbank M.M. Warburg in Hamburg. Nun überwögen erneut die Verkäufer.
Technologietitel deutlich im Minus
Bei den Technologiewerten führte Epcos die lange Verliererliste an. Die Aktien verloren 5,85 Prozent auf 83,70 Euro, dicht gefolgt von SAP, die um 4,50 Prozent auf 201,50 Euro fielen. Die Aktie von Siemens verlor 2,24 Prozent auf 130,50 Euro.
Infineon Technologies legten eine späte Kurserholung hin, die dem Wert bis zum Börsenschluss um 0,32 Prozent in die Pluszone rückte. Der Wert schloss bei 43,84 Euro.
Konsumtitel ziehen wieder an
In Erwartung eines guten Weihnachtsgeschäftes und nach einer positiven Branchenstudie zog die Aktie des Essener Kaufhauskonzerns KarstadtQuelle am Nachmittag an die Spitze der 30 Dax-Werte. Die Aktie gewann gegen den Trend 2,36 Prozent auf 39 Euro hinzu.
Investoren tauschten inzwischen Technologietitel gegen defensive Werte wie Konsumtitel ein, sagte ein Frankfurter Wertpapierhändler. Die Metro-Aktie hielt sich mit einem Kursplus von 1,63 Prozent auf 49,95 Euro gleichfalls in der Spitzengruppe.
Europas Börsen leiden unter den schlechten Vorgaben
Mit seiner Schwäche stand der Dax in Europa nicht alleine. Auch die Börsen in Paris, London und Mailand verzeichneten teils hohe Kurseinbußen. Der in Paris ermittelte EuroStoxx-50 verlor 1,76 Prozent auf 4847 Zähler.
Der Euro gab am Devisenmarkt geringfügig nach. Er wurde zuletzt bei 0,8613 Dollar gehandelt. Der Dollar war 2,2703 Mark wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8620 (Freitag: 0,8673) Dollar fest. Der Dollar kostete danach 2,2689 (2,2551) Mark.
Der Rentenmarkt legte leicht zu. Der Bund-Future zehnjähriger Staatsanleihen war um 0,1 Prozent fester bei 105,58 Punkten. Der Rentenindex Rex kletterte ebenfalls um 0,1 Prozent auf 110,30 Zähler. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittag bei 5,24 (Freitag 5,26) Prozent fest.