Börse: US-Daten weisen den Weg nach unten - DER SPIEGEL
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Börse US-Daten weisen den Weg nach unten

In Deutschland wächst die Wirtschaft wie zu Zeiten der New-Economy. In den USA deuten die Stimmungsbarometer dagegen auf rauere Zeiten hin - Grund genug für die Investoren an den deutschen Börsen, erst einmal ihre Gewinne mitzunehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/New York - Es ist bereits der zweite Tag in Folge, dass die US-Wirtschaft als Spielverderber auftritt. Schlechte Konjunkturdaten aus den USA zählen zu denjenigen, an die sich Anleger in aller Welt nicht gewöhnen können, selbst wenn die heimische Wirtschaft gar keinen Grund zur Sorge gibt. Der Kursverlauf des Dax zeigt dies mehr als deutlich. Zu Handelsbeginn sammelte der Leitindex noch kräftig Punkte - um dann nach der Veröffentlichung neue Konjunkturdaten aus den USA umso heftiger einzubrechen. Zum Handelsschluss schließlich wurde ein Minus von 1,08 Prozent oder 6241,13 Zähler festgeschrieben. - und das war schon wieder ein um ein paar Punkte verbesserter Wert gegenüber dem zeitweiligen Tiefststand des Tages von 6195 Zählern.

Auch der Wochenvergleich stimmt nicht eben glücklich: Rund 170 Punkte büßte der Dax im Verlauf der letzten fünf Handelstage ein. Der MDax hielt sich unterdessen mit 0,32 Prozent auf 8808,33 Punkte im Plus. Für den TecDax ging es um 0,54 Prozent auf 693,42 Zähler nach unten.

Schlechte Nachrichten aus den Unternehmen waren diesmal, wie gesagt, für die Talfahrt nicht verantwortlich, im Gegenteil: die Auftragsbücher sind hier zu Lande so gut gefüllt, wie lange nicht mehr. In Deutschland ließen Zuwächse bei Produktion, Aufträgen und Beschäftigung eines der wichtigsten Konjunkturbarometer der Branche, den RBS/BME-Einkaufsmanagerindex (EMI), leicht um ein Zehntel auf 58,3 Punkte steigen. "Die Aussichten sind sowohl für die Produktion als auch für die Beschäftigung in Deutschland sehr gut", sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt des britischen Forschungsinstituts NTC, zu der monatlichen Umfrage unter etwa 400 Unternehmen.

Die Zunahme an Aufträgen geht gleichermaßen auf einer höhere Inlands- und Exportnachfrage zurück. Firmen berichteten von höheren Bestellungen namentlich aus den USA, aus den Ländern der Europäischen Union sowie aus Südasien.

Wegen der sehr guten Auftragslage fuhren die Industrieunternehmen ihre Produktion kräftig nach oben, und die gute Geschäftslage ermutigte sie zu Neueinstellungen. Auch geplante Firmenerweiterungen sorgten für neue Stellen. Der Index für die Beschäftigung stieg im November auf 53,8 von 52,7 Zählern, den zweithöchsten Stand seit dem New-Economy-Boom vor sechs Jahren.

Dagegen gibt der Blick in Richtung USA Grund genug, um die Investoren zu verschrecken: Dort gingen gleich eine ganz Reihe wichtiger Konjunkturindikatoren zurück:

  • Zunächst ist der Novemberwert des viel beachteten Konjunkturindexes der US-Einkaufsmanager überraschend auf den tiefsten Stand seit April 2003 gefallen. Der Index sank auf 49,5 Zähler (Vormonat: 51,2 Punkte), wie das Institute for Supply Management (ISM) am Nachmittag mitteilte. Beim Einkaufsmanager-Index hatten Experten im Schnitt mit einem leichten Anstieg auf 51,5 Punkte gerechnet. Ein Index-Wert von mehr als 50 Punkten deutet auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin, Werte darunter zeigen ein Schrumpfen an.

  • Gleichzeitig sank der US-Beschäftigungsindex von 50,8 Zählern im Oktober auf 49,2 Punkte.

  • Das Barometer für die Neuaufträge sank auf 48,7 von 52,1 Zählern.

  • Dagegen kletterte der Teilindex für die Preise auf 53,5 Zähler von zuvor 47,0 Punkten.

Und als wenn das noch nicht genug wäre: Ein US-Einkaufsmanagerindex unter 50 Punkten weist tendenziell auf eine Abschwächung der Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft hin, also wird laut Händlern eine baldige Zinssenkung durch die US-Notenbank wahrscheinlicher.

mik/Reuters/dpa