Börsen am Mittag: Dax fällt unter 6000 Punkte - DER SPIEGEL
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Börsen am Mittag Dax fällt unter 6000 Punkte

Die deutschen Aktienmärkte bauen ihre Verluste aus. Der Technologiesektor wird von einer Gewinnwarnung des Elektronikriesen Philips belastet. Die Telekom stemmt sich noch gegen den Abwärtstrend.
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Frankfurt am Main - Der Dax vergrößerte zum Mittag sein Minus und verlor bis 12.30 Uhr 0,7 Prozent auf 5986 Punkte. Im Nemax 50 verloren die Aktien durchschnittlich 1,7 Prozent und drückten den Index auf 1493 Zähler. Positive Vorzeichen trugen die Nebenwerte: Der M-Dax legte 0,4 Prozent auf 4750 Punkte zu.

Zum dreifachen Verfallstermin von Futures und Optionen auf den Dax und Optionen auf Aktien schwankten die Titel stark, sagte ein Händler. Die Stimmung an den Märkten habe sich in den vergangenen Tagen spürbar verschlechtert und die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne steige wieder.

Positive Impulse erhofften sich die Händler aus den USA. Die Futures für S&P 500 zeigten nach oben und deuteten auf eine freundliche Eröffnung. Der Nasdaq-Future zeichnete hingegen ein negatives Bild für die Tech-Werte. Zudem stehen wieder Konjunkturdaten an. Am Nachmittag wird der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan veröffentlicht. Zusätzlich werden die Zahlen für die Verbraucherpreise und die Realeinkommen für den Monat Mai erwartet.

Die Deutsche Telekom blieb am Mittag stärkster Wert im Dax und trotzte damit dem Abwärtstrend bei den Technologiewerten. Die T-Aktie verteuerte sich um 2,6 Prozent auf 24,88 Euro. Hier würde vor der Index-Anpassung im Dax gekauft, sagte ein Händler. Ab der kommenden Woche wird das Papier im Edelsegment der Deutschen Börse stärker gewichtet.

Zudem profitierte die T-Aktie von einer Empfehlung des Investmenthauses Goldman Sachs. Die Analysten sehen bei der Telekom Aufwärtspotenzial und sagten, dass die Wachstumsraten besser als erwartet ausgefallen seien.

Die übrigen Technologiewerte notierten dagegen im Minus. Die Titel von SAP gaben zwei Prozent auf 156,29 Euro ab, obwohl die Aktie am Morgen von Goldman Sachs auf der Empfehlungsliste ("Recommended List") bestätigt wurde. Ab kommenden Montag werden die im Dax gelisteten Vorzüge in Stämme umgetauscht. Damit erhöht sich auch die Marktkapitalisierung im Index, der nach Streubesitz errechnet wird.

Die Aktien von Infineon (minus 1,9 Prozent auf 37,43 Euro) und Epcos (minus 0,7 Prozent auf 67,07 Euro) präsentierten sich ebenfalls schwach. Siemens-Papiere führten mit einem Verlust von 3,2 Prozent auf 76,07 Euro die Verliererliste an. Die Siemens-Familie fiel im Sog negativer Nachrichten. So gab Philips eine Gewinnwarnung seiner Halbleitersparte für das zweite Quartal aus. Außerdem kursierten Gerüchte am Markt, wonach der US-Netzwerkausrüster Cisco für das laufende vierte Geschäftsquartal eine Gewinnwarnung veröffentlichen wird.

Deutlich im Minus notierten auch die Autowerte. Die Aktien von BMW (minus 2,1 Prozent auf 38,04 Euro), Volkswagen (minus 0,5 Prozent auf 55,08 Euro) und DaimlerChrysler (minus 0,5 Prozent auf 51,75 Euro) verloren kräftig. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) will mit ihrer Klage gegen den Aktienoptionsplan von DaimlerChrysler möglicherweise vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe ziehen. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte am Mittwoch die Rechtmäßigkeit der Mitarbeiterbeteiligung in zweiter Instanz bestätigt. "Wir müssen erst die Begründung des Gerichts abwarten, sind aber durchaus geneigt, auch zum BGH zu gehen", sagte SdK-Sprecherin Reinhild Keitel.

Die Analysten von Lehman erhöhten das Kursziel für die Titel der Münchener Rück von 317 auf 352 Euro. Das Papier des Versicherers gab dennoch um 0,4 Prozent auf 323 Euro nach, während Allianz-Papiere Gewinne von 0,1 Prozent auf 343,45 Euro verbuchten.

Die Aktie von Schering verlor 0,7 Prozent auf 64,81 Euro. Das Unternehmen wird heute auf dem Forschungs- und Entwicklungstag neue Pläne und Produkte vorstellen. In Erwartung guter Nachrichten stieg das Papier am Donnerstag zeitweilig auf ein neues Jahreshoch.

Berg- und Talfahrt am Neuen Markt

Die Wachstumswerte präsentierten sich extrem schwankungsanfällig. Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde am Mittag von Brokat angeführt, nachdem die Aktie am Morgen noch im Minus notierte. Die Aktie drehte im Handelsverlauf jedoch ins Plus uns legte bei hohen Umsätzen 11,4 Prozent auf 3,80 Euro zu. In den vergangenen Tagen ist der Kurs dramatisch gefallen, nachdem das Bankhaus Metzler in einer Analyse ein Kursziel von null Euro ausgegeben hatte.

Die Aktie von Adva war mit einem Abschlag von 19,7 Prozent auf 5,50 Euro der größte Verlierer. Ebenfalls schwach präsentierten sich die Titel von Balda, die zwölf Prozent auf 12,50 Euro abgaben. Das Unternehmen hat am Morgen eine Umsatzwarnung ausgegeben. Das Wachstum werde vermutlich nicht die ursprünglich prognostizierten 47,5 Prozent erreichen, sondern eher bei 20 Prozent liegen. Balda rechnet nun 2001 mit Umsatzerlösen von 192 Millionen Euro. Geplant waren rund 236 Millionen Euro. Das anvisierte Umsatzziel 2001 liege damit dennoch gut zehn Prozent über dem Marktdurchschnitt, teilte das Unternehmen mit.

Die Titel der Direkt Anlage Bank verloren 4,1 Prozent auf 16,88 Euro. Am Vortag hatte die US-Investmentbank Merrill Lynch ihre Gewinnprognose für die Charles Schwab Corp gesenkt. Handelsvolumen und Einlagenhöhe des Wertpapierhandelshauses, das ein umfangreiches Online-Brokerage-Geschäft betreibt, waren deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück geblieben. Zu den Gewinnern gehörte Intershop. Die Papiere legten um 5,8 Prozent auf 3,81 Euro zu.

Euro steigt auf Dreiwochenhoch zum Dollar

Der Euro hat im europäischen Handel am Freitag ein Dreiwochenhoch markiert, nachdem am Donnerstag in den USA Kritik an der Politik des starken Dollar laut geworden war. Der US-Industrieverband NAM hatte den Dollar als um 25 bis 30 Prozent überbewertet bezeichnet. Einen grundlegenden Stimmungswandel zu Gunsten der Gemeinschaftswährung bezweifelten Analysten allerdings.

Auch zum Yen erreichte der Euro sein höchstes Niveau seit drei Wochen. Die Japanische Bundesbank BoJ hatte am Freitag entschieden, ihre Politik nicht zu ändern.

Gegen 11.45 Uhr kostete ein Euro 0,8655 Dollar nach 0,86254 Dollar zum Handelsschluss in New York. Zur japanischen Währung notierte der Euro mit 104,72/85 (104,70/81) Yen. Zuvor hatte der Euro ein Dreiwochenhoch von 104,92 Yen markiert. Die US-Währung kostete 121,38/43 (121,40/45) Yen.